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Kommentar: Banker ohne Bodenhaftung

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Duo an der Spitze der Deutschen Bank: Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Foto: dpa
In keinem anderen westlichen Land haben Banken einen so schlechten Ruf wie in Deutschland. Seit Alfred Herrhausen ist es aber auch keinem Chef der Deutschen Bank gelungen, daran etwas zu ändern. Vor allem die Außendarstellung ist desaströs.  Von
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Etwa alle zehn Jahre passiert Deutschlands mächtigstem Banker ein Kommunikations-GAU. 1994 waren es die "Peanuts" von Hilmar Kopper, mit denen er offene Rechnungen von über 50 Millionen Mark herunterspielte, die durch die Insolvenz des Bauunternehmers Schneider in Mitleidenschaft gezogen wurden. 2004 war es das Victoryzeichen von Josef Ackermann zum Prozessauftakt in der Causa Mannesmann. Und 2012 ist es der Beschwerdeanruf von Jürgen Fitschen bei Hessens Ministerpräsident Bouffier. Jeder Fall für sich zeugt von der Abgehobenheit der Manager.

Das ist wahr. Wahr ist aber auch, dass es jeweils ein Lapsus war, der den Chefs der Deutschen Bank unterlaufen ist, die uns so ihren - vermeintlich - wahren Charakter preisgegeben haben. Bei Kopper soll es der Schrecken ob der fünf Milliarden an Schneider-Schulden gewesen sein, die das Bankensystem zwar nicht ins Wanken brachten, aber doch einige Erschütterungen auslösten. Da nervten die Fragen nach den nicht systemrelevanten Handwerkerrechnungen.

Bei Ackermann soll es die Nervosität am ersten Gerichtstag gewesen sein, beim Warten auf die sich verspätenden Richter, die ihn Michael Jackson imitieren ließ. Und Fitschen soll sein brisantes Telefonat Journalisten in den Block diktiert haben, so aufgewühlt war er ob seines an den Pranger gestellten Instituts.

Die Geschichte hinter der Geschichte relativiert zum einen die Empörung etwas, die sich medial entfaltet. Zum anderen zeigt sie, dass sich die Top-Banker ihrer öffentlichen Bedeutung nicht bewusst sind. In keinem anderen westlichen Land haben Banken historisch betrachtet einen so schlechten Ruf. Die Deutschen mochten Ingenieure schon immer lieber als Menschen, die aus Geld Geld machen. Jede Waffenschmiede erhält mehr Sympathiepunkte als die Banken. Alle Chefs der Deutschen Bank nach Alfred Herrhausen haben es nicht mehr verstanden, mit dieser Bürde umzugehen. Eine Banken- und Finanzkrise später hat die Öffentlichkeit ohnehin jedes Verständnis verloren. Deshalb ist es gut, dass die Staatsanwaltschaften und Gerichte jetzt auftrumpfen.

Das Gewerbe hat in den Zeiten der Deregulierung Blüten getrieben, die der Gesellschaft nur geschadet haben. Und da es die Deutsche Bank geschafft hat, in den Olymp der Investmentbanken aufzusteigen, wo es besonders schlimm zugeht - unter hohen Verlusten für die Aktionäre übrigens -, muss es der Politik darum gehen, diese Bank einzuhegen.

Hier eine Anleitung: Erstens muss die Politik die Justiz ermuntern, jeden Verdacht ernst zu nehmen und kein Institut zu schonen. Zweitens muss sie sich für eine noch striktere Regulierung einsetzen, die den Handel beschränkt, die außerbörsliche Geschäfte meldepflichtig macht und Termingeschäfte einschränkt. Dann werden auch Unternehmen nicht mehr mit Hilfe der Banken einen guten Teil ihrer Steuerschulden umlagern können.

Drittens sollte die Politik weiter auf Jürgen Fitschen setzen. Zumindest solange ihm kein Fehlverhalten bei der Unterzeichnung der Umsatzsteuererklärung nachgewiesen wird. Wer Fitschen, seine Vorgänger und seinen Co-Chef Anshu Jain kennt, weiß, dass die Deutsche Bank seit 20 Jahren keinen solideren, ehrlicheren und wenig größenwahnsinnigen Chef hatte. Er hat der Bank einen Kulturwandel verschrieben, der Zeit braucht. Es ist die Vergangenheit, die die Bank gerade einholt.

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