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Kirchensteuer: Eine große Aufgabe

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Das Erzbistum Köln bekommt am meisten Kirchensteuer. Kardinal Meisner kann mit den Geschäften zufrieden sein. Foto: dpa
Das Erzbistum Köln erhält am meisten Kirchensteuer: 523 Millionen Euro stehen nach Abzügen zur Verfügung. Momentan hauptsächlich für Häuser und Personal. Es ist eine große Aufgabe, das Geld verantwortungsvoll zu nutzen. Der Anstoß.
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523 Millionen Euro: Was könnte man damit nicht alles machen? Das Drohnen-Debakel des Bundesverteidigungsministeriums wäre finanziert. Der Allianzkonzern könnte mit einem Schlag alle bei ihnen Versicherten entschädigen, die unter der Hochwasser-Katastrophe im Osten, Süden und Norden Deutschlands leiden. Vielleicht würde dieser Betrag sogar reichen, den 1. FC Köln zurück in die Bundesliga und in eine glorreiche Zukunft zu bringen. Irgendwie.

523 Millionen Euro: Soviel stehen - nach Abzug aller Abgaben - dem Erzbistum Köln an Kirchensteuereinnahmen aus dem aktuellen Jahr zur Verfügung. Ein gewaltiger Betrag, der dritthöchste, der jemals eingenommen wurde. Kein deutsches Erzbistum erhält mehr Kirchensteuern. „Wir müssen das Geld vernünftig einsetzen“, binsenweisheitet Generalvikar Stefan Heße, denn wer setzt schon freiwillig sein Geld unvernünftig ein. Das Erzbistum jedenfalls setzt dieses Geld allem Anschein nach überaus vernünftig ein. Der größte Teil der Kirchensteuer fließt in soziale und seelsorgerische Einrichtungen, in deren Personal und Betrieb. Die Einrichtungen sind unverzichtbarer denn je in Zeiten ständig schrumpfender Sozialetats der staatlichen Stellen.

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Beratungseinrichtungen, Schulen, Fortbildungsangebote, Kindertagesstätten, Jugendbetreuungen, Pflegeheime, aber auch die medizinische Versorgung, all diese Bereich würden kollabieren, wenn es nicht die kirchlichen – in diesem Fall: katholischen – Einrichtungen gäbe. Und das ist mitnichten ein Totschlagargument kirchlicher Institutionen, das ist der Status Quo. Auch wenn das Land NRW die kirchlichen Einrichtungen – und da vor allem die Gymnasien – teilweise subventioniert. Der zweite große Posten, der von den Kirchensteuern bezahlt wird, ist Bau, Neubau, Sanierung und Instandhaltung von den Hunderten Gebäuden im Besitz des Erzbistums. Vereinfacht gesagt: Für Personal und für Häuser gehen fast die kompletten Kirchensteuern drauf.

Das Erzbistum muss nun sehr genau darauf achten, weiterhin verstärkt in den Menschen zu investieren und nicht in Stein. Staatliche Stellen und politische Gremien drücken sich natürlich vor ihrer Verantwortung, wenn sie Sozialkürzungen beschließen und gleichzeitig auf kirchliche Einrichtungen verweisen, die es ja auch noch gebe. Das kritisiert die Kirche – und nicht nur die katholische – völlig zurecht. Aber es entbindet sie nicht davon, weiterhin alles dafür zu tun, dem Siechtum des Sozialstaat entgegen zu wirken. Es ist die urchristlichste Aufgabe, sich derer Anzunehmen, die Hilfe suchen und nirgends welche finden. Im Zuge dessen muss die Kirche auch Grundsätzliches hinterfragen. Ist es zum Beispiel richtig, wenn ein katholischer Kindergarten getaufte Kinder ungetauften vorzieht? Ist es richtig, statt einem nichtchristlichen Altenpfleger lieber garkeinen einzustellen, wenn sich ad hoc kein „richtiger“ Gläubige findet, obwohl der Job dringend besetzt werden müsste? Gerade die sozialen Einrichtungen, die so fulminant wichtige Arbeit leisten, müssen angesichts der immer angespannter werdenden sozialen Lage in Deutschland über eine weitere Öffnung für Nichtchristen nachdenken. Denn das können sie, und zwar ohne wichtige grundlegende christliche Ideale aufzugeben, die sie auch weiterhin vermitteln dürfen: Barmherzigkeit und Nächstenliebe. 523 Millionen Euro sind eine großer Betrag. Genauso groß ist Aufgabe, ihn verantwortungsvoll einzusetzen.

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