Debatte
Kommentare der Redaktion und Anstoß, der Online-Kommentar

Vorlesen
18 Kommentare

Kommentar zur Feuerwehr: Risikoloses Leben gibt es nicht

Erstellt
Die neue Maschine zur Entrauchung des Stadtautobahntunnels  Foto: Max Grönert
Seit der Loveparade-Katastrophe übertreffen sich Sicherheitsexperten mit neuen Auflagen. Die Kosten für die Kölner Feuerwehr sind enorm gestiegen. Doch man kann sich nicht gegen alle Eventualitäten schützen. Anstoß, der Kommentar.  Von
Drucken per Mail
Köln

Das Thema ist heikel, schließlich geht es um Leben und Tod. Aber es geht eben auch um die spannende Frage, ob sich der Mensch tatsächlich gegen alles Mögliche schützen will. Ein risikofreies Leben gibt es nicht. Nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg scheinen sich die Sicherheitsbeauftragten der Republik mit immer neuen Auflagen und Beschränkungen zu übertreffen. Sie fordern zum Teil Absurdes – und ersticken auf diese Weise Kultur und städtisches Leben. Dabei geht es nur vordergründig um die Sicherheit der Menschen, die man angeblich schützen will. Tatsächlich geht es um diejenigen, die für Sicherheit und Ordnung verantwortlich sind. Sie wollen sich absichern für den Fall der Fälle – und ist er auch noch so unwahrscheinlich. Stadtverwaltung, Bauaufsicht, Feuerwehr, Politiker – jeder versucht, so wenig Verantwortung wie möglich zu übernehmen.

Man würde sich ein bisschen von diesem zwanghaften Sicherheitswahn im Umgang mit den Risiken des Straßenverkehrs wünschen, der jeden Tag Verletzte und Tote fordert. Wie kann es sein, dass an den immer gleichen Kölner Kreuzungen Radfahrer angefahren werden, und niemand auf die Idee kommt, endlich mal die Kreuzung umzubauen? Gleichzeitig streifen die Sicherheitsbürokaten durch Schulflure und verbieten pädagogisch sinnvolles Arbeiten, weil Lernecken und Bücherregale in Fluren angeblich zu Todesfallen werden können.

Ob man wirklich bei der Feuerwehr Geld sparen kann, ist von außen schwer zu beurteilen. Auch die vom Stadtrat in Auftrag gegebene Vergleichsstudie mit anderen Städten wird da nur wenige neue Erkenntnisse bringen. Wer kann wirklich fachlich beurteilen, ob zwei schicke neue „Lösch-Unterstützungsfahrzeuge“ für jeweils 370 000 Euro zur Entrauchung eines Tunnels nötig sind, durch den seit Jahrzehnten Autos fahren und noch nie ein Feuer ausgebrochen ist? Man mag den Sinn solcher Anschaffungen bezweifeln. Aber welcher Politiker oder Oberbürgermeister  hat wirklich den Mumm, eine solche Anschaffung zu verweigern?

Das gleiche gilt für die Sicherheitsstandards, die nun diskutiert werden. Die Stadt, Kommunalpolitiker und Feuerwehrführung tun so, als wenn diese Fragen alle in Berlin oder Brüssel entschieden werden. Das ist natürlich nicht so. Der Brandschutzplan der Stadt, der Einsatzzeiten und Mannschaftsstärken regelt, ist Sache des Stadtrats. Und auch die Beamten der Bauaufsicht, die Kölner Kulturschaffenden mit Vorgaben das Leben schwer machen, sind städtische Bedienstete. Will die Politik etwas ändern, kann sie gleich anfangen. Traut Euch was!

Mehr dazu
Auch interessant
FACEBOOK
Top-Autoren
Frost-PC

Aktuelle Notizen aus der digitalen und der realen Welt, politisch, satirisch oder privat: Die Blogs von ksta.de.

ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!

Kleinanzeigen
Karikaturen
Sakurai

So sehen es unsere Karikaturisten. Das Beste von Sakurai, Hanel, SKOTT.