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DFL-Sicherheitskonzept: Der Machtkampf geht weiter

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Vor der Abstimmung gab es Fan-Proteste in Frankfurt.  Foto: REUTERS
Mit großer Geschlossenheit wurde auf der Mitgliederversammlung der Liga das neue Sicherheitskonzept verabschiedet. In den harten Fan-Kreisen wird es dennoch einen Aufschrei geben. Anstoß, der Kommentar.  Von
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Der deutsche Fußball ist am Mittwochnachmittag in Frankfurt nicht zu Grabe getragen worden. Nicht als Sport, nicht als Event und nicht als Teil einer deutschen Genuss-Kultur. Die deutsche Fußball-Liga, das Organ aller 36 Profi-Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga, hat auf Druck der Politik mit großer Mehrheit beschlossen, die Sicherheitsstandards in den Stadien höher zu legen. Nicht mehr, nicht weniger. Im Normalfall wird der Stadionbesucher, wenn alles so umgesetzt wird, wie beschlossen, auch künftig bei weitem nicht die Repressalien über sich ergehen lassen müssen, die jedem Fluggast seit Langem zugemutet werden.

Dass es in den harten Fan-Kreisen dennoch einen Aufschrei geben wird, hat andere Gründe. Seit Langem geht es im Kern der Auseinandersetzung um etwas Anderes als um für alle Seiten akzeptable Ergebnisse in der Sicherheitsdebatte.  Es geht darum, wer die Hoheit besitzt, darüber zu bestimmen, was Fan-Kultur im Fußball ist und wie weit sie gehen darf.  Darüber ist ein Machtkampf entbrannt, der dem harten Teil der Fans, vor allem den Ultra-Gruppen, eine öffentliche Aufmerksamkeit  zu Teil werden ließ wie zuletzt keiner anderen Interessengruppe in dieser Gesellschaft. Auch nicht jenen, die das aufgrund großer sozialer Benachteiligung wirklich nötig hätten.

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Daraus leiteten die bis in meinungsbildende Medienplattformen bestens vernetzten Gruppen mit einiger Logik ab, dass sie es sind, die alles bestimmen dürfen: Wie sie ins Stadion gelangen, was sie mitbringen und anzünden dürfen, was ein Ticket kosten  darf,  wie sie ihren Jubel zeigen dürfen und vor allem -  wann die anderen das nicht dürfen.  Wer es zuletzt gewagt hat, in den ersten 12 Minuten und 12 Sekunden eines Bundesligaspiels auch nur Piep zu sagen, ist von den Hoheitsbesitzern der Fußballkultur gnadenlos niedergebrüllt worden. Die Debatte hat eine gesellschaftliche Dimension angenommen, dass man glauben konnte, es handele sich um ein Ding wie das ägyptische Verfassungsreferendum, das Millionen Menschen einen großen Teil ihrer Grundrechte nehmen soll. Dabei sind die 500 000 Menschen, die wöchentlich die Stadien der ersten und zweiten Liga besuchen, eine Minderheit. Und diejenigen, von denen eine Bedrohung, eine Minderheit dieser Minderheit. Und dieser Minder-Minderheit wird das ganze Staatstheater gewidmet. 

Jetzt ist es allerdings nicht mehr möglich, der Debatte die ihr zustehende Bedeutung zurück zu geben. Daran haben auch die Politiker Schuld, die in der publikumswirksamen Nähe des Fußballs ein paar Mal zu oft mit dem Sheriff-Colt gewedelt haben, um in der Sache wirklich glaubhaft zu sein. Immerhin haben die in Sicherheitsfragen zu lange passiven Vereine vor dem Hintergrund massiver Drohkulissen mit großer Mehrheit ein Ergebnis gefunden, dass immerhin bemüht ist, den Interessen aller gerecht zu werden. Den Machtkampf um den Besitz der Fan-Kultur im Fußball wird das allerdings nicht beenden.  

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