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Antisemitismus: Köln braucht keine „Klagemauer“

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Kölner Klagemauer
Rest der Kölner „Klagemauer“, gesehen am 21. Februar. (Bild: Buurmann)
Innenstadt

Ein Jude, der ein palästinensisches Kind mit Messer und Gabel verspeist und ein Glas Blut dazu trinkt. So eine Karikatur ist keine „Israelkritik“ mehr, sondern lupenreiner Antisemitismus. Dass eben diese Karikatur mitten auf der Kölner Domplatte an der so genannten Klagemauer hing, sagt alles über die Motive dieses Projekts. Mit Engagement für Frieden, was ja angeblich das Ziel sein soll, hat das nichts zu tun – im Gegenteil. Walter Herrmann, der Initator der „Klagemauer“ stachelte auf dem prominentesten Platz der Stadt Köln zum Hass auf.

Deshalb ist es gut, dass man diesen Satz – vorerst – in der Vergangenheitsform schreiben kann. Die Papptafeln sind weg. Dank einiger engagierter Kölner Bürger wie den Macher des Severins-Burg-Theaters Gerd Buurmann. Er hatte, nachdem er die Karikatur an der „Klagemauer“ gesehen hatte, Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt und den Stein so ins Rollen gebracht. Verbunden hatte er das mit dem Hinweis auf eine Aktion, auf die Köln stolz ist: „Arsch huh, Zäng ussenander“. So lautet seit 1992 das Motto, unter dem Köln den „Arsch hoch“ kriegt und den Mund aufmacht, um gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu protestieren. Die Solidarität mit Minderheiten gilt ausdrücklich auch für Muslime. Das stellte die Stadt zuletzt unter Beweis, indem sie im September 2008 gegen den „Anti-Islamisierungskongress“ der Rechtspopulisten von „Pro Köln“ aufstand. Die provokante Frage Buurmanns, ob kölsche Toleranz wohl für Juden gelte, scheint inzwischen auch im Rathaus mit „Ja“ beantwortet zu werden.

Antisemitische Karikatur
Diese Karikatur hat zahlreiche Kölner Bürger gegen die „Klagemauer“ auf den Plan gerufen. (Bild: Buurmann)

Die Politik rückt ab

Selbst die Fraktionen von Linken und Grünen, die auch deutliche Israelkritik stets verteidigen, sind von der „Klagemauer“ abgerückt. Wenn auch spät – denn schon lange vor der Karikatur hatte Herrmann auf der Domplatte den Rand der Meinungsfreiheit übertreten und sich damit disqualifiziert. Etwa, als auf einer seiner Papptafeln israelische Soldaten als Mörder der Friedensaktivistin Rachel Corrie bezeichnet wurden, obwohl die Beschuldigten vor Gericht längst freigesprochen wurden. Das ist kein bissiger Kommentar mehr, sondern schlicht Verleumdung.

1998 erhielt Walter Herrmann den Aachener Friedenspreis. Lange war er ein Darling der selbsternannten Anti-Rassisten und Friedensfreunde. Die „Klagemauer“ war damit weit über Köln hinaus repräsentativ für den verlogenen Antifaschismus der Linken und eine wohlfeile Toleranz der Mitte, die Juden vor allem dann für schützenswert hält, wenn sie längst im Grab liegen – und die sich ansonsten um „Islamphobie“ sorgt, die aus Moslems die „neuen Juden“ macht.

Im Juni will Herrmann angeblich mit seiner „Klagemauer Palästina“ wieder kommen. Vielleicht will er sie ja künftig als künstlerische Installation verkaufen. Titelidee: „Judenhass im öffentlichen Raum“ Besser wäre, genau das passiert nicht. Köln kann auf eine antisemitische Dauerdemo vor der beliebtesten Sehenswürdigkeit der Republik hervorragend verzichten.

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