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Jugendarbeitslosigkeit: Ganz Europa muss helfen

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Die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa ist hoch. Foto: dpa
In Südeuropa waren noch nie so viele junge Menschen ohne Beschäftigung wie heute. Die Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union ist jedoch längst kein nationales Problem mehr ist – und kann deshalb auch nicht national gelöst werden.  Von
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Europa droht eine verlorene Generation. In Spanien und Griechenland waren noch nie so viele junge Menschen arbeitslos wie heute. Jeder vierte unter 25 Jahren hat keine Arbeitsstelle und kein festes Einkommen. Eine ganze Generation verarmt in jungen Jahren und hat das Gefühl, abgehängt worden zu sein. Auch wenn die Jugendarbeitslosigkeit vor allem in Südeuropa erschreckende Ausmaße annimmt, betrifft sie dennoch den gesamten Kontinent. Die europäische Wirtschaft büßt durch die Nichtbeteiligung junger Menschen am Arbeitsmarkt Milliarden ein. Politische Unruhen sind programmiert.

Die Europäische Kommission will entgegenwirken und hat kürzlich eine unverbindliche Empfehlung vorgestellt. Diese sieht vor, dass Mitgliedsstaaten der EU allen EU-Bürgern unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach ihrem Abschluss „irgendeine Form der Beschäftigung“ garantieren sollten. Wie die Staaten die Garantie umsetzen, soll ihnen weitgehend überlassen bleiben.

Auch wenn der Ansatz richtig ist, ist diese Empfehlung so vage formuliert, dass Hoffnung auf Besserung erst gar nicht aufkommt. Um knapp 5,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren, die weder eine feste Stelle noch einen Ausbildungsplatz haben, einen Arbeitsplatz garantieren zu können, müssen die Europäische Kommission und mit ihr gemeinsam die EU-Länder eine entschiedenere Haltung zeigen.

„Irgendeine Form der Beschäftigung“

Schon die Formulierung „irgendeine Form der Beschäftigung“ birgt Gefahren. Fallen unter diese Bezeichnung auch Dauerpraktika? Werden diese Menschen überhaupt bezahlt? Wie viel Geld sollen sie für ihre Arbeit erhalten? Rechtlich bindende Regelungen zur Beschäftigung junger Menschen sind hier nötig. Einheitliche Qualitätsstandards für Praktika und eine angemessene Bezahlung wären ein erster Schritt. Man kann Unternehmen zwar nicht dazu zwingen, Arbeitsplätze zu schaffen, aber es können Anreize geschaffen werden. Doch dazu braucht es die Einsicht, dass es sich bei der Jugendarbeitslosigkeit um eine gesamteuropäische Herausforderung handelt.

Länder wie Großbritannien oder Schweden leisten gegenüber der Empfehlung bereits Widerstand. Die Europäische Union sei nicht für Fragen wie die Jugendarbeitslosigkeit zuständig, heißt es. Angesichts der Tatsache, dass fast ein Viertel aller Jugendlichen in der EU arbeitslos ist, finde ich das kurzsichtig, beinahe blind. Umfassende Investitionen in die Jugend werden gebraucht, damit Europa morgen nicht vor einem neuen Sozialfall steht.

Die Autorin (23) gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Köln. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.

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