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Quartalszahlen bei Nokia : Kampf um Ansehen in der Branche

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Das Nokia Lumina Foto: REUTERS
Nokias Bilanz des zweiten Quartals fällt nüchtern aus - der verpasste Einstieg das Geschäft mit den Smartphones macht den Finnen weiter zu schaffen. Den Rückstand aufzuholen, fällt in Anbetracht der starken Konkurrenz schwer.  Von
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Berlin

Nokia hat eine  bemerkenswerte jüngere Geschichte hinter sich. Der  einst größte Handyhersteller der Welt, war tief gesunken in der Gunst der Kunden und Anleger. Doch in den vergangenen drei Monaten spielte der Konzern zumindest für viele Börsianer die  Rolle  eines  Hoffnungsträgers. Die Erwartungen haben sich aber nicht erfüllt. Jetzt droht Nokia abgehängt zu werden – vor allem auf den wichtigen asiatischen Märkten.

Viele Analysten hatten  darauf gesetzt, dass die Finnen bei allen wichtigen Kennziffern für das zweite Quartal zulegen. Das Gegenteil ist eingetreten. Der Umsatz brach um fast ein Viertel ein. 5,7 Milliarden Euro kamen noch zusammen. Im operativen Geschäft summierte sich der Verlust auf 115 Millionen Euro. An den europäischen Börsen versuchten Anleger, Nokia-Papiere so schnell  wie möglich loszuwerden. Der Aktienkurs fiel zeitweise um mehr fünf Prozent.

Nokia wurde  bei  Börsianern  als  klassischer Kandidat für einen „Turnaround“ gehandelt – als Unternehmen, das durch  Fehlentscheidungen im Management und ungünstige  Umstände in eine Krise geraten  ist, aber die Wende schaffen  kann.  Denn dem Konzern wird zugleich noch immer   eine gesunde Basis zugerechnet,  besonders  in puncto Know-how.  Dafür spricht, dass Nokia einen riesigen Bestand an  Mobilfunk-Patenten  hält.

Einstieg in neue Entwicklungen verpasst

Die Nokia-Aktionäre verlangten vor allem, dass  endlich das Know-how  für die Entwicklung neuer  Smartphones eingesetzt wird.  Die  Finnen  hatten den Einstieg  in das  Geschäft mit den  klugen  Telefonen  verpasst.     Im ersten Quartal  war   die   Marke aus dem Norden  nicht mehr  unter  den  größten zehn  Anbietern vertreten.  Konzernchef Stephen Elop  hat versprochen, den  Rückstand insbesondere mit der   Lumia-Serie aufzuholen. Im zweiten Quartal  wurde  der  Absatz  aber „nur“ um ein Drittel   auf 7,4 Millionen  Stück   erhöht. Das reicht nicht, um den  Abstand auf Apple und erst recht nicht auf den Marktführer Samsung  entscheidend  zu verringern.  Gut möglich,  dass  nun eine  Debatte  über die  richtige Strategie einsetzt. Der Hauptpunkt: Elop hat sich auf Gedeih und Verderb an  Microsoft ausgeliefert.

Die  Lumia-Geräte werden mit dem Betriebssystem Windows Phone  ausgeliefert. Es hat aber nur einen weltweiten einen Marktanteil von rund zwei Prozent. Das ist ein entscheidender strategischer Nachteil für das sogenannte Ökosystem rund um die Hardware.  Bei einem Betriebssystem mit geringen Marktanteilen  ist es wenig interessant  für  Entwickler, Zusatzanwendungen (Apps) zu ersinnen.  Mit weniger  Apps wird  das Gesamtpaket für die  Nutzer weniger  attraktiv.  Nun versuchte Nokia, mit der   Leistung seiner  Hardware zu punkten.  Elop stellte kürzlich  das Lumia  1020 vor – das  Insider sofort als  „Monster-Phone“ kategorisierten.   Das Lumia 1020  ist   ein  eher  klobiges Gerät, weil Nokia unbedingt eine Kamera mit   41 Megapixel  anbieten will – das ist ein Wert, der vor kurzem noch  reinrassigen Profikameras   alle Ehre gemacht hätte. Branchenkenner  wagen die Prognose, dass eine  derartige Kamera von Nutzern gar nicht gebraucht wird . Das Lumia 1020  drohe zum Ladenhüter zu werden.  In der  aktuellen Zwischenbilanz  spielt das Gerät noch keine Rolle.

Chinesischer Markt immer wichtiger

Das Gesamtabsatz  bei den Handys ging in den drei Monaten um 27 Prozent auf 61,1 Millionen Stück zurück und der durchschnittliche Verkaufspreis sank um drei auf  45  Euro.  Bei den einfacheren Handys, den „Feature Phones“, hat es Elop  inzwischen mit  harter  Konkurrenz zu tun.  Es handelt sich um die  chinesischen Konzerne  Huawei und ZTE. Die Wettbewerber haben zwei entscheidende Vorteile.

Erstens  werden sie  mehr oder weniger verdeckt  von der  Regierung  unterstützt. Und zweitens ist  China  der  Heimatmarkt   der beiden Anbieter.  Nach Einschätzung der  Analysten des führenden Technologie-Marktforschers   Gartner haben es die Manager von ZTE und Huawei geschafft, den  Geschmack und die Bedürfnisse der   Nutzer in der  Volksrepublik zu treffen.  Zugleich bieten sie Geräte mit zu günstigen Preisen an. 

Dies macht die Sache für Nokia umso problematischer, da der chinesische Markt immer wichtiger  wird. Im ersten Quartal legte der  Absatz dort um 7,5 Prozent  zu.  Derzeit wird jedes vierte  der weltweit abgesetzten Handy in dem Riesenland verkauft. Tendenz steigend.  Analysten mutmaßen, dass Nokia an Huawei und ZTE im Jahresverlauf weitere Marktanteile abgibt.

Kosten sollen gedrückt werden

Der Netzwerkausrüster NSN ist  neben der Handysparte ein weiteres Sorgenkind. Die Finnen wollen das mit Siemens gemeinsam betriebene Unternehmen komplett übernehmen. Allerdings schreibt es derzeit ebenfalls rote Zahlen –  wegen harter Konkurrenz durch Chinesen. Elops Reaktion:  Er kündigte an, das rigide Sparprogramm noch einmal zu verschärfen. Die Kosten sollen jetzt bis Ende des Jahres um insgesamt 1,5 Milliarden Euro mehr gedrückt werden – das sind 50 Prozent mehr als bislang angepeilt.

Elops persönliche Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus.  Seit neun Quartalen führt er Nokia. In dieser Zeit  hat der Konzern  Verluste von zusammengerechnet fünf Milliarden Euro gemeldet.

Wer Kaffee über sein Smartphone kippt oder es fallen lässt, hat oft Pech gehabt: Denn ist das Mobiltelefon danach kaputt, greift die Gewährleistung nicht. Mancher Handybesitzer denkt deshalb über eine Versicherung nach. Aber lohnt sich das?

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