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Studiengebühren: Unspektakuläres Ende einer Ära

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Studiengebühren haben weder den angekündigten Erfolg gebracht, noch haben sie Schaden angerichtet.  Foto: dpa
Mit einem Volksentscheid wurden nun in Bayern, als vorletztes Bundesland, die Studiengebühren abgeschafft. Damit geht ein jahrelanger Kampf sang- und klanglos zu Ende. Gebracht haben sie niemandem etwas - weder den Hochschulen, noch den Studenten. Ein Kommentar  Von
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Wollen Sie Geld bezahlen – oder lieber nicht? Selbst der aufrechteste Staatsbürger würde sich bei dieser Frage dafür entscheiden, sein Geld lieber selbst zu behalten, anstatt es den Hochschulen zu überweisen. Das Volksbegehren der Bayern gegen die Studiengebühren ist deswegen gleichzeitig deren Ende. Das wird nun entweder per Volksentscheid besiegelt, oder der Landtag kommt dem Volk noch zuvor. Denn selbst Horst Seehofer ist seit Neuestem erklärter Gegner der Studiengebühren – vorbeugend sozusagen.

Weder Negativ- noch Positivszenario hat sich erfüllt

Mit der Entscheidung aus Bayern geht eine Ära zu Ende. Denn außer Bayern erhebt nur noch Niedersachsen die Gebühren. Und die künftige rot-grüne Regierung in Hannover hat bereits angekündigt, diese ebenfalls abschaffen zu wollen. Was hat uns dieses Finanzierungsexperiment also gelehrt? Dass Studiengebühren nicht so verheerende Auswirkungen haben wie befürchtet. Zwar schreckten die Gebühren Abiturienten aus ärmeren Familien ab – aber längst nicht in dem Maß wie erwartet. Und auch die Szenarien von Eliteuniversitäten, die Unsummen verlangen könnten, haben sich (noch) nicht bewahrheitet. Genauso wenig sind Hoffnungen in Erfüllung gegangen, die mit der Einführung der Gebühren verbunden waren. Die Hochschulen waren vorher unterfinanziert, sie waren währenddessen unterfinanziert und sie sind es immer noch. Den Studierenden wurde wiederum für ihr Geld eine ganz neue Hochschulkultur versprochen. Doch die meisten sind nicht sonderlich angetan von der ihnen zugedachten Rolle als Kunden eines Service-Unternehmens. Sie wollen lieber Teil ihrer Universität sein – und nicht Zielgruppe von Bildungs-Dienstleistungen.

Über Jahre wurde der Grabenkampf über die Studiengebühren in Deutschland erbittert ausgetragen. Ihr absehbares Ende kommt nun überraschend unspektakulär.

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