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Kommentar zu Eichin: Der Baumeister des Glücks

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Thomas Eichin verlässt den KEC.  Foto: Rainer Dahmen
Geschäftsführer Thomas Eichin hat 14 Jahre die Geschicke der Kölner Haie geprägt - jetzt wechselt er nach Bremen. Dass es den KEC überhaupt noch gibt, ist zum großen Teil der Verdienst des 46-Jährigen. Anstoß, der Online-Kommentar.  Von
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Eigentlich hat man die immer wieder kehrenden Wechselgerüchte um Thomas Eichin in den letzten Jahren gern als Eishockey-Sommerloch-Themen belächelt. "Ich fühle mich berufen, in den Fußball zurück zu kehren", hat er zwar gern gesagt. Aber dann: Mal Schalke, mal Hannover - je länger nichts daraus wurde, desto weniger war damit zu rechnen, dass die Idee noch einmal Realität werden würde. 

Wenn der 46-Jährige nach der DEL-Saison, die für die Haie höchstwahrscheinlich in der Playoff-Teilnahme endet, den Klub nun also doch verlässt und zu Werder Bremen geht, hat er den achtmaligen Deutschen Eishockey-Meister 14 Jahre lang geprägt, davon zwölf Jahre lang an entscheidender Stelle. 

Dass Werder Bremen in dieser langen Fußball-Abstinenz kein Hindernis sieht, zeigt, dass die Norddeutschen nicht den klassischen Spieler-Käufer und Transfermarkt-Intimkenner gesucht haben. In diesem Bereich werden wohl Trainer Thomas Schaaf und Ex-Profi Frank Baumann künftig dominieren. Aber Eichin, der als Branchenfremder zum Eishockey kam, und nun als Branchenferner in den Fußball zurück  geht, hat in Köln Lernfähigkeit, Fleiß und Flexibilität nachgewiesen.  Und auch Geduld und Stehvermögen. Denn manche Zustände im deutschen Eishockey müssen einen Mann aus dem strukturell und kommerziell meilenweit überlegenen Fußball an den Rand der Verzweiflung bringen.

Wird der KEC den Eichin-Abgang verkraften?

Mit Thomas Eichin sind Höhen und Tiefen der jüngeren KEC-Geschichte verbunden - der Titel 2002, die Ära Hans Zach, der Abschied von Mäzen Heinz Hermann Göttsch, das erstmalige Verpassen der Playoffs, zwei Beinahe-Insolvenzen und schließlich der Wiederaufbau mit neuen Gesellschaftern und der Verpflichtung von Uwe Krupp. 

Die öffentliche Wertschätzung seiner Arbeit verlief meist parallel zum sportlichen Geschick: Eichin war schon "der Architekt des Untergangs" und auch der "Baumeister des Haie-Glücks". Solche Zuspitzungen hat er stets mit dem Verweis auf seine Fußball-Vergangenheit und das dort erworbene dicke Fell wegzulächeln versucht.  Man musste auf die Zwischentöne hören, um zu merken, dass Werder Bremen nicht nur einen raffinierten Manager und kühlen Rechner holt, sondern auch einen Mann mit divenhaften Zügen. Dass in jüngster Zeit aller Erfolg der Überfigur Uwe Krupp zugeschrieben wird, hat er als ungerecht empfunden.

Der Zeitpunkt für seinen Abschied ist passend und die Trennung zum Saisonende eine anständige Lösung. Dass es den Klub überhaupt noch gibt, ist zum großen Teil sein Verdienst. Und heute steht  der KEC sportlich so aussichtsreich da wie seit Jahren nicht mehr und ist finanziell gesund. Die Haie haben den Nachfolge-Kandidaten mehr zu bieten als bloßes Krisenmanagement. Eichin hinterlässt den KEC quasi, wie er ihn vorgefunden hat: Als gut aufgestellte große Marke im deutschen Eishockey.

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