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Kommentar zum AZ: Dialogbereitschaft sieht anders aus

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Die ehemaligen KHD-Kantine in der Wiersbergstraße, wo das Autonome Zentrum bisher untergebracht war. Foto: Michael Bause
Die Diskussion um das Autonome Zentrum wird viel zu spät geführt. Doch rechtfertigt dies nicht die unzulässigen Übergriffe auf Kölner Politiker. Eine deutliche Distanzierung von Gewalt seitens des AZ ist bisher ausgeblieben. Anstoß, der Kommentar  Von
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Mancher mag es lustig finden, wenn man dem Oberbürgermeister die Tür seiner Privatwohnung zuklebt. Mancher kann vielleicht  auch über Plakate lachen, die einzelne Politiker öffentlich vorführen. Die Betroffenen aber und ihre Familien sehen das mit Sicherheit anders. Und an der Veröffentlichung von Privatadressen im Internet   samt Aufruf zu persönlichen Besuchen ist gar nichts mehr lustig – hier wird es sehr schnell sehr  ernst.  Das  sind   nicht „einzelne Vorkommnisse“, wie verharmlosend suggeriert wird.  Es sind absolut unzulässige Übergriffe, die die Debatte um das Autonome Zentrum erheblich belasten. 

Leider ist es insgesamt eine Diskussion, die viel zu spät geführt wird. Völlige Gewaltfreiheit vorausgesetzt, wäre das Autonome Zentrum  zwar  sicher nicht die Keimzelle eines neuen Kunst- und Kulturerlebnisses, wie mancher Unterstützer findet. Es könnte aber  ein Biotop sein  mit eigenen Ideen, für das es in einer Millionenstadt, die sich tolerant nennt, einen Ort geben sollte. Vielfältigste  Vereine und Initiativen haben  in Köln  eine dauerhafte Bleibe gefunden, oft mit tätiger Hilfe der Stadt. Da mutet es eigenartig an, dass es nicht möglich gewesen sein soll, für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum zumindest eine weitere temporäre Lösung zu finden. Seit langem ist klar, dass die Kalker Halle nicht ewig zur Verfügung steht. Gesprächsangebote aus dem – zu der Zeit noch friedlichen – AZ gab es viele. Passiert ist wenig. 

Seit Beginn dieses Monats hat sich die Sachlage geändert. Grundlage des Handelns sind  allerdings seit langem bekannte Beschlüsse des Stadtrates – da helfen leidenschaftliche Hinweise einzelner Unterstützer auf „kreative Köpfe“ und „ungezähmte Kunst“ wenig. Die Verträge sind gemacht, die Sparkasse ist in der Pflicht, die Autonomen sind  keine Mieter mehr in der KHD-Kantine, sondern besetzen fremdes Eigentum. Auch die Argumentation, dass es ja einzelne Gewalttäter seien, die das insgesamt friedliche AZ nun in Misskredit bringen, zieht nicht. Um glaubhaft zu sein, braucht es mehr als das: nämlich eine deutliche Distanzierung von den Bedrohungen und eine Absage an jegliche Form von Gewalt. Um glaubhaft zu sein, braucht man aber auch ein Gesicht: „Wir halten es für nötig, die politisch Verantwortlichen klar zu benennen“, teilen die Autonomen mit. Aus dem AZ selbst aber erfolgt jegliche Kommunikation völlig anonym. Echte Dialogbereitschaft sieht anders aus.

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