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Kommentar: Köln ist nicht gefährlicher geworden

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Laut Statistik gehört Köln zu den gefährlichsten Städten Deutschlands. Foto: dpa
Köln gehört laut Statistik zu den gefährlichsten Städten Deutschlands. Allerdings ist die Aussagekraft solcher Untersuchungen durchaus fragwürdig. Denn das Leben in Köln ist nicht gefährlicher geworden. Anstoß, der Kommentar.  Von 
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Vielleicht sollte die Kölner Polizei einfach aufhören, Drogendealer zu jagen. Sie könnte Menschenhändlern freie Hand lassen und Kaufhäuser bitten, keine Ladendetektive mehr zu beschäftigen. Würde dann noch die KVB die Ticketkontrollen in Bussen und Bahnen einstellen und Schwarzfahrer unbehelligt lassen, wäre Köln schlagartig sicherer - jedenfalls auf dem Papier: Die Kriminalstatistik 2012 wäre um knapp 25 000 Fälle ärmer, Köln rutschte im Ranking der gefährlichsten deutschen Großstädte schlagartig von Platz drei auf Rang zehn. Und das liest sich doch schon viel besser.

Sogenannte Kontrolldelikte, die umso häufiger ans Licht kommen, je akribischer sie verfolgt werden, sind wohl das anschaulichste Beispiel für die zweifelhafte Aussagekraft der Kriminalstatistik. Regelrecht absurd wird es, wenn die Zahlen einzelner Städte auch noch miteinander verglichen werden, ohne auf die Besonderheiten zu achten.

Nur ein Beispiel: Jahr für Jahr verhageln massenhaft kaum aufzuklärende Fahrraddiebstähle der Polizei in Münster die Statistik. Das hügelige Wuppertal dagegen steht deutlich besser da. Kein Wunder, dort fahren viel weniger Menschen Fahrrad, die Zahl der Raddiebstähle ist marginal.

Aber allen Schwächen zum Trotz: Die Kriminalstatistik ist die einzige Möglichkeit, die Verbrechensrate in einer Stadt zu messen - wenn man sie denn richtig liest. Bessere Datensammlungen gibt es nicht. Und so ist es durchaus ernst zu nehmen, wenn wie im vorigen Jahr in Köln 5012 Wohnungseinbrüche angezeigt worden sind, 13 828 Körperverletzungen, 1853 Raubüberfälle auf der Straße - insgesamt 20 693 Opfer, von denen einige schwer verletzt wurden und lange unter den Folgen leiden werden. Die Polizei ist gefordert, diese Entwicklung mit tauglichen Konzepten zu bekämpfen.

Fakt ist aber auch: In Köln werden heute weniger Einbrüche angezeigt als vor zehn Jahren, weniger Überfälle, weniger Taschendiebstähle, weniger Autoaufbrüche. Auch die Gesamtzahl der Straftaten hat sich seit dem Jahr 2000 nur geringfügig erhöht.

Das sind Zahlen, die zur Beruhigung beitragen können. Da sollte man sich nicht von schiefen Vergleichen und fragwürdigen Rankings verunsichern lassen. Das Leben in Köln ist nicht gefährlicher geworden.

AUTOR
Tim Stinauer
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