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Xbox One: Die totale Kontrolle über die Nutzer

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Die neue Spielekonsole Xbox One von Microsoft übernimmt die Herrschaft über die Wohnzimmer und die Nutzer. Foto: AP/dpa
Mit der neuen Spielekonsole Xbox One will Microsoft etwas komplett Neues anbieten. Eine überarbeitete Sprach- und Gestensteuerung setzt kleinste Handbewegzungen in Spielen um - und übernimmt gleichzeitig die totale Kontrolle über die Nutzer.  Von
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Es ist nur eine schwarze klobige Kiste. Doch Microsoft hat in die Xbox One so fast alles an moderner Kommunikationstechnik reingepackt, was momentan serienreif ist. Das Gerät ist dem Namen nach noch immer eine Spielekonsole. Tatsächlich handelt es sich aber um den Versuch, einen alten Traum der Computerbranche zu verwirklichen: Die Herrschaft über die Wohnzimmer und zugleich die totale Kontrolle über die Nutzer. Die Frage ist nur, ob das bei den Konsumenten ankommt. Für Experten kommt die  Xbox drei Jahre zu spät.

Dass das Gerät den Beinamen One trägt, ist kein Zufall. Microsoft will etwas komplett Neues anbieten. „Es ist die Reaktion  auf die veränderten Nutzungsgewohnheiten und die neuen Wertschöpfungsketten in der Unterhaltungsindustrie“, sagt Achim Himmelreich von der Beratungsfirma Mücke, Sturm und Company. Interessante TV-Serien aus den USA zum Beispiel beschaffen sich junge Leute um die 20 heute über das Internet. Sie schauen sich die Folgen im Original an, lange bevor sie im deutschen Fernsehen laufen.  Nur Fernsehgucken ist in dieser Generation zudem eher die Seltenheit. Gleichzeitig wird per Smartphone oder Tabletrechner mit Freunden kommuniziert. Die Xbox will all dies mit einem Gerät schaffen. Und weil im Wohnzimmer Tastatur und Computermaus nicht zu Hand sind, soll das mit einer überarbeiteten Sprach- und Gestensteuerung, die Kinect heißt, passieren. Bei der Präsentation der neuen Xbox, die zum Ende des Jahres in die Läden kommen soll, führte Microsoft-Manager Yusuf Mehdi das mühelose Wechseln von Live-TV zum Internet und wieder zurück vor. Zugleich kann der Nutzer über Skype Videotelefonate führen.

Kinect hat es in sich. Ein Mikrofon erkennt verschiedene  Stimmen und die HD-Kamera die Gesichter, so kann die Xbox jedem Nutzer schon beim Einschalten seine Lieblingsanwendungen anbieten. Kinect beobachtet den Nutzer mit einer hochauflösenden Kamera, und zwar dank Infrarottechnik auch im Dunkeln. Der Effekt: „Selbst die kleinste Handbewegung erkennt die neue Kinect und setzt deinen Befehl für dich in Spielen und Apps um. Egal ob du stehst oder sitzt“, heißt es auf Xbox-Website von Microsoft. Dank der neuesten 3D-Technologie könne Kinect sogar sagen, „ob du noch gerade sitzt.“ 

Das deutet auf die Schattenseite  der einfachen Bedienung. Die Maschine beobachtet den Nutzer, kann sich merken, was jeder einzelne tut. So lassen sich sehr präzise Profile der Nutzer erstellen, die für die Werbebranche extrem interessant sind. Mehr noch: Die Daten können zur Optimierung der Produkte verwendet werden. Microsoft weiß künftig ganz genau, welche Spiele und TV-Serien ankommen. Die Kinect-Kamera kann die Reaktionen der Zuschauer registrieren, während sie sich einen Film anschauen. Daraus lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, welche Charaktere ankommen und welche nicht. Oder wie TV-Werbung wirkt – das ist Marktforschung in einer neuen Dimension. Und Film- und TV-Produzenten können ihre Inhalte optimieren. Da die Xbox auch mit sozialen Netzwerken verkoppelt werden kann, können extrem ausgefeilte Datensammlungen erstellt werden. Schon unmittelbar nach der Präsentation des Gerätes ging im Internet die Debatte über  die Big-Brother-Funktionen los.

Massive Zweifel

Computerspieler will Microsoft indes mit einem neuen Controller locken, in dem 40 Innovationen stecken und den Spaß beim Gaming steigern sollen.  Allerdings können die Nutzer ihre alten Spiele von der Xbox 360 nicht weiter verwenden. Alles muss neu angeschafft werden.

Himmelreich hat massive Zweifel, ob das Xbox-Konzept  bei den Kunden ankommt. Technisch habe das Gerät zwar enorm viel zu bieten. „Aber es kommt möglicherweise zu spät“, sagt Himmelreich.  Den Grund dafür sieht er in den  veränderten Nutzungsgewohnheiten. 

Bei  Smartphones und Tablet-Rechnern spielt Microsoft nur eine verschwindet geringe Rolle. Dort dominieren Samsung mit dem Android-Betriebssystem und Apple mit seinem eigenen Betriebssystem. Diese Geräte seien für die Nutzer heute die wichtigsten Werkzeuge zur Kommunikation und deshalb  für multimediale Nutzung auch im Wohnzimmer extrem wichtig, so Himmelreich. Wer mit einer Multimediakonsole erfolgreich sein wolle, müsse diese heute mit den dominierenden Systemen für die mobilen Geräte kompatibel machen, also mit dem Galaxy-Handy oder iPad als Fernsteuerung und Controller.  Himmelreich schätzt, dass die Xbox One vor drei vier Jahren erheblich größere Erfolgschancen gehabt hätte, da damals der Boom am Smartphone-Markt gerade erst begann. Für den IT-Experten  kommt  ein weiteres Manko hinzu: „Die Xbox ist als Marke ist jenseits der Spieler-Gemeinschaft wenig bekannt.“ Deshalb werde es schwer, sie als Multimedia-Zentrale zu vermarkten.      

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