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Bürgerladen „Goldammer“: Eine Genossenschaft fürs Veedel

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Mit klaren Mehrheiten wurden die ersten Beschlüsse der neuen Genossenschaft gefasst. Foto: Rösgen
Die Vogelsanger haben eine eigene Stadtteilgenossenschaft gegründet. Bald sollen ein Bürgerladen und ein Begegnungscafé folgen. Das Prinzip der Genossenschaft hilft nicht nur den Anwohner, sondern jedem, der sich beteiligt.  Von
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Vogelsang

Weite Wege zum Einkaufen sollen für die Menschen in Vogelsang bald der Vergangenheit angehören. In wenigen Monaten wird ein neues Geschäft eröffnen, das Lebensmittel und sonstige Waren des täglichen Bedarfs im Sortiment hat. Träger dieses Geschäfts sind die Bürger selbst – sofern sie zur Genossenschaft gehören, die diesen „Bürgerladen“ betreibt.

Diese Stadtteilgenossenschaft Vogelsang wurde jetzt gegründet. 53 Männer und Frauen unterzeichneten die Gründungsurkunde und die Satzung. Zweck dieser neuen Genossenschaft sind Aufbau und Betrieb eines Bürgerladens und eines Begegnungscafés. Es soll am Goldammerweg in einem leerstehenden Ladenlokal eröffnet werden. Auch der Name steht schon fest: „Goldammer“.

Wenig Einzelhandel in Vogelsang

„Das war ein toller Vorschlag. Der Name lässt sich wunderbar grafisch umsetzen“, sagt Petra Gräff, die den Anstoß zum Bürgerladen gab. Die Goldammer sei zudem ein hübscher und liebenswerter Vogel und keinesfalls ein Nesträuber oder Störenfried. Zusammen mit René Kündgen bildet Gräff den Vorstand der Genossenschaft. Sie ist die Koordinatorin des Seniorennetzwerks Vogelsang. Dieses Netzwerk setzt sich seit mehr als zwei Jahren für den Bürgerladen ein.

Bürgerläden im Trend

20 Millionen Menschen sind in Deutschland Mitglied in einer Genossenschaft. Die 7500 gewerblichen Zusammenschlüsse dieser Geschäftsform haben 800 000 Mitarbeiter. „Bei den Neugründungen liegen Energie-Genossenschaften und solche für Dorf- oder Bürgerläden an der Spitze“, sagt Asmus Schütt, Pressesprecher der Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes.

Dem RWGV gehören aus Köln 27 gewerbliche Genossenschaften (darunter Handwerker-, Ärzte- und auch Wohnungsgenossenschaften) sowie vier Genossenschaftsbanken an. Im Verband der Wohnungswirtschaft sind weitere 18 Kölner Wohnungsgenossenschaften Mitglied. (Rös)

www.rwgv.de

www.dgrv.de

www.genossenschaften.de

Laut dem von der Stadtverwaltung erarbeiteten Einzelhandelskonzept weist der Stadtteil Vogelsang eine Unterversorgung auf. Es gibt nur noch vereinzelt Läden im Stadtteil, in dem mehr als 8000 Menschen leben. Zum Einkaufen müssen die Bewohner größtenteils weite Wege in benachbarte Stadtteile zurücklegen, was vor allem für ältere Menschen beschwerlich ist. „Unser Projekt könnte Vorbild werden für andere Stadtteile mit ähnlichen Problemen“, sagt Gräff.

So gründet man eine Genossenschaft

René Kündgen fungiert künftig als Geschäftsführer des Bürgerladens. Für ihn selbst ist die Aufgabe so etwas wie eine Existenzgründung. Der 35-Jährige ist gelernter Speditionskaufmann. „Als gebürtiger Vogelsanger habe ich das Projekt bislang sehr aufmerksam verfolgt“, sagt er. Doch nicht nur daher rührt sein Engagement. „Ich finde es wichtig, dass es einen Ort der Begegnung für ältere und jüngere Vogelsanger gibt“, sagt Kündgen.

Als nächstes muss die Genossenschaft beim Amtsgericht und beim Verband gemeldet und anerkannt werden. Zudem muss genügend Kapital gebildet werden, um das Vorhaben eines Bürgerladens in die Tat umzusetzen. „Man kann noch Mitglied werden und Anteile zeichnen“, betont Petra Gräff. Ein Anteilsschein kostet 100 Euro. Für Mitglieder besteht die Aussicht auf eine jährliche Dividendenzahlung in Höhe von etwa fünf Prozent. „Das wird aber frühestens in zwei Jahren möglich sein“, erklärt René Kündgen. Gedacht sei aber auch an ein Rabattmarken-System, das das Einkaufen im „eigenen“ Genossenschaftsladen attraktiver macht. Selbstverständlich ist der Einkauf nicht an eine Mitgliedschaft gebunden.

Laden eröffnet im September

„Insgesamt werden etwa 50 000 Euro benötigt“, sagt Petra Gräff. Die Hälfte davon müsse in die Ausstattung des künftigen Geschäfts investiert werden, die andere wird für den Warenankauf verwendet. Gut möglich ist jedoch, dass der Betrieb schon mit weniger Kapital gestartet wird. „Wir wollen viel in Eigenleistung erbringen“, sagt Petra Gräff. Zudem habe sie schon Angebote einer Gratis-Feng-Shui-Beratung für die Einrichtung des Ladens sowie für ein Jahr kostenlose Buchhaltung.

„Wann ist Eröffnung?“ Auf diese häufig gestellte Frage antwortet Petra Gräff wie aus der Pistole geschossen: „Im September nach dem Kappesrollen mit einem großen schönen Fest.“ Der Großteil der Waren soll von einem Großhändler mit breitem Sortiment bezogen werden. Darüber hinaus ist geplant, mit regionalen Erzeugern, etwa bei Obst und Gemüse, ins Geschäft zu kommen.

Bürgermeister engagiert sich

Bei der ersten Generalversammlung der neuen Genossenschaft, die unmittelbar nach dem Gründungsakt vollzogen wurde, wählten die Mitglieder auch einen Aufsichtsrat. Dieser bestimmte den späteren Vorstand. Aufsichtsratsvorsitzender ist Jürgen Schink. Er ist Mitglied der Bürgervereinigung Vogelsang ebenso wie Ulrich Strobl, der auch dem Gremium angehört. Mit Rolf Schmidt und Wolf-Dieter Bauer sind ehemalige Unternehmer aus dem Stadtteil vertreten. Ramon Kempt ist bereits Mitglied in einer Energie-Genossenschaft in einem anderen Stadtteil. Auch Bezirksbürgermeister Josef Wirges stellte sich für den Aufsichtsrat zur Verfügung: „Ich unterstütze die Idee gerne“, betonte er. Ruth Lenzen-Genco. einzige Frau im Aufsichtsrat, ist schon seit längerem sozial engagiert.

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