Das Thema ist heikel, schließlich geht es um Leben und Tod. Aber es geht eben auch um die spannende Frage, ob sich der Mensch tatsächlich gegen alles Mögliche schützen will. Ein risikofreies Leben gibt es nicht. Nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg scheinen sich die Sicherheitsbeauftragten der Republik mit immer neuen Auflagen und Beschränkungen zu übertreffen. Sie fordern zum Teil Absurdes – und ersticken auf diese Weise Kultur und städtisches Leben. Dabei geht es nur vordergründig um die Sicherheit der Menschen, die man angeblich schützen will. Tatsächlich geht es um diejenigen, die für Sicherheit und Ordnung verantwortlich sind. Sie wollen sich absichern für den Fall der Fälle – und ist er auch noch so unwahrscheinlich. Stadtverwaltung, Bauaufsicht, Feuerwehr, Politiker – jeder versucht, so wenig Verantwortung wie möglich zu übernehmen.
Man würde sich ein bisschen von diesem zwanghaften Sicherheitswahn im Umgang mit den Risiken des Straßenverkehrs wünschen, der jeden Tag Verletzte und Tote fordert. Wie kann es sein, dass an den immer gleichen Kölner Kreuzungen Radfahrer angefahren werden, und niemand auf die Idee kommt, endlich mal die Kreuzung umzubauen? Gleichzeitig streifen die Sicherheitsbürokaten durch Schulflure und verbieten pädagogisch sinnvolles Arbeiten, weil Lernecken und Bücherregale in Fluren angeblich zu Todesfallen werden können.
Im städtischen Haushalt summieren sich Kosten für die Feuerwehr auf rund 90 Millionen Euro. Nur rund ein Drittel der Kosten wird refinanziert über Krankenkassen, Versicherungen und andere Kostenträger, weil es sich um Einsätze im Rettungsdienst handelt. Den Großteil der Kosten übernimmt somit die Stadt.
Ob man wirklich bei der Feuerwehr Geld sparen kann, ist von außen schwer zu beurteilen. Auch die vom Stadtrat in Auftrag gegebene Vergleichsstudie mit anderen Städten wird da nur wenige neue Erkenntnisse bringen. Wer kann wirklich fachlich beurteilen, ob zwei schicke neue „Lösch-Unterstützungsfahrzeuge“ für jeweils 370 000 Euro zur Entrauchung eines Tunnels nötig sind, durch den seit Jahrzehnten Autos fahren und noch nie ein Feuer ausgebrochen ist? Man mag den Sinn solcher Anschaffungen bezweifeln. Aber welcher Politiker oder Oberbürgermeister hat wirklich den Mumm, eine solche Anschaffung zu verweigern?
Das gleiche gilt für die Sicherheitsstandards, die nun diskutiert werden. Die Stadt, Kommunalpolitiker und Feuerwehrführung tun so, als wenn diese Fragen alle in Berlin oder Brüssel entschieden werden. Das ist natürlich nicht so. Der Brandschutzplan der Stadt, der Einsatzzeiten und Mannschaftsstärken regelt, ist Sache des Stadtrats. Und auch die Beamten der Bauaufsicht, die Kölner Kulturschaffenden mit Vorgaben das Leben schwer machen, sind städtische Bedienstete. Will die Politik etwas ändern, kann sie gleich anfangen. Traut Euch was!



