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Mieterwechsel: Popkultur verlässt das 4711-Haus

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Bis 1991 hatte die 4711-Familie Muelhens an der Venloer Straße ihren Verwaltungssitz. Häufig gewechselt haben in den vergangenen Jahren die Mieter. Foto: Grönert
Im 4711-Haus steht ein Mieterwechsel an. Die TV-Produktionsfirma Filmpool und der Taschenhersteller Ergobag ziehen ins Hochhaus an der Venloer Straße. Doch ganz freiwillig sollen die Vorgänger nicht ausgezogen sein.  Von
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Köln

Das 4711-Haus galt jahrelange als Vorzeige-Standort für eine neue Generation Kreativer in Köln. Jetzt haben einige Mieter das blaugoldene Traditionshaus an der Venloer Straße verlassen – nicht ganz auf eigene Initiative. Und neue Mieter ziehen ein. Die aufstrebende Ehrenfelder Firma Ergobag, die aus Plastikflaschen Schulranzen und Rucksäcke herstellt, wird in der sechsten Etage residieren. Die Produktionsfirma Filmpool lässt sich mit 200 Mitarbeitern in der zweiten, dritten, fünften und siebten Etage nieder. Die Filmemacher verlegen ihren Sitz von Hürth nach Ehrenfeld, um von hier aus künftig Serien wie „Köln 50667“, „Berlin Tag & Nacht“ oder „Patchworkfamily“ zu verbreiten.

Vittorio Valente (l.) und Stefan Cordes ziehen mit ihrer Firma Filmpool von Hürth nach Ehrenfeld.
Vittorio Valente (l.) und Stefan Cordes ziehen mit ihrer Firma Filmpool von Hürth nach Ehrenfeld.
Foto: Grönert

Im Foyer des markanten Baus an der Venloer Straße hängen noch die Schilder der alten Mieter: Das Fußballmagazin „11Freunde“ hatte hier ein Büro und die c/o pop GmbH, im dritten Stock tummelten sich unter Federführung des Vereins Popkultur Köln mehr als 50 Kreative vom Filmregisseur bis zum Webdesigner. „Aufbruchstimmung in der Krise“ titelte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Mai 2009, als die Musikfestivalmacher einzogen, „Köln wird doch noch Pop-Hauptstadt“. Aufbruchstimmung also jetzt wieder.

Miete wurde zu teuer

Ganz freiwillig sind die Kreativen aus der dritten und die c/o pop aus der fünften Etage freilich nicht ausgezogen. Sie konnten sich die Mieten nicht mehr leisten, weil Geld aus Fördertöpfen Ende 2012 wegfiel, „aber auch, weil der neue Vermieter für uns inakzeptable Mietverträge angeboten hat“, wie Rosi Lang sagt, Geschäftsführerin von Popkultur Köln. Die alten Mietverträge, die Ende 2012 ausgelaufen sind, hatten die Kreativen mit dem früheren 4711-Besitzer Procter & Gamble geschlossen.

Viele Sanierungskosten in dem Bürohochhaus aus den 1960er Jahren sollten Lang zufolge künftig auf sämtliche Mieter umgelegt werden. „Auch beim Mietpreis ist der neue Vermieter uns kaum entgegengekommen, weil es einen Mietinteressenten gab, der bereit war, die Etagen auf eigene Kosten zu sanieren“, sagt Lang.

Die Mietverträge hätten vorgesehen, „viele Risiken auf uns abzuwälzen“, sagt auch Norbert Oberhaus, Geschäftsführer der c/o pop. „Rechtlich war das Angebot nicht anfechtbar, aber es gab auch kein Bestreben, uns entgegenzukommen. Entgegenkommen vielleicht deswegen, weil wir durch unsere Präsenz einiges für den Standort getan haben.“

An einigen Fenstern prangt noch das 4711-Emblem.
An einigen Fenstern prangt noch das 4711-Emblem.
Foto: Grönert

Der Vermieter sieht das anders. „Wir haben ganz normale Standardmietverträge angeboten“, sagt Christopher Didt, Partner bei der Deutschen Immobilien Wirtschaftsgesellschaft (DIWG), die das 4711-Haus seit Mai 2012 im Auftrag eines israelischen Investors vermietet. „Die Mieten sollten nur um Centbeträge erhöht werden.“ Dass die Kreativen ausgezogen seien, habe „ausschließlich an wegfallenden Fördermitteln“ gelegen, so Dith. „Mit anderen Bestandsmietern haben wir ja problemlos verlängert.“

Rosi Lang ärgert sich über den Auszug, weil sich das 4711-Haus seit 2009 zu einem „in ganz Deutschland bekannten Kreativzentrum“ entwickelt habe. „Es war eine Adresse, die der Stadt sehr gut zu Gesicht stand.“ Zum anderen haben einige Mieter der dritten Etage sich auch über ihren Verein geärgert. Sie seien über den Stand der Verhandlungen bis Ende November nicht informiert worden, sagt eine Freiberuflerin. Man habe bis zuletzt gehofft, das Haus halten zu können, weil man den Vermieter um vertragliche Nachbesserungen gebeten habe, sagt Lang. „Es war ja unser Baby. Dass die Kreativen raus mussten, tut mir selbst am meisten leid.“

Der Eigentümer des Barthonia-Forums ist die Terra Heimbau, ein Hausverwalter, Gesellschafter des Unternehmens eine Firma mit Sitz in Gibraltar, verantwortlicher Investor die „Arazim Residential Ltd.“ mit Sitz auf der Insel Guernsey, die wie Gibraltar eine Steueroase ist. Arazim-Chef Meir Gorvitz wurde in Israel vor ein paar Jahren zum effektivsten Manager des Landes gewählt. Seine Tochterfirma Terra Heimbau lehnt eine Führung durch das 4711-Haus ab, auch will sich kein Firmenverantwortlicher zu dem Objekt äußern. Mieter wie der Intro-Verlag, die zunächst zu einem Gespräch bereit sind, sagen nachträglich ab und bitten um Verständnis, nichts sagen zu wollen.

Lobby wird erneuert

Während es Berichte gibt, wonach die Terra Heimbau Immobilien im Ruhrgebiet verkommen lasse, ist der Status quo im Barthonia-Forum ein anderer. Die Lobby des Hochhauses wird in den kommenden Monaten erneuert, in den Einkaufspassagen sollen Ladenlokale saniert werden.

Ergobag-Chef Sven-Oliver Pick.
Ergobag-Chef Sven-Oliver Pick.
Foto: Grönert

Für Sven-Oliver Pick, Geschäftsführer des Schulrucksackherstellers Ergobag, und die Filmpool-Geschäftsführer Vittorio Valente und Stefan Cordes ist das 4711-Haus der „ideale Standort“. „Wir schreiben über Köln und drehen in Köln, also sollten wir auch hier arbeiten“, sagt Valente. „Im 4711-Haus sind wir am Puls der Stadt.“

Der Puls der Popkultur schlägt jetzt auf der Heliosstraße. Hier haben c/o pop und das Büro von „Gebäude 9“ ein neues Zuhause gefunden, der Verein für Popkultur Köln bereitet seinen Umzug vor. „Das Zentrum für Kreative soll künftig auf der Heliosstraße sein“, sagt Rosi Lang.

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