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Kommentar zum Wallraf-Richartz-Museum: Gute Baukunst will Weile haben

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Blick vom Wallraf-Richartz-Museum auf den Standort des geplanten Anbaus. Foto: Stefan Worring
Im Idealfall ist der Museumsbau selbst ein Kunstwerk. Im Fall des Wallraf-Richartz-Museum geht es nicht unbedingt um ein Kunstwerk, sondern um einen Anbau. Der die Architekten aber nicht vor weniger komplexe Aufgabe stellen wird.  Von
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Architektonisch sind Kirchen und Museen eng verwandt. Beide sollen die Schönheit, die in ihrem Inneren verkündet wird, nach außen abbilden, ohne dieser dabei die Schau zu stehlen. Kirchen- und Museumsbauten sind deswegen nicht nur die ehrenvollste Aufgabe für einen Architekten, sondern auch die heikelste. Im Idealfall ist der Museumsbau selbst ein Kunstwerk, aber eines, das sich ganz in den Dienst seines Bauherren stellt. Nichts ist trostloser als ein grauer Zweckbau für die Kunst; außer einem eitlen Baukleid, das alle Bewunderung für sich beansprucht.

Genau hinschauen

Beim Architekturwettbewerb zur Erweiterung des Kölner Wallraf-Richartz-Museums gibt es aber noch weitere Gründe, ganz genau hinzuschauen. Gesucht wird nämlich ein Anbau, der sich dem von Oswald Mathias Ungers entworfenen Haupthaus zwar nicht duckmäuserisch unterordnet, sich mit diesem aber vor allem keine ästhetischen Scharmützel liefert. Dieser Aufgabe ist nicht jeder Architekt gewachsen – zumal er mit der Erweiterung auch einige funktionale Mängel des Ungers-Baus beheben muss. Mit Garderoben und Sanitäranlagen – derzeit ein großes Desiderat des Wallraf – gewinnt man für gewöhnlich keine Auszeichnungen.

Allerdings sollte bei den 18 beteiligten Architekturbüros die Vorfreude auf eine komplexe Aufgabe deutlich überwiegen. Ist der bauliche Rahmen der historischen „via culturalis“ mit ihrer Perlenkette bestehender und geplanter Museen doch mehr als Anreiz genug. Für das Wallraf und den Stifter Gérard Corboud geht derweil eine lange Wartezeit zu Ende. Immer wieder verschob die Stadt den versprochenen Anbau für die impressionistische Sammlung der Fondation Corboud – dass dieser jetzt zum Greifen nah erscheint, fassen wir als gutes Omen für den Wettbewerb der Architekten auf. In der Hoffnung, dass gute Dinge einfach ihre Weile brauchen.

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