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Interview: „Ich liebe Apple immer noch“

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Steve Wozniak
Steve Wozniak erfan zusammen mit Steve Jobs den Apple-Computer.

KÖLNER STADT-ANZEIGER Herr Wozniak, als Apple-Mitbegründer sind Sie sozusagen ein Pionier der Computerindustrie. Können Sie sich ein Leben ohne PC noch vorstellen?

STEVE WOZNIAK Ja, das kann ich. Schließlich bin ich ohne Computer aufgewachsen, obwohl ich auch damals immer schon einen haben wollte. Aber bei allem, was ich tue, gehe ich in meinem Kopf zurück und erinnere mich daran, wie es früher ohne technische Unterstützung war. Das hilft wirklich. Trotzdem verbringe ich oft mehr als 16 Stunden pro Tag am Rechner.

Im Februar 1981 sind Sie mit Ihrem Privatflugzeug abgestürzt. Inwiefern hat dieses Ereignis Ihr Leben verändert?

WOZNIAK Die Verletzungen beeinträchtigen mein Erinnerungsvermögen. Ich kann mir Gesichter und Namen schlechter merken als früher. Ich bin auf jeden Fall vergesslicher geworden. Zumindest vermute ich, dass es da einen Zusammenhang mit dem Unfall von damals gibt. Bei anderen Menschen ist dies dagegen eine natürliche Sache des Alters.

Was bedeuten Ihnen Geld und Ruhm – gerade nach dem Flugzeugabsturz?

WOZNIAK Geld zu haben ist sicherlich insofern eine gute Sache, weil es vieles erleichtert. Aber man ist sehr viel vermögender, wenn man viele Erfahrungen im Leben sammeln kann. Ich gebe mein Bestes, um gute Menschen zu entdecken, gute Museen und gute Einrichtungen, die ich dann mit meinem Geld unterstützen kann. Ich wollte schon als junger Mann lieber Gutes tun, als etwa große Gesellschaften zu gründen und dann dafür zu sorgen, dass sie kräftig wachsen. Ich wollte nie jemand sein, für den als Erstes das Geld kommt im Leben.

Aus dem Tagesgeschäft bei Apple haben Sie sich vor einigen Jahren bereits verabschiedet. Was verbindet Sie noch mit dem Unternehmen?

WOZNIAK Ich liebe Apple immer noch. Aber die Art und Weise, wie dort heute gearbeitet wird, zeigt mir, dass ich dort keinen Platz mehr hätte, dass meine Ideen dort nicht mehr auf fruchtbaren Boden fallen würden. Daher vermisse ich das Unternehmen nicht unbedingt. Aber ich würde da schon gerne noch mal ausprobieren, ob meine Art, wie ich Ideen auf ihre Umsetzbarkeit hin untersuche, ankommen würde.

Warum haben Sie sich noch nie in einer Führungsposition wirklich wohlgefühlt?

WOZNIAK Ich mag es nicht, Abläufe zu regeln, zu managen. Ich brauche keine Boss-Leute um mich herum. Ich mag es nicht, jemandem zu sagen, dass er gerade Mist gebaut hat oder etwas anders machen soll. Wenn ich auf der untersten Ebene arbeite, dann können meine Erfindungen durchaus genial, exzellent oder perfekt sein. Aber wenn ich oben stehen müsste, dann hätte ich über die Arbeit anderer zu urteilen. Und das kann ich einfach nicht – auch weil Freundschaft mir das wichtigste Gut ist.

Ihr Verhältnis zum Apple-Mitgründer und dem heutigen Vorstand Steve Jobs galt immer als schwierig. Besteht der persönliche Kontakt noch?

