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Sonys PRS-505: Das E-Book im Test

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Sony PRS-505
Unser Autor hat den Sony PRS-505 getestet. (Bild: Worring)

Natürlich, in der Theorie klingt es toll: Ein elektronisches Buch, das bis zu 13 000 Romane speichern kann - bei optimaler Darstellung der Schrift und nahezu unendlicher Akkulaufzeit. Der „PRS-505“ ist das erste E-Book auf dem deutschen Markt, der Kindle von Amazon ist bislang nur in den USA erhältlich. Aber kann das elektronische Lesegerät von Sony in der Praxis wirklich das halten, was der Hersteller theoretisch verspricht? Wird ein elektronisches Buch tatsächlich irgendwann das herkömmliche Papierexemplar ersetzen können? Seitdem der „PRS-505“ seit wenigen Tagen in vielen Buchhandlungen verkauft wird, gibt es nur noch zwei Meinungen. „Das ist totaler Quatsch. Ich will ein richtiges Buch in der Hand haben. Ich will es spüren und richen und danach ins Regal stellen“, sagen die E-Book-Kritiker. „Das ist absoluter Komfort, gerade für Reisen ist das Lesegerät wirklich optimal“, entgegen die Befürworter.

In den Kölner Parks, Kaffees und am Rhein ist von einem Siegeszug des E-Books derzeit noch nichts zu sehen. Der Frühling treibt die Menschen zwar nach draußen - aber mit einem gedruckten Buch oder einer Zeitung in der Hand. Für die meisten ist es sowieso unvorstellbar, dass man auf dem Display des Readers in der prallen Sonne überhaupt etwas lesen kann. Wir wollten es ganz genau wissen, deshalb haben wir den Frühlingstest. Ich bin mit dem „PRS-505“ bei strahlendem Sonnenschein in den Park gegangen.

Ich will mich überraschen lassen und das Gerät vor Ort das erste Mal einschalten. Die Anleitung habe ich extra nicht mitgenommen. Ich hoffe, dass sich das Gerät von selbst erklärt. Allerdings fällt es zunächst schwer, den Reader einzuschalten. Der längliche Knopf an der Kopfseite ist etwas unhandlich. Weil sich direkt daneben zwei Chips befinden, ist er zudem erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Wenn dann allerdings das übersichtliche Menü auf dem Display mit gut 15 Zentimetern Durchmessern erscheint, gibt es keine Zweifel mehr an der Qualität der Schriftdarstellung. Die Buchstaben sind auch im prallen Sonnenlicht einwandfrei zu lesen. Zum Vergleich halte ich mein Handy neben den Reader. Der Unterschied könnte kaum größer sein. Auf meinem Mobiltelefon kann ich fast nichts erkennen.

Dass die Schrift bei Sonys E-Book so kontrastreich dargestellt wird, hängt mit der so genannten elektronischen Tinte zusammen. Mir leuchtet sofort ein, dass die „E-Ink-Technologie“ die wahrscheinlich wichtigste Komponente des Readers ist. Nachteile, wie sie von herkömmlichen Displays bekannt sind, beispielsweise Flimmern, ungleiche Ausleuchtung, abnehmende Lichtstärke oder störende Licht-Reflektionen, die die Augen ermüden können, gibt es beim elektronischen Papier nicht. Das sehr hohe Kontrastverhältnis sorgt dafür, dass die Anzeige einer herkömmlichen Buchseite sehr ähnlich ist. Ich kann die Inhalte selbst aus flachen Blickwinkeln gut wahrnehmen.

Akkus hängen von der Lesegschwindigkeit ab

Da Energie lediglich zum Seitenaufbau nötig ist und keine Hintergrundbeleuchtung nötig ist, wird die Akkulaufzeit nur in Seitenumschlägen gerechnet und nicht in Stunden oder Minuten. Betriebszeiten von wenigen Stunden, wie sie von Laptops oder Netbooks bekannt sind, spielen beim „PRS-505“ deshalb keine Rolle. Ich habe das Gerät längere Zeit intensiv im Einsatz gehabt und musste es nicht einmal nachladen. Die Akkuleistung hängt also lediglich von der Lesegeschwindigkeit und der Umblätterhäufigkeit des Verwenders ab. Der Hersteller gibt an, dass eine volle Akku-Ladung für fast 6800 Seitenumschläge reicht. Das entspricht ungefähr zwölf Romanen mit jeweils gut 500 Seiten. Da eine einmal aufgerufene Seite keine weitere Energie benötigt, brauche ich das E-Book nicht einmal auszuschalten. Es würde keinen Unterschied machen.

Allerdings stelle ich im Praxistest des elektronischen Lesegeräts auch einige Schwächen. Das größte Manko: Die Tasten zum Umblättern an der Außenseite sind zu klein. Immer wieder komme ich versehentlich auf einen anderen Knopf. Das ist ärgerlich und trübt den positiven ersten Eindruck deutlich. Obwohl der lederähnliche Einband das E-Book dezent versteckt und einem echten Buch nachempfunden ist, sollte man sich auf neugierige Blicke einstellen.

Reader mit zwei Büchern kostet 299 Euro

Wirklich ärgerlich ist allerdings das Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Reader kostet mit zwei installierten Büchern 299 Euro. Obwohl die Druck- und Papierkosten entfallen, da die Literatur nur noch digital aus dem Internet über den Computer auf den Reader geladen wird, sind die Bücher selten günstiger zu bekommen. Bei einem E-Book-Test kam es aber vor, dass Werke im Handel schon als günstiges Taschenbuch erhältlich waren und in der digitalen Version noch zum Preis einer gebundenen Ausgabe verkauft wurden. Zukünftig sollen E-Books jedoch 20 bis 25 Prozent günstiger sein, heißt es bei Sony. Experten des Börsenvereins glauben zudem, dass auch die Reader selbst in absehbarer Zeit weniger als 100 Euro kosten werden.

Mein Fazit: Erst wenn sich der Preis reguliert hat, wird das E-Book bei aller technischen Klasse eine Alternative zum gedruckten Buch. Zudem wird bereits intensiv an Innovationen für das E-Book gearbeitet. Die Geräte der nächsten Generation sollen mit einem drahtlosen Internetzugang versehen werden. Über das Handynetz ist es dann möglich, jederzeit und überall neue Bücher auf den Reader zu spielen. Ähnlich soll das auch bei der Tageszeitung funktionieren. Der Nutzer muss sie nicht mehr aus dem Briefkasten holen, sondern hat sie beim Einschalten morgens bereits auf seinem E-Book - egal, wo er sich gerade befindet.

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