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„Fifa Presse Pokal 2013“: Der Triumph des Paradoxons

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Für den Sieg beim Fifa-Cup gab es diese Dinge.  
Beim Kölner „Fifa Presse Pokal 2013“ hat Volontär Philip Sagioglou für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ eindrucksvoll den Sieg geholt. Die Chronik eines Abends zwischen Blätterteigröllchen, Nerds und dem Finale gegen Bayern München.  Von 
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Köln

Mit Videospielern ist es wie mit Fußballern: ohne Talent geht nicht viel. Einem eifrigen und leidenschaftlichen Sportler hilft auch die höchste Trainingsfrequenz nicht, wenn ihm elementare Fähigkeiten wie Ballgefühl, Koordination oder Antizipation fehlen. Zugegeben: Diese These ist nicht neu, jeder Amateurverein beschäftigt ein paar Spieler, die ihre Daseinsberechtigung innerhalb der Mannschaft eher dem Prädikat „Er gibt wenigstens immer alles“ zu verdanken haben. Und genauso gibt es halt diejenigen, die nicht oft zum Training kommen, ein Phlegma mit sich herumtragen und eher geringfügig motiviert, sportlich allerdings unverzichtbar sind.

Mit Videospielern ist das eben genauso, und darum geht es hier. Der Ursprung dieses Berichts liegt in einem Auftrag unseres Chefs vom Dienst Tobias Kaufmann, der mich vor einigen Wochen mit den Worten „Schieß uns zum Sieg und schreib‘ drüber“ gebeten hat, den „Kölner Stadt-Anzeiger“ beim „Fifa Presse Pokal 2013“ des Spiele-Labels „EA Sports“ zu vertreten. Ein virtuelles Fußballturnier also. Ich sage es jetzt einfach mal, wie es ist: ich hatte die große Befürchtung, dass ich bei diesem Wettbewerb dermaßen Haue kassieren werde, dass ich danach meine Playstation verkaufe. Ich bin nämlich generell kein besonders guter Videospieler. Was vor allem daran liegen dürfte, dass ich meine Freizeit eher selten mit Videospielen verbringe.

Fifa, nur Fifa

Glücklicherweise ging es beim Presse-Cup aber immerhin um Fifa – das einzige Spiel, das ich besitze, und das schon seit vielen Jahren. Wenn ich mal zocke, dann nur Fifa. Auch dafür hatten sich zuletzt zwar kaum Gelegenheiten geboten, aber immerhin habe ich am Sonntag ein paar Partien mit meinem Kumpel Lars trainiert. Ein Hauch von Zuversicht begleitet mich also am Dienstagabend, als ich am Rheinufer spaziere, mit meinem Freund und Kollegen Michael Krämer telefoniere, der mich liebevoll einen „Nerd“ nennt, und mir Gedanken darüber mache, mit welcher Mannschaft ich antreten werde. Barcelona? Madrid? Manchester United? Spielt das überhaupt eine Rolle?

Als ich schließlich die an diesem Abend mit drei großen Fernsehern und einer riesigen Leinwand ausgestattete Lobby betrete, geht es mir wie einem 11-Jährigen auf einem Hallenturnier: die anderen sehen  besser, größer, stärker aus, und ich verabschiede mich, ohne eine Minute gespielt zu haben, von sämtlichen zaghaften Ambitionen. Aus Selbstschutz quasi. Denn meine Gegner arbeiten größtenteils für Videospiel-Magazine oder -Webseiten. Immerhin: alle sind sehr nett, die Stimmung ist super. Und: es gibt ein grandioses Buffet, das unter anderem mit Schafskäse gefüllte Blätterteigröllchen und perfekt gekühltes Kölsch umfasst.

Wir sind 15 Teilnehmer und ein paar Zuschauer, gespielt wird in zwei Gruppen, die jeweils vier Besten qualifizieren sich für das Viertelfinale. Ralf Anheier von EA erklärt kurz, dass wir etwas gewinnen können und die Finalteilnehmer sowie der Drittplatzierte sich für ein Turnier in München qualifizieren, bei dem der Gesamtsieger aus Deutschland (Hamburg, München, Berlin, Köln), Österreich (Wien) und der Schweiz (Bern) ermittelt wird.