WOZNIAK Ja, aber dicke Freunde sind wir nicht. Er ist ein alter Freund aus einer gemeinsamen Vergangenheit. Aber der Kontakt ist stark abgeflaut. Selbst als wir noch zusammengearbeitet haben, waren wir übrigens selten gemeinsam am selben Ort. Das lag auch daran, dass Steve damals lernen wollte, wie man ein Unternehmen führt, während ich mich lieber im Labor verschanzt habe, weil ich etwas bauen wollte. Viele Leute haben immer gesagt, dass Steves Führungsstil nicht perfekt sei, dass er oft explodiert sei. Das kann ich nicht beurteilen – ich habe ja nie gesehen, wie er seinen Job erledigt hat. Ich habe auch nie gesehen, dass er Leute angeschrien hat, die sich für ihn eben noch krumm gearbeitet haben.

Welche halten Sie für die bedeutendste Apple-Entwicklung?

WOZNIAK Für mich ist das immer noch der „Apple II“-Computer (der zweite von Jobs und Wozniak produzierte Heimcomputer, der 1977 auf den Markt kam, die Red.) – und das ist sehr, sehr lange her. Aus dem Bereich der gesamten Firma sticht natürlich der „Macintosh“ (1984, die Red.) hervor. Der hat sicherlich die gesamte Branche revolutioniert, obwohl auch er nur eine Maschine war. Die Idee, ein grafisch interessantes Interface für das Publikum zu haben, war daran sicherlich das Allerwichtigste. Das hat den Weg geebnet.

Und damit waren Sie ein gemachter Mann. Haben Sie geahnt, dass Sie die Computer so weit bringen würden?

WOZNIAK Ja, ich denke schon. An dem Tag, an dem der „Apple I“ fertig war – ein sehr schwaches Gerät, das nicht mal Farbe hatte oder Grafiken verarbeiten konnte –, da wusste ich, dass mir die Ideen für Programme niemals ausgehen würden. Im Vergleich zu diesem Gerät war der „Apple II“ schon ein richtig guter Computer. Wenn man ein Programm schreibt, ergibt sich daraus gleich eine Idee für das nächste Programm. Und so geht es immer weiter. Alles, was ich damals mit dem „Apple I“ und dem „Apple II“ hatte, würde mir auch heute noch völlig ausreichen. Ich brauche eigentlich kein Internet, ich muss keine EMails schreiben, Bilder versenden – all diese großartigen Dinge brauche ich nicht. Programme zu schreiben, das reicht mir – weil ich ein Ingenieur bin.

Haben Sie jemals geahnt, dass Apple eine Frage des Stils sein könnte? Dass Ihre Produkte tatsächlich also eine Art Mode sein würden?

WOZNIAK Nein, daran habe ich nie gedacht, zumal das Stylishe mich nicht interessiert. Damit kenne ich mich nicht aus. Ich habe mich immer an den Funktionen orientiert. Das Aussehen des Plastikgehäuses, seine Form, war dann Steve Jobs Aufgabe. Er war – genauso wie ich – damals noch sehr jung. Und irgendwie sah er es als oberstes Ziel an, Dinge attraktiv zu machen.

Die Wurzeln Ihrer Familie liegen in Deutschland. Welche Beziehung haben Sie hierher?

WOZNIAK Ich bin zu drei Vierteln deutsch und zu einem Viertel polnisch. Meine Familie stammt aus dem Grenzgebiet. Wann immer ich in Ostdeutschland unterwegs bin, fühle ich mich irgendwie zu Hause. Erklären kann ich dieses Gefühl nicht. Aber die Leute, ihre Gespräche, ihre Lebensweise – das alles spricht mich einfach an. Dort liegen wohl meine Wurzeln. Aber nachgehen möchten ich ihnen nicht.

Blicken Sie auch nach Deutschland und sehen Sie sich an, was hier entwickelt wird?

WOZNIAK Nein, das mache ich ehrlich gesagt nicht. Aber es sieht so aus, als arbeiteten in Deutschland Fachkräfte, die genauso qualifiziert sind wie die amerikanischen. Sie können sicherlich mit den Spezialisten weltweit mithalten.

Das Gespräch führte Jens Höhner

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