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Wahl in Italien: Schlimme Folgen für Europa

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Die Wahlentscheidung in Italien kann schlimme Folgen für Europa haben. Foto: dpa
Die italienischen Wähler ziehen die Polit-Show von zwei Unterhaltungskünstlern wie Berlusconi und Grillo den nüchternen Analysen von Mario Monti und Pier Luigi Bersani vor. Das kann schlimme Folgen haben. Analyse  Von
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Rom

Der eine, Silvio Berlusconi, hat den Wählern Steuersenkungen und die Rückzahlung der Immobiliensteuer notfalls aus eigener Tasche versprochen. Der andere, Beppe Grillo, stellt ein Bürgergeld von 1.000 Euro für jeden Italiener in Aussicht und findet, man müsse dahin kommen, dass alle weniger arbeiten. Beide, der Skandal-Politiker Berlusconi und der Ex-Komiker Grillo, haben bei der Parlamentswahl überraschende Triumphe erzielt.

Zusammengenommen hat sich mehr als die Hälfte der Italiener für die völlig unrealistischen Versprechungen und allzu einfachen Rezepte der beiden Populisten entschieden - und diejenigen Parteien und Politiker abgestraft, die von Krise, von Sparen und von weiteren Einschnitten reden. Wäre man bösartig, man könnte auf die Idee kommen, die italienischen Wähler seien käuflich.

Triumph der Unterhaltungskünstler

Die Wahl in Italien hat das Land voraussichtlich unregierbar gemacht. Viele gehen von einer Neuwahl aus.
Die Wahl in Italien hat das Land voraussichtlich unregierbar gemacht. Viele gehen von einer Neuwahl aus.
Foto: dpa-infografik

Aber vielleicht ist es auch nur so, dass sie den Ernst Lage nicht wahrhaben wollen. Sie ziehen die Polit-Show von zwei Unterhaltungskünstlern wie Berlusconi und Grillo den nüchternen Analysen des Wirtschaftspolitikers Mario Monti und des Sozialdemokraten Pier Luigi Bersani vor, die nicht verschweigen, dass der Weg aus der Schuldenkrise schmerzhaft für jeden einzelnen ist und weiter sein wird. Und die ihn weiter in der Europäischen Gemeinschaft gehen wollen, statt wie Berlusconi mit Euro-Austritt zu drohen oder wie Grillo mit einem Referendum darüber.

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Noch ist völlig unklar, ob und wie überhaupt eine neue Regierung gebildet werden kann. Sogar Neuwahlen in wenigen Monaten sind nicht auszuschließen. Die italienische Politik wird also auf absehbare Zeit mit sich selbst beschäftigt sein. Dabei wären Reformen wie etwa die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts oder eine Straffung der öffentlichen Verwaltung und Bürokratie notwendig, um die italienische Wirtschaft langsam wieder in Gang zu bringen und zu verhindern, dass das Land noch tiefer in der Rezession versinkt.

Die Realitätsflucht der italienischen Wähler kann schlimme Folgen haben. Erst für Italien selbst. Und dann für Europa.

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