Debatte
Kommentare der Redaktion und Anstoß, der Online-Kommentar

Vorlesen
0 Kommentare

Universum: Mord im Dienst der Medizin?

Erstellt
Drucken per Mail
Mütter
Mütter von heute können froh sein, dass sie in der Anfangszeit der modernen Geburtshilfe zu den Opfern der Forscher gehörten. (Bild: dpa)

Anfang Dezember wollte die ehrenwerte „Royal Society of Medicine“ in London über eine Studie des britischen Historikers Don Shelton diskutieren. Doch die Debatte wurde kurzfristig abgesagt - ohne Angabe von Gründen. Zu heiß das Thema, das seit Monaten das medizinische Establishment erregt? Shelton wirft ein grelles Licht auf die Arbeitsmethoden in den Anfangsjahren der modernen Medizin. Offenbar bedienten sich Ärzte damals nicht nur der Körper von Menschen, die in Armenhäusern starben oder von Grabräubern geliefert wurden. Sie beschafften sich ihre Studienobjekte auch über Auftragskiller. Den Nachweis führt Shelton am Beispiel der Begründer der Geburtshilfe: William Hunter und William Smellie.

Die höchst angesehenen Mediziner erscheinen in der Studie als herzlose Massenmörder: Sie haben hochschwangere Frauen auf den Straßen abgreifen lassen und in ihren Praxen getötet, um an ihnen den Kaiserschnitt zu üben. Shelton zufolge sind Hunter und Smellie für 35 bis 40 Morde an Frauen und ihren ungeborenen Kindern verantwortlich. Ihre Opfer sollen vornehmlich junge Frauen vom Lande gewesen sein, die - wie viele andere - in London spurlos verschwanden. „Jack the Ripper“ nimmt sich neben den beiden fast harmlos aus. Hunter, dem ein Museum in Glasgow gewidmet ist, hat Königin Charlotte bei der Geburt des späteren Königs Georg IV. beigestanden.

Smellie trägt gar den Beinamen „Vater der britischen Geburtshilfe“. Beide Ärzte, zerfressen von Ehrgeiz, haben - in einer Art Konkurrenzkampf - heimlich den Kaiserschnitt erprobt. Jeder bediente sich eines Kollegen, um die Kidnapper anzuheuern. Beide legten nach einer ersten Mordserie von 1749 bis 1755 eine Pause von neun Jahren ein. Schon damals machten Gerüchte die Runde, dass die Frauen, die in Hunters und Smellies anatomischen Atlanten mit ihren geöffneten Leibern dargestellt wurden, ermordet worden waren. Und wenn die beiden Ärzte ihrer Verbrechen überführt worden wären? Dann hätte ihnen dasselbe geblüht, was sie ihren Opfern angetan hatten: Nach dem Tod durch den Strang wären sie auf den Seziertischen ihrer Kollegen gelandet.

FACEBOOK
Top-Autoren
Frost-PC

Aktuelle Notizen aus der digitalen und der realen Welt, politisch, satirisch oder privat: Die Blogs von ksta.de.

ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!

Kleinanzeigen
Karikaturen
Sakurai

So sehen es unsere Karikaturisten. Das Beste von Sakurai, Hanel, SKOTT.