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Nobelpreis 2010: Mario Vargas Llosa – ein großer Autor

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Mario Vargas Llosa
Mario Vargas Llosa (Bild: dpa)

Der 1936 im peruanischen Arequipa geborene Vargas Llosa gehört schon seit langem zu den großen Autoren des südamerikanischen Kontinents. Zehn Jahre liegen zwischen einem seiner jüngsten Romane – „Tod in den Anden“ und „Wer hat Palomino Molero umgebracht“. In dieser Zeit hatte sich der politische Publizist Vargas Llosa von der Literatur zurückgezogen und sich der Politik zugewandt.1989 bewarb er sich vergeblich um das Amt des peruanischen Staatspräsidenten und mußte dem aus Japan stammenden Politiker Fujimori den Platz im Palast von Lima überlassen. Vargas Llosa vertrat als Politiker einen radikalen, von Karl Popper und Hayek bestimmten Liberalismus, den er als die Grundlage für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit ansah.

Als Erzfeind dieser politischen Option hatte er frühzeitig den kubanischen Diktator Fidel Castro ausgemacht, eine Haltung, die ihn in schroffem Gegensatz zu dem einstmals mit ihm befreundetn Kolumbianer Gabriel Garciá Márquez brachte. In der jüngsten Zeit machen allerdings Gerüchte einer möglichen Wiederannäherung der beiden Kontrahenten die Runde.

„Romane zu schreiben“, notierte Vargas Llosa,“ist ein Aufstand gegen die Wirklichkeit, gegen Gott, gegen die Schöpfung Gottes, die die Wirklichkeit ist.“Auch heute noch besticht er durch den Anspruch der Unbedingtheit. Eine in Spanien erscheinende Neuausgabe von „Hundert Jahre Einsamkeit“(dem Jahrhundertwerk des Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez)enthält eine Vorrede von Vargas Llosa, die auf einen von ihm 1971 verfaßten Text zurückgeht. Dies wurde von der Literaturwissenschaft als Sensation gefeiert. Denn auch der Peruaner hat mit seinem umfangreichen Werk Maßstäbe gesetzt, so mit den großen Romanen „Tante Julia und der Kunstschreiber“, “Die Stadt und die Hunde“,“Das grüne Haus“ oder „Das Gespräch in der Kathedrale“, Bücher, die als Klassiker des modernen realistischen Romans gelten. Nach dem Scheitern seiner politischen Ambitionen zog der Autor nach Madrid, wo auch sein Roman „Der Hauptmann und das Frauenbataillon“ entstanden ist.

Das Komische und das Tragische liegen bei diesem Autor dicht beisammen. Vargas Llosa, der die meiste Zeit in Europa zugebracht hat und auch einen spanischen Paß besitzt, hat immer der These widersprochen, daß politisches Engagement und literarische Berufung einander ausschließen. Vermutlich ist der neue Literaturnobelpreisträger stärker mit der Aufklärung verbunden als die meisten anderen lateinamerikanischen Schriftsteller.

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