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Ärzteschaft: Korruption schadet der Gesundheit

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Wer gegen das Gesetz verstößt, wird bestraft. Die schwarzen Schafe werden bekannt. Foto: dpa
Ausnahmen gibt es immer: Doch der Großteil der Mediziner lässt sich nicht korrumpieren. Umso unverständlicher ist es, dass immer noch so viele Vorbehalte gegen ein Anti-Korruptionsgesetz bestehen. Dabei würde es allen nützen. Ein Kommentar  Von
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Ist die Ärzteschaft ein Berufsstand der Korrupten? Fast könnte man das angesichts der zahlreichen Berichte meinen: Fangprämien für die Überweisungen an ausgewählte Krankenhäuser, Kaffeeautomaten für die Verordnung bestimmter Pillen, ein Leasingfahrzeug für den Ehepartner, vom Sanitätshaus bezahlt. Doch der Eindruck trügt. Die meisten Mediziner wollen sich nicht zum Büttel bestimmter Unternehmen machen, sie wissen um die Verwerflichkeit solcher Geschäfte und wehren sich dagegen. Sie machen das auch öffentlich.

Etwa die Ärzte-Initiative mit dem trotzigen Namen „Mein Essen zahl’ ich selbst!“ Die Mitglieder empfangen keine Pharma-Vertreter, legen in ihrer Praxis keine gesponserten Werbebroschüren aus und verzichten auf Computerprogramme, die von Medizinunternehmen finanziert worden sind. Damit das auch ihre Patienten wissen, erläutern sie ihre kritische Haltung auf großen Plakaten im Wartezimmer. Andere Ärzte verweigern die Teilnahme an sogenannten Anwendungsbeobachtungen, bei denen ihnen Hersteller unter dem Vorwand der Forschung vierstellige Summen für das Verordnen bestimmter Medizin überweisen. Viele nehmen generell keine Geschenke von Unternehmen mehr an.

Selbst die Pharmafirmen sind mit ihren Zuwendungen deutlich zurückhaltender geworden. Sie müssen befürchten, dass sie an den falschen Arzt geraten und ihr zweifelhaftes Werben für das eigene Produkt öffentlich werden könnte. Schon aus PR-Gründen akzeptieren deshalb einige Unternehmen bereits entsprechende Selbstverpflichtungen. Auch manche Ärztefunktionäre gehen mit dem Thema Korruption immer offensiver um. Sie haben wie viele andere Mediziner begriffen, dass es im Kern um die Ehre ihres Berufsstandes geht.

Umso unverständlicher ist daher, dass es in den Spitzen der deutschen Ärzteschaft immer noch Vorbehalte gegen ein Anti-korruptionsgesetz gibt. Es würde nämlich allen nutzen, wenn neben den fest angestellten auch die freiberuflich tätigen Ärzte wegen Bestechlichkeit belangt werden könnten – was bisher nicht der Fall ist.

Klare Regeln für Ärzte

Eine rechtliche Regelung würde endlich Klarheit schaffen, was der niedergelassene Arzt darf und was nicht. Wer gegen das Gesetz verstößt, wird bestraft. Die schwarzen Schafe werden bekannt. Zugleich wäre der Generalverdacht, unter dem Ärzteverbände ihre Kollegen sehen, ausgeräumt. Und die Pharmaindustrie könnte auf bestimmte unmoralische Angebote gleich ganz verzichten.

Nicht zuletzt wäre das Gesetz zum Nutzen der Patienten. Denn Korruption schadet im schlimmsten Fall ihrer Gesundheit, weil sie die beste Behandlung verhindert. Kranke müssen sich darauf verlassen können, dass der Doktor ihnen die Pillen verschreibt, die er gemäß seinem medizinischen Wissen für die wirksamsten hält. Und dass er nicht einfach die Medikamente des Unternehmens verordnet, das ihm die Espressomaschine bezahlt hat.

Wer sich korrumpieren lässt, muss dann auch juristische Konsequenzen zu spüren bekommen. Die Bundesregierung sollte trotz der Widerstände ein solches Anti-korruptionsgesetz vorantreiben. Sie muss nicht warten, bis auch noch der letzte Ärztefunktionär einsichtig geworden ist. Die Neuregelung ist Aufgabe der Politik. Je schneller sie sich dieser annimmt, desto besser.

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