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Studie Cybermobbing: Tatort Facebook

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Die 15-jährige Amanda Todd bat in einem Youtube-Video öffentlich um Hilfe, nachdem sie monatelang im Internet gemobbt wurde. Am Ende brachte sich der Teenager um Foto: dpa
Fast jeder fünfte Schüler in Deutschland ist bereits Opfer von Cybermobbing geworden. Das ist das Ergebnis einer Studie. Als Gründe werden „Langeweile“ und „Spaß“ genannt. Die Folgen sind für die Psyche der Heranwachsenden teilweise gravierend.  Von
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Köln

Fast jeder fünfte Schüler in Deutschland ist bereits Opfer von Cybermobbing geworden. Mobbing im Internet wird damit zu einem zunehmenden Problem, das vor allem Kinder und Jugendliche betrifft. Das  ist ein Ergebnis der deutschlandweiten Studie „Cyberlife  - Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr“, die das Bündnis gegen Cybermobbing e.V. gemeinsam mit der Versicherung ARAG in Auftrag gegeben und am Donnerstag in Köln vorgestellt hat.

Cybermobbing

Extreme Form des Bloßstellens, Verfolgens und Beleidigens im Netz.

„Die Problematik Cybermobbing wird in unserer Gesellschaft immer präsenter“, so Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnisses. „Das Internet zieht immer mehr Störenfriede, Mobber, Sexualtäter und jene Personen an, die kriminelle Absichten hegen.“ Kinder seien besonders davon betroffen, da  sie in einem multimedialen Zeitalter aufwachsen - ohne ausreichend darauf vorbereitet zu sein. Daher würden Forschung, Aufklärung und Präventionsarbeit „immer wichtiger, um das Phänomen Cybermobbing in den Griff zu bekommen“, so Leest.

Durch Attacken dauerhaft belastet

17 Prozent der knapp 7000 befragten Schüler sind der Studie zufolge bereits Opfer von Cybermobbing geworden, während sich 19 Prozent als Täter bekennen. Die häufigsten Formen des Mobbings sind Beleidigungen, das Verbreiten von Gerüchten und Verleumdungen. Der zentrale Tatort dafür sind soziale Netzwerke wie Facebook. Als Gründe werden „Langeweile“ und „Spaß“ genannt. Doch offenbar ist Cybermobbing auch ein Mittel, um sich zu wehren: Mehr als ein Drittel der Täter gibt an, selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein.

Die Folgen können für die Psyche der Heranwachsenden gravierend sein. Zwar ist Mobbing kein neues Phänomen. Allerdings hat sich der Tatort vom Schulhof ins Internet und damit bis ins Kinderzimmer hinein verlagert: Mehr als 80 Prozent der Schüler haben einen eigenen Computer im Zimmer, 67 Prozent besitzen zudem ein internetfähiges Smartphone. Gegenüber traditionellem Mobbing an der Schule hat das Opfer keine Chance zu entkommen. Daher sei auch die Traumatisierung der Opfer bei dieser Form des Mobbings stärker: Mehr als ein Fünftel der Cybermobbing-Opfer fühlt sich durch die Attacken dauerhaft belastet.

Vor diesem Hintergrund ist es besonders  verheerend, dass nur 17 Prozent der Eltern überprüfen, was ihre Kinder im Internet machen. Lediglich sechs Prozent der befragten Eltern geben an, ihre Kinder regelmäßig beim Surfen im Netz zu begleiten. Diese mangelnde Kontrolle begründet knapp die Hälfte damit, sich zu wenig auszukennen. Und 57 Prozent der Eltern bestätigt, dass ihre Kinder mit dem Internet professioneller agieren als sie selbst.

Die bisher umfassendste Studie

Nach Angaben des Bündnisses handelt es sich um die bisher umfassendste Studie zu Cyberlife und Cybermobbing in Deutschland. So hätten bisherige Studien vor allem die Perspektive der Jugendlichen beleuchtet. Die aktuelle Studie habe hingegen neben Schülern im Alter zwischen zehn und 20 Jahren auch Eltern und Lehrer befragt - insgesamt haben sich mehr als 10.000 beteiligt.

´Fast 90 Prozent der Eltern und der Lehrer beklagen, dass Kinder und Jugendliche durch die medialen Entwicklungen gewaltbereiter geworden sind: Die Anonymität durch das Internet führe demzufolge zu enthemmtem Verhalten und Mobbingattacken. Mehr als die Hälfte der Lehrer berichtet, bereits Cybermobbingfälle unter ihren Schülern erlebt zu haben. Sowohl Eltern als auch Lehrer fühlen sich durch den medialen Wandel in ihren Erziehungsaufgaben überfordert und nicht ausreichend über das Thema Cybermobbing informiert.

Das Bündnis gegen Cybermobbing fordert sowohl Eltern als auch Schulen auf, aktiver dazu beizutragen, Kinder verantwortungsvoll an das Medium Internet heranzuführen, das längst selbstverständlicher Teil ihres Alltags ist.

 

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