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Radfahrer-Unfälle: Die Stadt Köln muss aktiv werden

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Eine Radfahrerin ist in Köln-Zollstock von einem Lkw angefahren und schwer verletzt worden. Foto: Arton Krasniqi
Die Unfälle häufen sich: Drei Radfahrer sind in den vergangenen Tagen angefahren worden, weil sie im toten Winkel übersehen worden waren. Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Die Stadt muss handeln. Anstoß, der Kommentar.  Von
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Köln

Nein, es sind nicht immer die Autofahrer schuld. Ja, auch Radfahrer ignorieren Regeln, gerade in Köln. Doch kommt es zur Kollision zwischen Auto und Fahrrad, geht es eben meistens für den Radfahrer, für die Radfahrerin schlecht aus. Vor allem, wenn Lastwagen auf Fahrräder treffen – das zeigt die unheilvolle Serie der vergangenen Tage.

Die Bilder von dünnen, gequetschten Blechrohren unter meterhohen Doppelreifen sprechen eine deutliche Sprache über die Chancenverteilung in diesen Fällen. Auch das ist keine Schuldzuweisung – doch muss spätestens der gestrige Unfall Anlass sein, die Gründe für die unselige Häufung der Abbiege-Unfälle zu analysieren. 

Gegeneinander statt Miteinander

Beginnen muss man mit einer schlichten Tatsache: Es sind immer mehr Lastwagen unterwegs – auf den Autobahnen, aber eben auch in der Stadt. Über einen eigenen Bahnanschluss verfügen nur noch die allerwenigsten Unternehmen, Anlieferung und Abtransport von Rohstoffen und  fertiger Ware finden fast ausschließlich per Lastwagen statt. Liegen die Firmen – wie es in Köln eben immer noch häufig der Fall ist – mitten in der Stadt, dann rollen die Transporter eben über die Straßen der Innenstadt mit all ihren Tücken. Jede Verschwenkung, jeder Engpass, jede Umleitung wird hier – zumal wenn der Fahrer ortsunkundig ist – zur potenziellen Gefahrenstelle. Dass die Lastwagen dabei lange nicht mehr jede Straße nutzen können, freut manchen Anwohner, erhöht aber die Frequenzen auf den wenigen zugelassenen Routen.

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Die Gefahr potenziert sich noch, wenn ein überforderter und abgelenkter Lastwagenfahrer dann noch auf einen Radfahrer trifft, der stur auf seinem Recht beharrt. Und schon deswegen auf Blicke, Zeichen oder sonstige Kontaktaufnahmen  verzichtet.  Gegeneinander statt miteinander, das geht selten gut.  Rote Ampeln – für diese Erkenntnis muss man  nur wenige Minuten an einer Hauptverkehrsader stehen – werden immer häufiger nur noch  als unverbindlicher Hinweis gewertet. Das gilt ebenfalls für Radfahrer wie für Autofahrer – letztere allerdings richten im Ernstfall weitaus größeren Schaden an.

Jahrelang bekannte Defizite

Es gibt Städte, die haben sich den Ruf erarbeitet, extrem fahrradfreundlich zu sein: Münster etwa, Freiburg  oder Kopenhagen. Köln ist meilenweit von einem solchen Ruf  entfernt. Weil die Verantwortlichen ihn anscheinend schlicht nicht wollen, ihn nie gewollt haben können. Wer würde ernsthaft die Radwege dieser Stadt fahrradfreundlich nennen? Wege, die sich ohne Vorwarnung im Nichts verlieren? Zentimeterbreite Markierungen direkt neben doppelspurigen Hauptverkehrsstraßen? Ampeln für Radfahrer, die unsichtbar hinter Brückenpfeilern aufgehängt werden? Radwege, die gepflastert sind statt asphaltiert? Oder mit Bodenplatten markiert sind, die sich farblich nur noch in Nuancen vom benachbarten Gehweg unterscheiden?

All das ist seit Jahren bekannt, all das wird seit Jahren beklagt. Hier kann die Stadt aktiv werden – sie muss es nur tun. Die Hoffnungen sind indes nicht groß: Es ist drei Jahre her, dass auf der Kreuzung Dürener Straße/Gürtel eine Radfahrerin starb, nachdem sie von einem Lastwagen überrollt worden war. Seitdem herrscht große Einigkeit, dass die Kreuzung umgestaltet werden soll. Passiert ist allerdings bis heute: nichts. 

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