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Kommentar zu Beckmann: Mit dem Rücktritt das Gesicht gewahrt

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Reinhold Beckmann  Foto: dpa
Reinhold Beckmann ist der Absetzung seiner Talkshow zuvorgekommen und hat mit seinem „Rücktritt“ eine drohende Niederlage in einen Sieg verwandelt. Die ARD-Intendanten stehen nun als Zauderer da. Ein Kommentar.  Von
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Wenn Kinder beim „Mensch ärgere dich nicht“-Spielen merken, dass sie keine Chance mehr auf den Sieg haben, dann versuchen es viele mit folgender Taktik: So tun, als habe man keine Lust mehr, auf Spielabbruch drängen, ein Unentschieden anbieten. Noch einen Schritt weiter ist Reinhold Beckmann am Wochenende gegangen. In einem Interview mit der „FAS“ verkündete er, mit seiner Talkshow Schluss zu machen – nach mehr als 14 Jahren.

Begründung: „Ich will nicht Gegenstand eines senderpolitischen Ablass- oder Kuhhandels werden, wo keiner weiß, was am Ende rauskommt. Ich habe nur den Verdacht, da zählt nicht unbedingt die redaktionelle Qualität, sondern welcher Sender wie viele Talkshows im Ersten hat.“

Ein perfekter Schachzug. Denn Beckmann, der Softie-Talker, über dessen betont einfühlsamen Fragestil sich viele lustig machen, ist etwas gelungen, das ihm erstmal jemand nachmachen soll. Er hat nicht nur eine Niederlage abwenden können, er hat sie gar in einen Sieg verwandelt.

Senderinterne Machtkämpfe

Natürlich hat Beckmann recht. Das Geschacher in der ARD über die Zukunft der fünf Talkshows des Senderverbundes ist zweifellos unwürdig. Seit Günther Jauch am Sonntag talkt und alle anderen Gesprächsrunden  durcheinander gewirbelt wurden, ist die Frage, wer künftig weiterhin am Abend seine Fragen im Ersten stellen darf, ein Dauerthema in der ARD. Da geht es um senderinterne Machtkämpfe. Muss der NDR eine Sendung abgeben oder vielleicht doch der WDR? Welcher Intendant setzt sich durch?

Dass es zu viele Talkshows im Ersten gibt, darüber waren sich eigentlich alle einig. Auch die Rundfunkräte von WDR und BR äußerten bereits ihren Unmut. Gäste, die gefühlt jeden zweiten Tag auf einem anderen Sofa sitzen, die immer gleichen Themen. Ewig konnte es so nicht weitergehen. Es spricht nicht für die ARD, dass seit Jahren keine Lösung gefunden werden konnte. An diesem Montag kommen die Intendanten zusammen. Wwie zu hören war, sollte dabei auch die Zukunft von Beckmanns Talk auf dem Programm stehen.

Nun ist der 57-Jährige der Führung des Senderverbunds zuvor gekommen. Der Zeitpunkt war perfekt gewählt. Am Wochenende wurde sein freiwilliger Rückzug bekannt. In dem Gespräch betonte Beckmann allerdings, bereits vor Wochen mit NDR-Intendant Lutz Marmor gesprochen zu haben. Die Botschaft ist eindeutig: Ich habe die Initiative ergriffen.

Beckmann hatte schlechte Karten

Das ist aber natürlich nur die halbe Wahrheit, denn er wusste, dass sein Talk die schlechtesten Karten auf eine Verlängerung hatte. Die Quoten – im Schnitt 1,04 Millionen im Jahr 2012 – sind schlecht. Schon bei der Umverteilung vor zwei Jahren war Beckmann wie das ungeliebte Stiefkind behandelt worden. Er muss am Donnerstagabend gegen Maybrit Illner ran, hat dann auch noch Markus Lanz im Nacken. Ein undankbarer Sendeplatz.

Jetzt hat er bewiesen, dass er ein Medienprofi ist. Mit der richtigen Mischung aus Ärger und Besorgnis hat er seinen Rückzug verkündet. Verlierer sind die ARD-Intendanten, die zwar sicherlich erleichtert sind, aber auch als Zauderer dastehen. Beckmann aber hat sein Gesicht gewahrt. Talkshow verloren, Image verbessert. 

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