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Bebauungsplan: Kreativ wohnen und arbeiten

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Zahlreiche Unternehmen aus dem Kreativ-Sektor sind heute auf dem ehemaligen Seybold-Areal zu finden. Foto: Rösgen
Wo einst mächtigen Maschinen gearbeitet haben, haben heute viele Menschen Wohnraum und auch viele Gewerbe einen Platz gefunden. Politiker suchen nach einer Lösung, um den bunten Mix am Helmholtzplatz weiterhin auszubauen.  Von
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Südlich des Helmholtzplatzes war einst Industrie beheimatet. Maschinen und Kartonagen wurden hier bis in die 1990er Jahre produziert. Das ist längst Geschichte: Heute wird hier gewohnt und es hat sich ein bunter Gewerbemix angesiedelt. Wie deren Standorte für die Zukunft gesichert werden und ob es möglich ist, weitere Wohngebäude auf dem vier Hektar großen Areal zu bauen, soll ein Bebauungsplanverfahren regeln. Noch gibt es dazu unterschiedliche Auffassungen zwischen der Stadtverwaltung und den Bauherren. Der Entwurf für den Bebauungsplan wird am 24. Oktober, 19.30 Uhr, im Saal der Offenen Tür Nonni am Helmholtzplatz öffentlich vorgestellt.

Praktisch nichts ist übriggeblieben von den einst mächtigen Hallen der Maschinenfabrik Hermann Kolb an der Helmholtzstraße. Von der früher an die Kolb-Hallen grenzenden Kartonagenfabrik Seybold sind dagegen noch viele Gebäude erhalten. Hier hat sich eine Vielzahl kleinerer und mittlerer Gewerbebetriebe niedergelassen.

Drei Vorschläge

Auf der noch freien Fläche sollen weitere Wohnhäuser entstehen. Das Gewerbe in den Gebäuden links muss baurechtlich geschützt werden.
Auf der noch freien Fläche sollen weitere Wohnhäuser entstehen. Das Gewerbe in den Gebäuden links muss baurechtlich geschützt werden.
Foto: Rösgen

Der Bebauungsplan-Entwurf enthält drei Vorschläge, mit welchen Zweckbestimmungen das Gelände künftig deklariert wird. Die Unterschiede zwischen den drei Alternativen liegen in den verschiedenen räumlichen Gliederung des Mischgebietes. Entscheiden müssen die politischen Gremien – Bezirksvertretung, Stadtentwicklungsausschuss und Rat. „Wichtig ist, dass wir eine saubere Trennung von Wohnen und Gewerbe hinbekommen“, erläutert Jürgen Brock-Mildenberger, ehemaliger SPD-Bezirksvertreter und heute sachkundiger Einwohner mit beratender Stimme im Stadtentwicklungsausschuss.

Die Ehrenfelder SPD nahm jetzt im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Ehrenfeld im Wandel“ das Gelände in Augenschein und ließ sich von einem der größeren Investoren dessen Absichten erläutern. Für das Unternehmen „Netzbau AG“ sprach dessen Geschäftsführer Yves Netz. In etwa zehn bis 15 Jahren will er auf seinem rund 10 000 Quadratmeter umfassenden Areal einen kleinteiligen Mix aus Wohnen und Gewerbe entwickeln. Immer wieder schwärmte er von der bunten Mischung seiner Mieter. „Es sind sehr kreative Branchen vertreten. Filmleute und Werbeateliers zum Beispiel. Aber wir haben hier auch ein Dominastudio. Irgendwie kommen hier alle gut miteinander klar“, berichtet er. Gefallen findet Netz auch an der Musik-Proberaum-Vermietung an der Hospeltstraße. Mehr als 100 professionell ausgestattete Räume für Bands bietet das Unternehmen, das sich selbst als das größte seiner Art in Deutschland bezeichnet. Mit monatlichen Jazz-Sessions der hier beheimateten Musiker hat sogar die Kultur Einzug gehalten, wo früher einmal schwere Industrie ansässig war.

Dieses zurzeit gewerblich genutzte ehemalige Fabrikgebäude auf dem Seybold-Areal soll erhalten bleiben.
Dieses zurzeit gewerblich genutzte ehemalige Fabrikgebäude auf dem Seybold-Areal soll erhalten bleiben.
Foto: Rösgen

Den inneren Bereich des früheren Seybold-Fabrikgeländes mit den alten Hallen will Yves Netz denn auch weitgehend so belassen. Am liebsten hätte er sogar ein Café hier angesiedelt. „Mittelfristig kann ich mir hier auch weitere Wohnhäuser vorstellen, aber ich will keinesfalls das Gewerbe ganz heraus haben“, erklärt Netz. Im Gegenteil: In einer größeren Halle, die zurzeit als Produktlager eines Werbeartikel-Herstellers dient, könnten durch Zwischendecken sogar bis zu 300 Quadratmeter zusätzlicher Fläche für Gewerbe geschaffen werden. Die Bauvorhaben, die er kurzfristig umsetzen will, sind riegelförmige Wohnhäuser an der Hospeltstraße und an der Vogelsanger Straße. Sie sollen das Gelände gewissermaßen einfassen.

Architektonischer Leckerbissen

Hat viele Pläne für das Seybold-Areal: Yves Netz.
Hat viele Pläne für das Seybold-Areal: Yves Netz.
Foto: Rösgen

Als architektonischer Leckerbissen ist geplant, an der Vogelsanger Straße ein flaches Bürogebäude aufzustocken. Das durch seine Front aus großen Rundbogenfenstern auffallende Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz und soll mit einem modernen Kubus erweitert werden, der , so Netz, in einem „spannenden Kontrast“ zum Altbau steht.

Das zweite große Unternehmen im Gebiet südlich des Helmholtzplatzes ist die Firma „Genius Development“. Die Geschäftsführer Norbert Theiss und Ulrich Geyer warten ungeduldig auf den Ausgang des Bebauungsplanverfahrens, damit sie ihr Areal weiterentwickeln können. Unter anderem ist eine alte Industrie-Halle im Genius-Besitz. „Die wollen wir gewerblich nutzen“, sagt Norbert Theiss. Geplant ist ein kompletter Umbau zu einem attraktiven Gebäude mit einem kleinen Lichthof.

Ein weitaus größeres Projekt ist der Bau von sieben mehrgeschossigen Häusern mit jeweils quadratischem Grundriss. Diese sogenannten „Punkthäuser“ sollen von kleinen Gärten umgeben sein. Damit würde der bereits bewohnte Block an der Hospelt- und der Helmholtzstraße die bislang fast ganz fehlende Begrünung erhalten. Derzeit blicken die Bewohner von ihren Balkonen auf eine öde Fläche, die letzten Reste der früheren Kolb-Fabrik. Lediglich ein kleiner Spielplatz und einige private Gärten bilden hier das spärliche Grün.

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