29.07.2016
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Der Lange Ernst und sein Wumms

Der „Lange Ernst“, der hatte einen Wumms. Und der ging so: Doppel-Achtelfinale in Wimbledon 1953. Auf dem Platz stehen die Deutschen Ernst Buchholz und sein Partner „Tennisbaron“ Gottfried von Cramm. In gespannter Lauerstellung wartet das an Nummer 1 gesetzte australische Doppel Candy/Rose auf Buchholz' Aufschlag. Der „Lange Ernst“ holt kurz und knackig mit seinem Holzschläger aus und . . . – „wumms“ knallte die Filzkugel ins Netz. Und dieses macht den Abgang, bricht in sich zusammen. So etwas hatten die Zuschauer an der legendären Church Road noch nie gesehen.

Sie waren weltberühmt, die Buchholz-Aufschläge, mit denen der Kölner in den 40er und 50er Jahre seine Erfolge feierte. Er war einer der wenigen Weltklasse-Tennisspieler, die Köln hervorbrachte. Und in Deutschland gehört er zu den ersten Sportlern, die mit dem „Silbernen Lorbeerblatt“ des Bundespräsidenten ausgezeichnet wurden (1954).

Als Balljunge hatte Buchholz in den Vorkriegsjahren das Tennisspielen kennen gelernt und schnell den Schläger selbst in die Hand genommen. Seine Karriere startete er beim TC Blau-Weiß. Wechselte dann zum Marienburger SC. Doch seine großen Erfolge feierte er beim THC Stadion Rot-Weiß. Insgesamt 18 Deutsche Meisterschaften im Einzel und Doppel gewann der 1,92 Meter große Hüne in seiner langen Karriere. Doch wichtiger als die diese waren dem 1993 Verstorbenen seine 21 Davis Cup Einsätze. Und eine dieser Partien ist so legendär wie das Doppel-Achtelfinale in Wimbledon 1953. Denn 1951 beherbergte sein Klub auf der Rot-Weiß-Anlage die Davis Cup-Begegnung Deutschland gegen Belgien. 21 000 (!) Zuschauer strömten auf die Anlage um Buchholz und Co. zu sehen. Einen solchen Andrang hat die Anlage bis heute nicht mehr erlebt. Und das deutsche Team gewann mit 3:2. Dass Buchholz nicht mehr als 21 Einsätze für Deutschland bestreiten konnte, lag an einer übertriebenen Auslegung der damals geltenden Amateurregel. Buchholz hatte – ohne Geld anzunehmen – in einer Illustrierten für Haarwasser geworben. Grund genug für den Deutschen Tennisbund (DTB) den Athleten für geraume Zeit zu sperren. Paradox erscheint, dass gerade der DTB Buchholz nach seinem Tod als „untadeligen Sportsmann, der dem deutschen Tennis mit seinen Leistungen und seinem Auftreten wertvolle Impulse gegeben hat“ huldigte. Buchholz' Lebenswerk ehrt seit jüngster Zeit auch das Deutsche Sport- und Olympiamuseum. Hier sind das „Silberne Lorbeerblatt“ sowie ein Tennisschläger und eine Schale aus Wimbledon von 1953 ausgestellt.

Ach so, Wimbledon 1953. Das Netz war zusammengebrochen und das Spiel musste für eine Viertelstunde unterbrochen werden. Candy/Rose waren danach so geschockt, dass sie überraschend verloren. Im Viertelfinale scheiterten die Deutschen an den späteren Siegern Drobny/Sturgness. Der Viertelfinal-Einzug war Buchholz' größter Erfolg.


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