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Dahlemer Ratsmitglied Emmanuel Graf Beissel: Schlossherr ist seltener Gast im Rat

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Emmanuel Graf Beissel von Gymnich saß für die FDP im Dahlemer Rat. Anwesend war er bei den Sitzungen allerdings höchst selten.  Foto: Johannes Puderbach
Das Dahlemer Ratsmitglied Emmanuel Graf Beissel hat nur wenig Zeit, sich um sein Mandat zu kümmern. Zuletzt hatte er im September 2012 an einer Sitzung teilgenommen. Entlohnt wird der Schlossherr aber dennoch.  Von
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Emmanuel Graf Beissel von Gymnich ist ein bekannter Mann. Der Schlossherr aus Schmidtheim schreibt nicht nur als Unternehmer Schlagzeilen, sondern ist auch in der Politik aktiv. Er trat bei der jüngsten Kommunalwahl als Spitzenkandidat der Dahlemer FDP an und wurde über die Reserveliste in den Gemeinderat gewählt.

Doch wenn das Gremium tagt und für die Probleme der Kommune Lösungen sucht, ist der Graf nur äußerst selten zugegen. Genauer gesagt: fast nie. In den vergangenen anderthalb Jahren nahm Graf Beissel an exakt einer einzigen Sitzung des Gemeinderates teil. In diesem Jahr ist er noch gar nicht erscheinen.

Stets als abwesend vermerkt

Doch wird er trotzdem seit Januar wieder für die Ausübung seines öffentlichen Ehrenamtes bezahlt. Zuvor hatte die Gemeinde nämlich die Aufwandsentschädigung in mehreren Fällen gestrichen.

Da von jeder öffentlichen Ratssitzung eine Niederschrift erstellt wird, die im Internet einsehbar ist, kann jedermann den Fleiß seiner Gemeinderatsmitglieder nachprüfen. Die Protokolle aus Dahlem verraten folgendes: Am 12. September 2012 war Graf Beissel das letzte Mal anwesend, seitdem glänzt er durch Abwesenheit. Im gesamten Jahr 2012 und im bisherigen Verlauf von 2013 wird er stets als abwesend vermerkt.

Der Graf ist auch Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss, dieses Gremium tagt nicht-öffentlich, deshalb gibt es auch keine öffentlichen Niederschriften. Neuerdings weitete Graf Beissel sein politisches Engagement aus, und ließ sich auch in den Forstausschuss wählen.

Das Gremium tagte seitdem ein Mal – ohne den adligen Waldbauern.

„Die Niederschriften sind alle korrekt, sie wurden alle vom Rat gebilligt“, erklärte Helmut Etten, der für diese Dinge zuständige Mann im Dahlemer Rathaus. Für die Sitzungen, zu denen das Protokoll im Internet noch fehlt, erklärte Etten, dass auch hierbei der Graf nicht anwesend war.

Über die Anwesenheit bei den Sitzungen des Rechnungsprüfungsausschusses wollte Etten unter Verweis auf die gesetzlichen Vorschriften keine Auskünfte geben.

Der Schmidtheimer Schlossherr ist als Aufsichtsratsvorsitzender der Entrade Energiesysteme AG beruflich stark eingebunden.  Foto: Johannes Puderbach

Eigentlich müsste sich Emmanuel Graf Beissel von Gymnich im Vorfeld einer Sitzung, an der er nicht teilzunehmen gedenkt, bei Bürgermeister Reinhold Müller entschuldigen. Doch dies hat er nur selten gemacht, meistens fehlt er unentschuldigt. „Ich habe noch nie mit ihm darüber gesprochen“, erklärte der Bürgermeister auf Nachfrage.

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Und weiter: „Graf Beissel muss sein Verhalten den Bürgern erklären.“ Müller selbst wollte das häufige Fehlen des FDP-Mannes nicht weiter kommentieren. Er meinte nur: „Ich selbst mache das anders.“

„Kein böser Wille“

Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gestand Beissel sein häufiges Fehlen sofort. „Ja, das stimmt“, sagte er wörtlich. Als Begründung führte er an, dass er seine Geschäftstätigkeit sehr stark ausgeweitet habe. „Ich fahre mittlerweile täglich nach Düsseldorf“, sagte er. Dort hat die Entrade Energiesysteme AG, in der Beissel Vorsitzender des Aufsichtsrates ist, einen Bürositz.

Sein häufiges Fehlen sei „kein böser Wille“, erklärte Beissel. Wie er denn dazu stehe, dass er in diesem Jahr wieder eine Aufwandsentschädigung erhalte, obwohl er nie an den Ratssitzungen teilnehme. Darauf antwortete Beissel: „Manchmal bekomme ich Geld, dann wird wieder etwas zurückgebucht.“ Er habe keinen genauen Überblick und müsse dies zunächst einmal zu Hause kontrollieren. „Um welchen Betrag geht es denn?“, wollte er wissen.

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Wenn ein Mensch so stark beruflich eingebunden ist, dann liege es ja nahe, ein politisches Mandat niederzulegen. „Dies ist angedacht“, antwortet der FDP-Mann. Allerdings werde dies wahrscheinlich nicht so schnell geschehen. „Wann ist denn die nächste Wahl?“, fragte er. Kommendes Jahr im Mai, so die Antwort des Reporters.

Dann werde er höchstwahrscheinlich nicht mehr antreten, kündigte Beissel an.

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