Debatte
Kommentare der Redaktion und Anstoß, der Online-Kommentar

Vorlesen
9 Kommentare

Kommentar zur FDP: Überleben als Mehrheitsbeschafferin

Erstellt
Der FDP Bundesvorsitzende Philipp Rösler Foto: dpa
Für die FDP geht es um die Macht — als Mehrheitsbeschafferin einer Regierung, sei sie sozial-liberal oder bürgerlich. Dafür braucht es im Parteivorsitz Kämpfer mit Herz und keine kühlen Strategen wie Philipp Rösler. Kommentar  Von
Drucken per Mail

Philipp Rösler hat einen Traum. Der FDP-Vorsitzende träumt, seine Partei werde gewählt, weil sie als einzige deutsche Partei für die Freiheit eintritt. Fernab von Dreikönigstreffen und ähnlichen Werbeveranstaltungen weiß Rösler allerdings, dass es nicht um große Worte geht, sondern um die FDP als Mehrheitsbeschafferin.

Wenn sie es am 20. Januar nicht in den Landtag schafft, dann wird es in Niedersachsen eine rot-grüne Regierung geben, obwohl Ministerpräsident McAllister mit seiner CDU weit vorne liegt. Wenn es die FDP im Herbst nicht in den Bundestag schafft, muss sich Angela Merkel einen neuen Koalitionspartner suchen und das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die SPD sein. So schön Röslers Reden von der Freiheit der Bürger und der Freiheitspartei FDP auch sein mögen — sie sind allenfalls Beiwerk. Es geht um die Macht. Punkt.

Mehr dazu

Röslers Problem als Parteivorsitzender ist, dass er diese Wahrheit nicht verdecken kann und vielen Bürgern die Angst vor einer anderen Regierung als einer aus Union und FDP vollständig abhanden gekommen ist.

Ist es wirklich so, dass die Menschen weniger Staat wollen? Ist es so, dass sie sich, während die Krise tobt, mehr Eigenverantwortung wünschen und einen Rückzug der Regierung? Wollen sie nicht lieber, dass man sie an der Hand nimmt und ihnen suggeriert, eine fürsorgliche Organisation nehme sich ihrer Sorgen und Nöte schon an?

Merkels Erfolg, Steinbrücks Fehlstart

Angela Merkel hat diesen frappierenden Erfolg, weil sie das Gefühl vermitteln kann, sie werde sich schon kümmern. Zur Not um alles. Der SPD-Kanzlerkandidat hat diesen einzigartigen Fehlstart hingelegt, weil er vieles kann, aber eines nicht: Auch nur den Anschein von Wärme erwecken.

Philipp Rösler ist ein kluger Mann und kein Träumer. Er kennt die FDP seit vielen Jahren und hat all ihre programmatischen Wendungen von der Bürgerrechtspartei zur Partei der Besserverdienenden, der Partei der Freiheit zur Spaßpartei (und zurück) erfahren. Und er weiß genau, dass es letztlich immer um ihr Überleben als Mehrheitsbeschafferin für eine Regierung gegangen ist, sei sie sozial-liberal oder bürgerlich.

Dafür freilich braucht es im Parteivorsitz Kämpfer mit Herz und keine kühlen Strategen. Kämpfer, wie es Hans-Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff waren und wie es der Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle und der Nordrhein-Westfale Christian Lindner sind. Der junge Herr Rösler sieht gegen sie alt aus.

Auch interessant
FACEBOOK
Top-Autoren
Frost-PC

Aktuelle Notizen aus der digitalen und der realen Welt, politisch, satirisch oder privat: Die Blogs von ksta.de.

ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!

Kleinanzeigen
Karikaturen
Sakurai

So sehen es unsere Karikaturisten. Das Beste von Sakurai, Hanel, SKOTT.