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Kommentar: Der schmale Grat der Nationalelf

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Manuel Neuer wurde nach seinem Fehler ausgepfiffen. Foto: dpa
Die Pfiffe gegen Torwart Manuel Neuer sind ein klares Beispiel dafür, dass die deutsche Nationalmannschaft gut ein Jahr vor der Weltmeisterschaft auf einem schmalen Grad wandert. Anstoß, der Kommentar  Von
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Wer in den 180 Minuten Einbahnstraßen-Fußball gegen Kasachstan in den  vergangenen sechs Tagen nach sportlichen Erkenntnissen für den Deutschen Fußball-Bund sucht, ist  schnell fertig:  Es gibt keine. Die Spiele und ihre Ausgestaltung, das 3:0 und das 4:1 gegen den rund 130 Weltranglistenplätze tiefer notierten Gegner, waren Pflichtübungen, die das DFB-Team mit jener Halbkonzentration abgespult hat, die gerade nötig war.

Der direkte Weg zur WM 2014 verläuft für die DFB-Elf nach dem Patzer der Schweden am Freitag wieder geradlinig, und so waren am Dienstag im eiskalten Nürnberg vor allem zwei Dinge bemerkenswert. Erstens: Wie tief in der Mannschaft die Erinnerung an das 4:4 gegen Schweden steckt, das im Umfeld eher als kurios wahrgenommen worden war. 

Nach Manuel Neuers Fehler aber war deutlich zu sehen, dass der Gedanke „es wird doch nicht schon wieder“ nicht nur jedem auf den Rängen im Kopf war, sondern auch in einigen Spieler spukte. Das Zweite war, wie unbarmherzig das Publikum mit dem Nationaltorwart umging, der von Teilen des fränkischen Publikums wohl mehr als Bayern-Profi und Schalke-Verlasser denn als deutscher Nationalspieler wahrgenommen wurde.

Die Häme-Attacken auf Neuer sind ein Beispiel für den schmalen Grat, auf dem sich die DFB-Elf ein gutes Jahr vor der Weltmeisterschaft befindet. Sie hat als Hochleistungsprodukt makellos zu funktionieren, um geschätzt zu werden. Diese Konsumentenhaltung mag etwas mit Zeitgeist zu tun haben. Gewiss ist sie auch ein Effekt der durchgestylten Kommerzialisierung und Präsentation der DFB-Vorzeigemannschaft als entrückter Elite-Zirkel. Sie ist aber auch Ausdruck der ständigen Sorge, dass das mehr hineingedachte als wirklich gegebene Versprechen auf einen Titel wieder nicht eingelöst werden kann. Dieser Entwicklung höchster Ansprüche zum Selbstverständlichen hin wollten Oliver Bierhoff und Joachim Löw in den Tagen Kasachstan-Spiele mit den Worten vom „eigentlich“ unmöglichen Titel entgegenwirken. Die Botschaft ist offenbar noch nicht angekommen.

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