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Autofreier Sonntag: Der Traum einer Stadt ohne Autos

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Am 15. September werden die Venloer Straße und fast ganz Ehrenfeld für den Autoverkehr gesperrt sein. Dann dürfen die Radfahrer auch die Straßenmitte benutzen. Foto: Martina Goyert
Köln hat viel zu viele Autos, und die Menschen leiden darunter, finden die Initiatoren des autofreien Tages in Ehrenfeld. Sie schlagen außerdem ein Verkehrskonzept vor, das die Verhältnisse auf den Straßen auf den Kopf stellen soll.  Von
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Am Sonntag, 15. September, werden in Ehrenfeld keine Autos fahren. Beim „Tag des guten Lebens“ des Aktionsbündnisses Agora wird das Gebiet zwischen Ehrenfeldgürtel, Innerer Kanalstraße, Subbelrather und Vogelsanger Straße von 7 bis 22 Uhr für den motorisierten Verkehr gesperrt. Die Veranstalter um Initiator Davide Brocchi wollen mit dem Pilotprojekt für eine andere Verkehrspolitik werben: Weg vom Auto, hin zu Bus, Bahn und Fahrrad – zum Beispiel mit mehr Bahnverbindungen oder neuen Radschnellwegen.

„Wir haben in Köln mehr als 420 000 Autos, die im Durchschnitt 23 Stunden pro Tag auf dem Parkplatz stehen, während es zu wenig Raum für Grün, für Kindergärten, für freie Kultur oder für Fahrradparkplätze gibt“, sagt Ralph Herbertz vom Verkehrsclub Deutschland. Die Kölner Verkehrspolitik müsse sich ändern, um die Lebensqualität der Menschen langfristig nicht stark zu mindern. „Die Luftqualität ist mäßig und viele Kölner leiden unter Lärm, wobei der Straßenverkehr die Hauptursache ist“, sagt Herbertz. „Zudem müssen wir weg vom Öl, bevor es uns verlässt.“

Parken teurer, Bus und Bahn kostenlos

Das Kölner Straßennetz sei in den vergangenen Jahren um zehn Prozent gewachsen, die Stadt habe 2010 für den Nahverkehr 285 Millionen Euro ausgegeben, für den Umweltschutz nur zehn Millionen, sagt Initiator Davide Brocchi. „Köln hat Nachholbedarf, was menschen- und umweltfreundlichere Verkehrskonzepte angeht.“ Das Bündnis schlägt die Einführung einer City-Maut vor und eine ÖPNV-Steuer – dafür könnten alle Kölner Busse und Bahnen kostenlos nutzen. Parken sollte deutlich teurer werden, das Teilen von Autos (Carsharing) günstiger.


Der autofreie Sonntag, den bislang 85 Organisationen unterstützen, sei ein Beispiel „für einen anderen Weg der Demokratie, einen Weg, auf dem die Bürger Politik selbst gestalten“, sagt Brocchi. Weil der Einfluss von Regierungen in Zeiten der Globalisierung sinke und auch verschuldete Städte wie Köln unbeweglicher würden angesichts riesiger Herausforderungen wie des Klimawandels, müssten Bürger mehr Verantwortung übernehmen.

Von der „größten Nachbarschaftsveranstaltung ihrer Art in Deutschland“ sprechen die Veranstalter. Bemerkenswert ist, dass der autofreie Sonntag ohne kommerziellen Veranstalter und ohne finanzielle Unterstützung der Stadtverwaltung finanziert wird. Auch die Absperrung der Straßen, die bis zu 30 000 Euro kostet, zahlen die Veranstalter selbst. Anwohner werden gebeten, ihre Autos außerhalb der Zone zu parken.

Politik gespalten

Die Bezirksvertretung Ehrenfeld unterstützt das Pilotprojekt mit etwas mehr als 2000 Euro, Parteienstände sind eine Woche vor der Bundestagswahl nicht erwünscht. Zu den Unterstützern zählen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), der AStA der Universität zu Köln, das Comedia- Theater, der BUND, die Kölner Bank eG und der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Bezirksvertretung Ehrenfeld unterstützt das Konzept im Gegensatz zur Bezirksvertretung Innenstadt. Dort hatte sich keine Mehrheit für die Ideen gefunden. „Das hat uns ein wenig enttäuscht“, sagt Brocchi.

Den autofreien Sonntag in Ehrenfeld betrachtet Brocchi als Pilotprojekt für größere Aktionen. Am 15. September sind auf der Venloer Straße Konzerte und Veranstaltungen rund um das Thema Mobilität geplant. Jeder, der einen Stand aufbauen will oder eine Idee für einen Auftritt hat, kann mitmachen. Ladenbesitzer dürfen Stände aufstellen, sind aber angehalten, auf biologische Produkte zu setzen.

Kommerzielle Händler wie bei anderen Kölner Straßenfesten sind nicht zugelassen, wohl aber Köche und Laienköche, die ihre Gerichte und Getränke zum Selbstkostenpreis anbieten wollen.

Vorführungen von Kampfschulen, Straßentheater, Basteln von Gartenkästen, Skaten – solche und viele andere Aktionen wird es am 15. September in Ehrenfeld geben. Alles ohne Öl und Kommerz. 50 Aktionen sind bereits gemeldet.
Der „Tag des guten Lebens“, der nun jedes Jahr stattfinden soll, wird von Ehrenamtlern organisiert. Sponsoren werden noch gesucht. „Wir müssen um jeden Cent kämpfen“, sagt Brocchi. Im nächsten Jahr soll die gesamte Kölner Umweltzone an einem Sonntag autofrei sein – so die Vision der Unterstützer.
www.tagdesgutenlebens.de

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