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Anwohner: Proteste gegen Studentenwohnungen

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Dieser Parkplatz an der Franz-Kreuter-Straße müsste einem Gebäude weichen. Foto: Roesgen
Im Kölner Westen sollen neue Apartmenthäuser für Studenten entstehen. Viele Anwohner fürchten den Verlust von Parkplätzen und Grünflächen. Protestaktionen sind geplant.  Von
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Ehrenfeld/Lindenthal

Wohnraum für Studenten wird dringend gebraucht in der Stadt. Der Bau neuer Wohnungen geht aber oft einher mit dem Wegfall von Parkplätzen und Bäumen im Viertel. Und nicht überall sind Anwohner erfreut über die künftigen Nachbarn. In Ehrenfeld und in Lindenthal wehren sich deswegen Bürger gegen zwei Bauvorhaben.

In der Franz-Kreuter-Straße, einer Seitenstraße der Vogelsanger Straße nahe der Inneren Kanalstraße, besitzt die Stadt Köln ein Grundstück, das alle Voraussetzungen erfüllt für den Bau von Studentenwohnungen: Gute Wohnlage und nah an der Universität. Noch dazu liegt es in Ehrenfeld, das bei Studenten als kreatives Viertel hoch im Kurs steht. Aber bei vielen Bewohnern der Straße haben die Überlegungen Unruhe ausgelöst. Denn mit einem Schlag gäbe es 42 Parkplätze weniger im Viertel.

Mutter will sich an Baum ketten

Das Wohnheim in der Landgrafenstraße wird erweitert.
Das Wohnheim in der Landgrafenstraße wird erweitert.
Foto: Rösgen/Eickler/Risse

Noch ist kein Kaufvertrag unterzeichnet. Aber es spricht viel dafür, dass sich die Stadt Köln und das Kölner Studentenwerk (KSTW) einig werden. „Wir bewerten zurzeit das Grundstück. Sollte das Studentenwerk mit dem Preis einverstanden sein, käme der Verkauf zügig zustande“, sagte Maria Kröger, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung. Die Genehmigung sei laut Kröger nur eine Formsache. Denn nach dem Baugesetzbuch braucht Wohnungsbau hier kein langwieriges Verfahren.

Die Anwohner der Franz-Kreuter-Straße sind absolut nicht amüsiert über diese Aussichten, haben aber zumindest ihren Humor nicht verloren: „Meine Mutter wird sich als Erste an einen Baum ketten lassen, um das Projekt zu verhindern“, kündigt Monika Biermann scherzhaft an.

Grüne Oase des Viertels

Studentenwohnheim in Lindenthal.
Studentenwohnheim in Lindenthal.
Foto: KStA-Grafik

Ein gutes Dutzend Anwohner traf sich jetzt auf dem Spielplatz hinter der Parkfläche. „Es geht nicht nur um den Wegfall der Parkplätze“, erklärt Esther Rae, die die Nachbarschaft mobilisierte, nachdem sie aus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ von dem Bauvorhaben erfahren hatte. Sorge bereitet vor allem vielen hier wohnenden jungen Familien, was aus dem von zahlreichen Bäumen gesäumten Spielplatz wird. „Wenn der hinter einem Gebäude verschwindet, wird er für Kinder ganz schnell uninteressant“, sagt Esther Rae. „Das ist doch die grüne Oase des Viertels. Sie kompensiert den Lärm der Vogelsanger- und der Inneren Kanalstraße.“

Maria Kröger findet die Haltung der Anwohner zwar „absolut nachvollziehbar“. Für die Amtsleiterin ist es aber ein Abwägungsprozess: „Es ist ein Musterbeispiel für Innenverdichtung. Die Alternative wäre, auf einer Fläche am Stadtrand zu bauen. Das aber ist nicht unser Ziel und politisch auch nicht gewollt“, stellt Kröger klar.

Klage ist eingereicht

Standort des geplanten Studentenwohnheims in Ehrenfeld.
Standort des geplanten Studentenwohnheims in Ehrenfeld.
Foto: KStA-Grafik

Auch in Lindenthal protestieren Nachbarn gegen den Bau von Studentenwohnungen. An der Landgrafenstraße 90 sollen 18 Studentenapartments entstehen. Dort wenden sich die Anwohner gegen den drohenden Verlust einer kleinen Grünfläche, auf der das Haus errichtet werden soll. Wie der Rechtsanwalt Felix Pauli bestätigte, hat seine Kanzlei Lenz und Johlen bereits Klage beim Verwaltungsgericht gegen die Stadt Köln eingereicht. Das Ziel: Aufhebung der bereits erteilten Baugenehmigung. Der Investor, die gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Baugelast eG, will dennoch mit den Arbeiten beginnen. „Wir haben die gültige Baugenehmigung, und danach richten wir uns“, so Geschäftsführer Marcus Brück.

Falls die Bagger anrollen, behält sich Pauli vor, einen einstweiligen Baustopp zu beantragen. Die Gegner des Vorhabens sind nämlich der Ansicht, der geplante Bau sei zu massiv für das Grundstück, zumal im Inneren auch noch sechs Pkw-Stellplätze entstehen sollen. Pauli: „Das bringt Abgase und Lärm an die Rückseite der Wohnhäuser an der Landgrafenstraße.“ Für dieses Argument hat Brück sogar Verständnis: „Ich bin aber gezwungen, die Stellplätze auf dem Grundstück nachzuweisen. Dabei würde ich sie gerne bei der Stadt ablösen. Die Studenten brauchen sie eigentlich nicht.“

Wohnungen werden gebraucht

Peter Schink ist Geschäftsführer des Kölner Studentenwerks (KSTW). Es betreut mehr als 78 000 Studierende von sechs Kölner Hochschulen.
Peter Schink ist Geschäftsführer des Kölner Studentenwerks (KSTW). Es betreut mehr als 78 000 Studierende von sechs Kölner Hochschulen.
Foto: Rösgen

Lothar Buntenbroich, Leiter der Bauaufsicht, aber meint: „Wir haben da keinen Entscheidungsspielraum. Das Baugesetzbuch sieht die Stellplätze zwingend vor.“ Einer möglichen Klage sieht er gelassen entgegen: „Ich gehe davon aus, dass sie keinen Erfolg haben wird. Spräche etwas gegen das Bauvorhaben, hätten wir die Baugenehmigung nicht erteilt.“ Zumindest in der Landgrafenstraße finden sich aber auch Befürworter, die es gerne sehen würden, wenn mehr Wohnraum für Studierende in der Nähe des Campus entsteht. Ein direkter Nachbar sagt: „Ich finde das gut. Wohnungen werden doch so dringend gebraucht.“

Die Kampagne „Mein Zuhause in Köln“

Rund 4700 Wohnungen in 86 Wohnheimen betreibt das Kölner Studentenwerk derzeit selbst.

Darüber hinaus bemüht sich das Studentenwerk darum, private Wohnungsvermieter zu motivieren, Zimmer, Appartements oder Wohnungen für Wohngemeinschaften zur Verfügung zu stellen.

Dazu wurde die Kampagne „Mein Zuhause in Köln“ gestartet.

Im Mai erbrachte sie mehr als 500 Angebote, an die rund 400 Studenten erfolgreich vermittelt werden konnten.

Vor dem kommenden Wintersemester 2013/2014 wird es eine Neuauflage geben. (Rös)

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