Große Konkurrenz

Für mich klingt das alles ziemlich groß. Schließlich sind unter meinen Kontrahenten einige, die hauptberuflich mit Videospielen zu tun haben. Dass sie deutlich mehr Ahnung von der Software haben, merkt man dann auch schnell: manche stellen beispielsweise noch vor dem ersten Spiel Faktoren wie das Ausmaß der Defensivarbeit und die Laufwege der Stürmer ein – ich wusste bislang nicht, dass diese Funktionen existieren. Einer der Kollegen spielt nur im Stehen, weil er dann eine bessere Sicht hat, andere sprechen von künstlicher Intelligenz. Ich tauche in eine andere Welt ein. Die Welt der Menschen, die beeindruckend viel Ahnung von Computerspielen haben. „Dabei sein ist alles“, denke ich mir noch. Und dann kommt das erste Spiel.

Ich trete mit Brasilien gegen Deutschland an – und gewinne 4:0. Ein guter Auftakt, allerdings weiß ich nicht, ob das an meinen Fähigkeiten liegt oder an meinem Gegner, der dem Vernehmen nach noch weniger zockt als ich. Knapp drei Stunden und einige Blätterteigröllchen später beende ich die Gruppenphase dann allerdings als Erster, mit 16 Punkten aus sechs Spielen und bloß zwei Gegentoren. Es hat offenbar doch etwas gebracht, dass mein drei Jahre älterer Nachbar Gerrit im Herbst 1996 mit einer der ersten Fifa-Versionen vor meiner Haustür stand und wir uns im Alter von sieben respektive zehn Jahren erstmals mit einem Computer auseinandersetzen. Ich weiß bis heute nicht, woher Gerrit das Spiel hatte und ob es dafür verantwortlich war, dass der Computer einige Wochen später regelmäßig abgestürzt ist. Aber ich bin heute glücklicher denn je darüber, dass Gerrit damals noch keinen eigenen Computer besaß und mir deshalb meine ersten Erfahrungen mit Fifa ermöglicht hat. Falls Du das hier also zufällig liest: danke, Gerrit.

Mit Real Madrid zum Sieg

Ich bedanke mich so freundlich, weil Gerrit damit irgendwie auch Anteil daran hat, was gestern passiert ist. Ich fasse mich mal kurz: ich habe das Ding gewonnen. Im Viertelfinale hatte ich dabei mit Dortmund gegen Schalke (1:0) Glück, weil meinem Gegner ein klarer Elfmeter verweigert wurde. Aber Glück ist eben einer der Faktoren, die sportlichen Erfolg ermöglichen. Auch virtuell. Im Halbfinale gelingt mir ein 3:0-Sieg mit Real Madrid gegen den FC Bayern München, im Finale setze ich mich mit 2:0 durch. Wieder mit Real, wieder gegen die Bayern. „So wird es auch in Wembley kommen“, analysiert der bekennende Real-Fan Tobias Kaufmann später und möchte damit den Ausgang des diesjährigen Champions-League-Finales vorhersagen.

So weit denke ich noch nicht. Ich bin zunächst mal überrascht darüber, dass der Großteil der netten Jungs tatsächlich bis zum Finale geblieben ist, obwohl sie teilweise schon Stunden vorher ausgeschieden sind. Und ich begreife erst dann, dass ich jetzt tatsächlich ziemlich teure Kopfhörer gewonnen habe, an dem großen Turnier in München am 27. April teilnehmen werde und dort Fifa spielen werde gegen Kollegen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Irgendwie finde ich das absurd, weil die Anderen ja besser, größer, stärker aussahen. Zudem bin ich an der Spielkonsole nicht besonders eifrig oder talentiert und komme auch eher selten zum Training. Ich bin also eine Art Videospieler-Paradoxon. Nach den jüngsten Erfahrungen hoffe ich allerdings, dass diese Rolle in München mehr als nur eine Daseinsberechtigung sein wird. Denn zumindest in dieser Hinsicht ist es mit Videospielern sicherlich wie mit Fußballern: ohne Ehrgeiz geht nicht viel.

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