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Papst Franziskus: Kein strahlender Reformer

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Franziskus blickt nach seiner Wahl auf den mit Gläubigen gefüllten Petersplatz. Foto: dpa
Ein Südamerikaner wird Papst. Ein Novum. Dennoch, die Wahl von Papst Franziskus darf nur bedingt als Signal des Aufbruchs gewertet werden, denn als Reformer ist er bis dato nicht in Erscheinung getreten. Ein Kommentar.  Von
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Ist das ein Grund zur Hoffnung? Ein Papst aus Lateinamerika, der auch noch den Namen Franziskus wählt? Dies kann als Signal des Aufbruchs gelten für die katholische Kirche, die so tief in der Krise steckt. Zumindest ist es ein Zeichen, dass es die Kardinäle inzwischen begriffen haben:  Das Zentrum des Glaubens liegt nicht länger in Europa.

Die Hoffnungen richten sich längst auf Lateinamerika, wo ein Großteil der Katholiken lebt. Auch vielen reformorientierten Christen in Europa gilt die Kirche der Armen als Vorbild für den wahren, unverfälschten Glauben.

Kann Franziskus zu einem Reformpapst werden, der die erstarrte Kirche in die Moderne führt? Zumindest sind leise Zweifel angebracht. Auch wenn Kardinal Bergoglio einen äußerst bescheidenen Lebensstil pflegt und als Stimme der Armen gilt, hielt er immer strikt Distanz zu den Befreiungstheologen, die sich offen gegen die Diktaturen und ungerechten Herrschaftsverhältnisse in den Ländern des Kontinents stellten. Nicht zuletzt wurde ihm vorgeworfen, sich nicht stark genug von der Militärdiktatur in Argentinien abgegrenzt zu haben.

Und innerkirchlich gilt Bergoglio als Bewahrer traditioneller Werte und Hardliner in Sachen Sexualmoral, der stark von konservativen Kräften unterstützt wurde.

Doch jetzt ist aus dem Kardinal ein Papst geworden, der seine Chancen hat und diese nutzen sollte. Die vor ihm liegenden Aufgaben jedenfalls sind riesig: Nach dem Missbrauchsskandal ist die Entfremdung zwischen der Kirchenleitung und den Katholiken gewaltig – nicht nur in Europa. Die Beziehungen zu den evangelischen Kirchen sind – zurückhaltend ausgedrückt – verbesserungswürdig.

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Nicht zuletzt muss Franziskus das „Vatileaks“-Chaos beseitigen, das Benedikt XVI. ihm hinterlassen hat. Das zumindest könnte  Franziskus in den Griff bekommen. Als Jesuit kommt der neue Papst aus einer straff geführten Organisation.

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