Der Keller nervt. Er nervt die Politik, er nervt das Kulturamt, er nervt den Theaterbeirat. Einen anderen Schluss kann man kaum ziehen, wenn man sich die Stromschnellenfahrt in Richtung Insolvenz anschaut, auf die das Traditionshaus in der Kleingedankstraße geschickt wurde, als es 2009 auf Empfehlung des Beirats aus dem Förderkonzept der Stadt flog.
Seitdem hat Pia Maria Gehle, die die künstlerische Leitung des Theaters der Keller inmitten der finanziellen und künstlerischen Baisse übernommen hat, vieles richtig gemacht. Das zeigen die Nominierungen für den Theaterpreis, die Einladungen nach München und Hamburg. Bei der „west off“-Gastspielreihe vertritt der Keller Köln. Aus einer Publikumsbefragung ging er als beliebteste Bühne (elf Prozent) knapp nach dem Bauturm (zwölf Prozent) hervor.
Lokal begrenzte Bedeutung
Warum also will man den Keller nicht mehr? Als selbstproduzierender Spielbetrieb, schätzt Gehle, sei man strukturell ein Dinosaurier. Da hat sie ins Schwarze getroffen. Die Kölner Theaterlandschaft ist in einer Zeit der internationalen Koproduktionen ein Anachronismus aus vielen kleinen Bühnentrutzburgen von lokal begrenzter Bedeutung. Es ist verständlich, wenn die Stadt mit Hilfe eines Förderkonzepts an dieser Schraube drehen will. Und vielleicht war es blauäugig vom Keller, mit bloßen Versprechungen zu planen.
Nur sind das Theater der Keller und seine renommierte Schauspielschule die falschen Opfer. Weil Schule und Theater sich bedingen, weil die Qualität stimmt. Weil man ein Traditionshaus nicht aus kurzfristigem kulturpolitischen Kalkül kaputtmacht.
Gut möglich, dass der vorläufige Insolvenzverwalter noch Einsparungsmöglichkeiten findet. Aber währenddessen sollte der Theaterbeirat aufhören, sich als Robespierre’scher Wohlfahrtsausschuss zu gerieren. Oder die Kulturpolitiker schleunigst eingreifen.


