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Verkehrssünderkartei: Sicherheit hat ihren Preis

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Das Kabinett stimmte Ramsauers Verkehrssünderkartei-Reform zu. Foto: dpa
Immer noch sterben pro Jahr zu viele Menschen auf Deutschlands Straßen. Die Verkehrsdichte ist gestiegen, doch ist das Verantwortungsbewusstsein nicht im gleichen Maße gewachsen. Eine Überarbeitung des Bußgeldkatalogs und des Punktesystems ist daher überfällig.  Von
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Am Ende dieses Jahres werden auf deutschen Straßen mehr als 3700 Menschen ihr Leben bei Verkehrsunfällen verloren haben. Fast 400 000 werden verletzt worden sein, viele von ihnen schwer.

Diese Zahlen, die auf aktuellen Hochrechnungen beruhen, sind erschreckend. Dass jeden Tag mehr als zehn Menschen auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder auf der Fahrt in den Urlaub Opfer eines tödlichen Verkehrsunfalls werden und mehr als 1000 zum Teil erhebliche körperliche Schäden erleiden, kann niemand einfach unter der Rubrik „alltägliches Lebensrisiko“ abhaken. Denn Verkehrsunfälle sind meist die Folge menschlichen Versagens, und allzu häufig spielen Leichtsinn, Selbstüberschätzung und Rücksichtslosigkeit eine große Rolle.

Natürlich gehört zur Wahrheit auch die Feststellung, dass es vor Jahrzehnten noch viel schlimmer war. Vor 40 Jahren wurden pro Jahr noch mehr als 20 000 Unfallopfer gezählt – und dies allein in der kleineren „alten“ Bundesrepublik. Seitdem aber sind zumindest die Zahlen der Toten und Verletzten zurückgegangen.

Auffällig aber ist, dass die Zahl der Unfälle weiter gestiegen ist. Das liegt natürlich zu einem Teil daran, dass die Zahl der Fahrzeuge und damit die Verkehrsdichte ebenfalls stetig gewachsen ist. Unfallforscher beklagen aber auch, dass das Verantwortungsbewusstsein vieler Autofahrer nicht in gleichem Maße gestiegen ist. Es sind noch immer zu viele Raser, Drängler und angetrunkene Autofahrer unterwegs.

Der unbestreitbare Gewinn an Verkehrssicherheit ist vor allem auf bessere Straßen, wirksamere medizinische Versorgung und die erhöhte passive Sicherheit in den Autos selbst (wie beispielsweise Gurte, Airbags und Antiblockiersysteme) zurückzuführen. Wachsende Vernunft der Autofahrer schlägt sich dagegen in der Unfallstatistik leider kaum nieder.

Auch die Feststellung, dass die Mehrheit der Autofahrer ja durchaus verantwortungsvoll unterwegs ist, kann nach Ansicht von Verkehrspsychologen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aggressivität auf den Straßen in den letzten Jahren insgesamt erneut stark zugenommen hat. Autos werden auch wieder weniger wegen ihres Komforts, ihrer Sicherheitsausstattung oder des sparsamen Benzinverbrauchs gekauft, sondern wegen der Stärke des Motors, der Beschleunigungskraft und der Höchstgeschwindigkeit. Zudem ist jeden Tag zu beobachten, dass schnelleres Vorwärtskommen auch im Verkehr ein Symbol für Erfolg zu sein scheint. Und wer bei einem Tempoverstoß erwischt wird, verunglimpft Radarkontrollen auch schon mal gerne als „Abzocke“. Dabei vergessen die Betroffenen, dass sie sich sehr leicht jedem Bußgeld entziehen können – sie müssen nur die Regeln einhalten.

Vor diesem Hintergrund war eine Überarbeitung des Bußgeldkataloges und des Punktsystems in der Verkehrssünderkartei überfällig. Undurchschaubare Masseneintragungen verlieren ihre Wirkung. Und es waren falsche Signale, wenn die Missachtung einer Umweltzone ähnlich hart bestraft wurde wie zu schnelles Fahren.

Mehr Transparenz, Gerechtigkeit und Sicherheit wurden als Ziel der Reform ausgegeben. Auch wenn der vorliegende Katalog nicht den großen Durchbruch bringen dürfte, so weist er doch in die richtige Richtung: Wer Leib und Leben anderer Menschen durch Leichtsinn oder Rücksichtslosigkeit gefährdet, muss härter bestraft werden und sollte schneller mit der wirksamsten aller Sanktionen rechnen müssen: dem Verlust der Fahrerlaubnis.

Doch dazu reicht die Reform des Bußgeld-Katalogs allein nicht aus. Das Risiko, erwischt zu werden, muss ebenfalls steigen. Und dafür gibt es nur ein Mittel: Mehr Kontrollen auf den Straßen, auch wenn dies den Staat Geld kostet. Volkswirtschaftlich ist es ohnehin sinnvoller, und das Leben der Menschen ist allemal jeden Preis wert.

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