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Bar-Schließung: Heiße Ehrenfelder Nächte im „Simrock“

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Hasan Akins "Simrock Bar" war DIE Anlaufstelle für Nachtschwärmer in Ehrenfeld.  
Die legendäre Musikbar "Simrock", zuletzt an der Ecke Körnerstraße/Stammstraße, gibt es nicht mehr. Zum Abschied zieht Hasan Akin, der langjährige Betreiber der Kultkneipe, Bilanz.  Von
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Der neue Supermarkt auf der Venloer, in dem es das Bier für 50 Cent gab, war ein erster Niederschlag. Hinzu kamen Lärmbeschwerden und die Ansage, nur noch Konzerte ohne Lautsprecher veranstalten zu dürfen. "Als wir dann erfahren haben, dass 2013 auch die Raucherclubs verboten werden, wusste ich, das ist der Knockout", sagt Hasan Akin und saugt an seiner Zigarette. Eine Simrock Bar ohne Zigaretten wäre wie eine Rockband ohne Bass und Gitarre.

Hasan Akin, der die Musikbar Simrock erst in der Simrockstraße, später in der Körnerstraße betrieben hat, "16 oder 17 Jahre lang", spielt selbst Bass: "Schlecht, aber ich zupfe." Der Bass steht jetzt im Schaufenster seiner Änderungsschneiderei in der Philippstraße. Der gelernte Schneider Akin sitzt wieder täglich an der Nähmaschine. Man weiß nicht, ob ihm das so gut gefällt, für seine Gesundheit ist es gewiss besser. "Im Simrock", sagt der 52-Jährige mit scheppernder Bassstimme, "ist es manchmal ein bisschen zu heftig zugegangen, um am nächsten Tag vernünftig zu arbeiten."

Das Simrock kannte jeder in Ehrenfeld. Es rankten sich Storys um die Bar, Geschichten von wilden Partys und legendären Gigs. Von ewiger Jugend ist im Dunkel des Schankraums noch nach dem ersten Hahnenschrei geträumt worden. "Wir waren so etwas wie das Roxy von Ehrenfeld", sagt Akin. Wenn alle anderen Läden dichtmachten, gingen die harten Nachtschwärmer ins Simrock. "Anfangs, im alten Simrock auf der Simrockstraße, gab es ja noch die Sperrstunde", sagt Markus Junker, der Musik gemacht und ausgeschenkt hat in der Bar, "da haben die Leute an den Türladen geklopft, wir haben einen Spalt weit geöffnet, geguckt, wer reinwollte, und drinnen war dann die Party."

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Hasan Akin arbeitet nun wieder in seiner Schneiderei.
Hasan Akin arbeitet nun wieder in seiner Schneiderei.
Foto: Kreikebaum

Hasan Akin und Markus Junker gehören zu denen, die die Party überlebt haben. Andere sind inzwischen tot. Akin blättert in einem Fotoalbum zu seinem 50. Geburtstag vor zwei Jahren, Erinnerungen an legendäre Gigs mit den Cowboys on Dope blitzen auf, Stammgast Peter beim Bar-Climbing, Rocker beim Raki-Zuprosten, dazwischen Bilder von Freunden, die gestorben sind.

Im Simrock trafen sich Musiker, Schriftsteller und Maler, politisch links, eher intellektuell und nicht unbedingt an materiellem Erfolg interessiert, eine Szene, die sich in der berühmt-berüchtigten Kneipe Ruine formiert hatte und im Simrock ein neues Zuhause fand. Die Luft hatte rauch- und biergeschwängert zu sein, gemischt mit Widerspruch und Wohlstandskritik, von bürgerlichen Familienvorstellungen hielt man wenig.

Das Simrock hatte auch integrative Kraft - der gebürtige Türke Akin organisierte Musiker-Austausch-Programme mit Istanbul - die Türken kamen nach Ehrenfeld und rockten hier, die Ehrenfelder fuhren in die Türkei und rockten dort. "Ich habe damals zum ersten mal richtig Kontakt mit Türken gehabt", sagt Markus Junker, "so offen und gemischt wie heute war das ja damals nicht." Die Köfte mit Schafskäse von Akin mochte natürlich jeder, "manchmal habe ich 80 Portionen am Abend verkauft", sagt Hasan Akin.

Angezählt gefühlt habe er sich zum ersten Mal vor fünf Jahren, als das erste Rauchverbot Einzug hielt in deutsche Schankräume. "Da musste ich mich zwischen Gastronomie und Rauchen entscheiden." Klar, dass im Simrock weiter geraucht wurde und die Köfte nun beim Türken auf der Venloer geordert werden mussten.

Nun also das Aus nach 16, 17 Jahren, ein bisschen wehmütig sei er schon, sagt Akin, saugt an seiner Zigarette. "Aber ewig ist nichts." Die Simrock-Bar wird derzeit aufwendig umgebaut, am 15. Dezember öffnet an gleicher Stelle in der Körnerstraße das Nachtigall, Betreiber ist Emre Özipek, ein Freund von Akin. Der Schriftsteller Dogan Akhanli wird in der Nachtigall-Bar künftig Lesungen moderieren, es werden Multi-Kulti-Partys und Studentenpartys gefeiert, tagsüber wird es Kaffee und Tee geben, sagt Özipek.

Ein bisschen Rock, ein bisschen 68er Stimmung, der Widerspruch in der Luft soll bleiben. "Wir wollen nicht alles umkrempeln. Die alte Simrock-Szene soll ein Zuhause behalten."

Es wird nur anders riechen. Der Rauch muss draußen bleiben.

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