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Kachelmann: Freispruch war logische Folge

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Jörg Kachelmann
„Keine Alternative“ bei Mangel an Beweisen. Jörg Kachelmann ist freigesprochen worden. (Bild: AFP)

Jörg Kachelmann ist vom Landgericht Mannheim vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin freigesprochen worden. Nach Auffassung der Strafkammer reichten die Indizien für eine Verurteilung nicht aus. Ein Freispruch zweiter Klasse mangels an Beweisen? Diese Unterscheidung in Freisprüche erster und zweiter Klasse gibt es nicht mehr, Freispruch ist Freispruch. Aber dennoch wird zwangsläufig in einer Urteilsbegründung unterschieden zwischen Freispruch aus erwiesener Unschuld und mangelhafter Indizien. Dem früheren Wettermoderator kann das egal sein, denn er ist bestraft genug. Auch die Entschädigung für die Untersuchungshaft hilft ihm wenig. Und den Beifall seiner Fans im Gerichtsaal muss er als peinlich abbuchen.

An 43 Tagen wurde gegen ihn verhandelt, an vielen Prozesstagen sein Privatleben unter die Lupe genommen, auch wenn es längst nicht immer um den Kernvorwurf der Anklage ging – parallel dazu enthüllten ehemalige Freundinnen gegen Honorar Details aus der Beziehung zu Kachelmann, die keinen, wirklich keinen anderen Menschen etwas angehen und nur einen Zweck zu erfüllen hatten: Der Mann sollte wegen seiner diversen Beziehungen zum Monster gemacht, moralisch erledigt werden.

Auch die Ex-Freundin, die durch keine objektiven Beweismittel gestützte schwere Vorwürfe erhoben hat, verlässt schwer beschädigt den Gerichtssaal. Obwohl ihr die Medien diverse Falschnamen gegeben haben, ist ihr wahre Identität im Internet längst enthüllt. Die Worte des Vorsitzenden Richters Michael Seidling bei der Urteilsbegründung, dass sich die Verdachtsmomente im Laufe der Verhandlung „abgeschwächt, aber nicht verflüchtigt“ hätten, dürften sie kaum trösten. Auch nicht der Kommentar von Alice Schwarzer, die sich wie immer auch nach dem Urteil auf ihre Seite warf: Die Ex-Freundin habe „sehr überzeugend dargelegt, dass sie vielleicht die Wahrheit gesagt habe.“

Der Freispruch für Jörg Kachelmann hat sich spätestens seit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft angekündigt, seit der Ankläger Lars-Torben Oltrogge behauptet hatte, dass die Lügen des mutmaßlichen Opfers „völlig losgelöst vom Tatgeschehen“ zu bewerten seien. Außerdem habe sie bei ihren Aussagen allerlei „Geträumtes“ vorgetragen, aber dennoch könne man ihr Glauben schenken. Fast ein Kunststück in Rabulistik war es, wie er die am angeblichen Tatmesser nicht vorhandenen Spuren zu einem Beweis von Kachelmanns Täterschaft umzudeuten versuchte.

Nach diesem Plädoyer, in dem die groben Ermittlungsfehler und die allzu frühzeitige Anklageerhebung übergangen werden mussten, konnte nur der Freispruch folgen. Das Gericht versuchte bei der Urteilsbegründung die Quadratur des Kreises, da es ja das Hauptverfahren gegen Kachelmann eröffnet und die Freilassung aus der Untersuchungshaft abgelehnt hatte. Die spätere Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe war eine Ohrfeige für die Strafkammer.

Welchen Anteil hatte der neue Wahlverteidiger am Ausgang des Prozesses, der noch mehr als die Staatsanwaltschaft auf Krawall frisiert war? Richter Seidling hat bei der Urteilsbegründung Johann Schwenn scharf kritisiert, da er mehrfach „Anstand und Respekt“ vor dem Gericht habe vermissen lassen. Schwenn schießt sofort scharf zurück, beschimpft die Kammer als befangen, und beklagt eine „Erbärmlichkeit, die ihresgleichen sucht“.

Dennoch waren es die Gutachten der Verteidigung, die von der Verteidigung erzwungene Untersuchung des Laptops und des Computers am Arbeitsplatz der Nebenklägerin, die die wesentlichen Entlastungsmomente zutage förderten. Nur: Es war der geschasste Rechtsanwalt Reinhard Birkenstock, der den Weg für den Freispruch geebnet hat.

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