Keiner kann es knapper als der Boss: „Friede sei mit euch!“ So grüßt Jesus nach der Auferstehung am Ostertag die Jünger. Macht 20 Zeichen. Oder der berühmte Satz aus dem Matthäus-Evangelium: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Twitter- oder SMS-taugliche 82 Zeichen. Da soll noch einer sagen, ein Prediger müsse viele Worte machen. Doch auch dem Stellvertreter Christi auf Erden gelingen Kurzansprache samt Turbosegen: „Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch.“ 120 Zeichen benötigte Papst Benedikt XVI. für den ersten Tweet über seinen persönlichen Account, auf den am Mittwoch mehr als eine Million Follower weltweit gewartet hatten. Der 85-Jährige versandte den Text in sieben Sprachen direkt nach seiner wöchentlichen Generalaudienz. Darin äußert er sich übrigens normalerweise etwas umfänglicher.
Brille auf, volle Konzentration: Papst Benedikt XVI kurz vor seinem ersten Tweet beim Internetkurzmitteilungsdienst "Twitter".
Foto: AFPAuf Fotos sieht man Benedikt über ein iPad gebeugt mit dem rechten Zeigefinger auf den Bildschirm tippen. Auf dem Gesicht des Papstes liegt sein typisches scheues Lächeln, aus dem – so viel Mimik-Interpretation ist erlaubt – freundliches Staunen über die Segnungen der modernen Technik spricht: Womit die jungen Leute heute nicht alles umgehen…! Benedikt selbst hantiert im Alltag ja nach wie vor lieber mit Bleistift, Füller oder – wenn’s sein muss – mit einem Diktiergerät. Aber die Offenheit für neue Möglichkeiten der Kommunikation gehören gewissermaßen in die Stellenbeschreibung eines Papstes. Von Anfang an nutzte die Kirche, das älteste Medien-Unternehmen der Welt, die vorhandenen Kanäle, um ihre Botschaft unter die Leute zu bringen. Die Briefe des Apostels Paulus und anderer frühchristlicher Autoren fanden schließlich sogar Eingang die Heilige Schrift der Christen, das Neue Testament.
Eine Konkurrenz-Veranstaltung, ein „Evangelium nach Twitter-Benni“, hat der amtierende Papst aber bestimmt nicht im Sinn. Dafür spannt der frühere Professor Joseph Ratzinger dann doch viel zu leidenschaftlich die großen Bögen, wie jüngst im letzten Teil seiner Jesus-Trilogie. Die drei Bände zusammen bringen es locker auf 1000 Seiten – in Twitter-Nachrichten umgesetzt, wäre der Kanal @pontifex damit für die nächsten Jahre verstopft.
Benedikts erster Tweet liest sich so, wie der Papst persönlich redet: Mit „liebe Freunde“ wendet er sich häufig an seine Zuhörer, benutzt dabei auch oft das Wörtchen „gern“ – und dass sein Segen „von Herzen“ kommt, das werden ihm nicht nur die Follower abnehmen, die in Massen auf den Papst reagierten. Schon nach kurzer Zeit gab es auf @pontifex_de Hunderte deutschsprachiger Retweets. In einer Art Chat fragt der Papst, „wie wir das Jahr des Glaubens in unserem Alltag besser leben können“. Schon drei Minuten später gibt er selbst die Antwort: Beten, Bibel lesen, Bedürftigen helfen. Geht doch, die Sache mit der Zwitscher-Mission.




