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Kommentar zum Sturz Mursis: Ägypten hat zwei Jahre verloren

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Ein Ägypter mit dem Foto des Verteidigungsministers Abdel-Fattah Al-Sissi, kurz nachdem dieser die Absatzung von Präsident Mursi verkündet hatte. Foto: dpa
Mursi ist gestürzt - und Ägypten blickt in seiner postrevolutionären Entwicklung auf zweieinhalb verlorene Jahre zurück. Die Uhr steht jetzt wieder auf Null. Wie weit die Kräfte des gebeutelten Landes für einen neuen Anlauf reichen, ist ungewiss.  Von
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Die Ära Mursi ist zu Ende. Ein Jahr konnte sich der islamistische Präsident an der Spitze halten. Am Mittwochabend zeigte ihm nach Millionen Demonstranten auch die Militärführung die Rote Karte und nahm das Steuer Ägyptens wieder in die Hand. Die Verfassung ist ausgesetzt, der demokratisch gewählte Staatschef abgesetzt, das Shura-Restparlament aufgelöst – bei sämtlichen Staatsinstitutionen steht die Uhr wieder auf Null.

Ägypten blickt in seiner postrevolutionären Entwicklung auf zweieinhalb verlorene Jahre zurück. Und wie weit die Kräfte des gebeutelten Landes für einen neuen Anlauf reichen, weiß niemand.
Denn die spektakuläre Staatskrise kennt nur Verlierer. Die Armee wird im Inneren rigoros und ohne viel Rücksichten vorgehen, sonst könnte das ganze Land endgültig aus dem Ruder laufen. Die Opposition mit ihrer Allianz aus Demokratiebewegung und altem Mubarak-Seilschaften hat per Megaprotest den Sturz des ersten demokratisch gewählten Präsidenten am Nil mit heraufbeschworen. Und die Muslimbrüder haben nach 80 Jahren Untergrund in zwölf Monaten Regierungsmacht ihr politisches Kapital auf Jahre, wenn nicht auf Jahrzehnte verspielt.

Die Hauptverantwortung für dieses Demokratie-Desaster am Nil liegt bei Präsident Mursi und der Führung der Muslimbruderschaft. Ihr islamistischer Verfassungscoup im vergangenen November war die politische Ursünde, für die sie nun per millionenfachem Volksprotest und Machtverlust die Quittung bekamen. Mindestens ein Drittel der Bürger fühlte sich durch Mursis autoritäre Überrumpelungstaktik von der Mitgestaltung der postrevolutionären Charta ausgeschlossen. Denn bei ihren ideologischen Großzielen einer islamistischen Staatsordnung und einer Islamisierung der Gesellschaft waren sie niemals zu echten Kompromissen mit der liberalen muslimischen Minderheit oder den koptischen Christen bereit.

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