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Kultur in Köln: Vielfalt auf der Kunstroute Ehrenfeld

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Seit einigen Monaten arbeitet Nikolas Sievert in seinem neuen Atelier in der Lichtstraße an seinen realistischen und symbolischen Bildern. Foto: Kisters
Zum zweiten Mal präsentierten Künstler auf der Kunstroute Ehrenfeld in 34 Stationen ihre vielseitigen Werke: Darunter Zeichnungen, Malereien, Buchprojekte aber auch Schmuckstücke mit eingearbeiteten Gewürzen.  Von
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Eigentlich hatte Richard Berners das kleine Ladenlokal in der Thebäerstraße bereits aufgeben wollen. Doch die Möglichkeit, mit direktem Zugang zu Schaufenster und Straße seine Kunstwerke öffentlich präsentieren zu können, bestärkte ihn auch in diesem Jahr in der Ansicht, genau an der richtigen Stelle seiner künstlerischen Arbeit nachzugehen. Berners Atelier war eine von 34 Stationen entlang der Kunstroute Ehrenfeld, an der sich nach der Premiere im letzten Frühling auch in diesem Jahr wieder 77 Künstler beteiligten.

Berners zeigte zwei ganz unterschiedliche Varianten, das Thema Körper, Erotik und Identität bildnerisch in Szene zu setzen. Zum einen mit vielen kleinformatigen Bildern auf der Grundlage einer intuitiven, aus dem Unbewussten entwickelten Zeichnung und Malerei. Zum anderen mit aus Schaufensterpuppen entwickelten Skulpturen. Unermüdlich erklärte der auch als Kunsttherapeut tätige Künstler seinen Besuchern, wie er „versuche, die bildlichen Erfahrungen von der Fläche in die Dreidimensionalität zu übertragen“.

Mit großer Lust erklärten auch Martin Höke und Illona Linke die Entstehung ihrer Werke. Passend zum Ausstellungsort, dem Gewürzladen Smaragd in der Philippstraße, entwickelte Goldschmiedin Linke Schmuckstücke mit eingearbeiteten Gewürzen, etwa Pfefferkörnern, Zimtstangen oder Salzstücken. Der hauptberufliche Gartenbauer Höke hatte präzise Zeichnungen von Chilischoten und anderen Lebensmitteln geschaffen. „Ich verstehe Kunst als Mittel zu einer genaueren Wahrnehmung der Dinge“, sagte er. Der Gewürzladen erwies sich für die Kunstbetrachter als ganz spezieller Ausstellungsort, weil die Gleichzeitigkeit von Schauen und Riechen eine selten bewusst inszenierte Verbindung ist.

Maler Klaus Steudtner beschäftigte sich in den letzten Monaten mit dem Thema Heimatfilm. Foto: Kisters

Dass Zeichnen und Malen ein Weg zur Präzisierung der Wahrnehmung und des Denkens darstellt, weiß auch Verena Sommerfeld. In ihrem mit Malerkollegin Doris Helbling geteilten Hinterhofatelier in der Hansemannstraße präsentierte sie ihre neueste Serie expressiver Frauenbilder im Spannungsfeld von persönlicher Lebensgeschichte und Gesellschaftsgeschichte. Thematischer Mittelpunkt ist das Buch „Der Weiblichkeitswahn“ der Psychologin und Soziologin Betty Friedan, einem Klassiker der neuen Frauenbewegung, 1963 in den USA, 1966 in Deutschland erschienen. Im Gespräch mit den Besuchern erzählte Sommerfeld von der Bedeutung des Buches für die Frauen der sogenannten 1968er Generation bei der Emanzipation von ihren Müttern und bei der Suche nach einem neuen Frauenbild. So gab es in diesem Atelier gleichermaßen eine kleine Geschichts- und eine Kunstführung. Zusätzlich gebrochen und bereichert durch die in zarten Farben gemalten Landschaftsbilder von Doris Helbling.

Mit Landschaft und Geschichte beschäftigt sich auch Klaus Steudtner seit längerem. Als einer von sieben Künstlern, die im Veterinäramt am Alten Schlachthof in der Liebigstraße ihre Ateliers öffneten, regten seine erzählerischen Gemälde die Besucher zum Nachdenken über die Themen Naherholung, Heimatfilm und Märchenwald an. Die Künstler fielen besonders durch ihre kollegiale Beziehung auf. So erläuterten Ulla Birkner und Viola Stäglich zu ihren dynamischen Körperbildern, dass sie sich gemeinsam regelmäßig zum Malen nach Aktmodellen treffen. Mutsumi Okada und Martina Karbe präsentierten neben ihren Gemälden ein japanisch-deutsches Buchprojekt, das sie gerade gemeinsam verwirklichten. Und Mirian Tschubel, eine Meisterin der Zeichnung, erklärte am Beispiel eines bezaubernden Selbstporträts, wie sie im letzten Jahr zur Porträtmalerei fand. So konnte man erfahren, dass nicht Fotos, sondern der aufmerksame Blick auf das eigene Gesicht im Spiegel die Grundlage ihrer sanftfarbenen malerischen Selbstbilder ist.

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