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Nachhaltikeit: An der Zukunft stricken

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Lenka Petzold (Textildesignerin) und Monika Zier (Soziologin) leiten das Strickprojekt Maschentausch.  Foto: Waldschmidt
Bei dem Nachhaltigkeitsprojekt Maschentausch geht es nicht nur ums Stricken mit Nadel, Faden und Garn, sondern auch um ökologischen Lebensstil. Generationsübergreifend wollen die Initiatoren Menschen zusammenbringen und von einander lernen lassen.  Von
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Uschi strickt schon seit den 80er Jahren, würde es aber lieber in der Gruppe tun. Elke ist Künstlerin, sie erhofft sich Inspiration für ihr eigenes Schaffen. Anne ist es leid, für Kinder und Enkel immer nur Socken stricken zu müssen. Sie möchte gern einmal „etwas wirklich Hübsches, Interessantes hinbekommen“. Und Monika möchte im Grunde nur eins: eine Handarbeit in den Händen halten, stricken, häkeln, sticken, weben, egal was. Sie handarbeitet mit Leidenschaft schon seit Kindertagen.

So viele Frauen – und so viele verschiedene Interessen. Ob sie alle auf einen Nenner zu bringen sind im neuen Strickprojekt „Maschentausch“? Ins Leben gerufen wurde es von Lenka Petzold und Monika Zier. Start war nun im Ehrenfelder Quäker-Nachbarschaftsheim. Rund 15 Frauen, die meisten Mitte/Ende 50, und ein Mädchen – die elf Jahre alte Paula, die ihre Großmutter Irmgard Vogt begleitete – saßen im Seminarraum in gespannter Erwartung im Halbrund um einen Tisch mit einem Laptop drauf. Viele hatten eigene Strickarbeiten dabei, wohl im Glauben, es werde zwei Stunden lang vor allem gemeinsam gestrickt und gefachsimpelt.

Festival für Design und Nachhaltigkeit

Der Workshoptermin gehörte zum Rahmenprogramm von „Ökorausch“, dem Festival für Design und Nachhaltigkeit. Angekündigt war das Maschentausch-Strickprojekt im Festivalflyer als „generationenübergreifend“. Mit Nadeln und Garn würden Brücken zwischen den Generationen geschlagen, hieß es dort. Traditionelle Stricktechnik treffe auf nachhaltiges Design. Das klang eigentlich nicht unbedingt nach einem der üblichen Handarbeitstreffs, bei denen sich Frauen gegenseitig Tipps geben. Und, richtig, Lenka Petzold bremste gleich bei der Begrüßung ab: „Heute wird nicht gestrickt, es ist nur ein Strickinformationstreffen.“ Petzold wird beim Maschentausch-Projekt für das Handwerklich-Gestalterische zuständig sein. Die 29-Jährige hat in Maastricht Textildesign studiert, strickt selbst und besitzt auch zwei Haushaltsstrickmaschinen.

Monika Zier (56) wiederum übernimmt die Organisation. Die Soziologin, als Freiberuflerin spezialisiert auf das Thema Senioren, hatte die Idee zu diesem „intergenerativen Strickprojekt“ und erarbeitete das Konzept. Dafür erhielt sie eine finanzielle Förderung vom Kuratorium für deutsche Altershilfe und der Marga und Walter Boll-Stiftung. Zier schaltete den Laptop an, warf Powerpoint-Folien an die Wand und erläuterte den Hintergrund des Strickprojekts.

Menschen zusammenbringen

Das Hauptanliegen ist, alte und junge Menschen zusammenzubringen. Vorbild ist die „Senior Design Factory“ aus der Schweiz. Für ihre Diplomarbeit an der Hochschule der Künste in Zürich nahmen 2008 die Designstudenten Debora Biffi und Benjamin Moser Kontakt zu Altenheimbewohnerinnen auf und entwarfen gemeinsam mit ihnen Strickmodelle. Mittlerweile ist daraus eine Firma entstanden. Die arbeitet jedoch nicht kommerziell, der Gewinn fließt zurück an den gemeinnützigen Trägerverein. Der Ansatz der Züricher war von vornherein, die Seniorinnen nicht als bloße Lieferantinnen zu sehen, die lediglich in Heimarbeit die bestellte Ware produzieren. Stattdessen sind die betagten Strickerinnen aktiv in den Entwurfsprozess miteinbezogen. Traditionelle Stricktechniken sollen vor dem Vergessen bewahrt und gleichzeitig aktualisiert werden. Dass sich Alt und Jung gegenseitig bereichern, sei auch das Ziel des Kölner Strickprojekts, erklärte Monika Zier. „Beide Generationen sollen sich auf Augenhöhe begegnen und voneinander lernen.“ Schönheitsfehler in der Runde im Quäker-Nachbarschaftshaus jedoch: die junge Generation war noch so gut wie nicht vertreten.

Der Vormittagstermin sei für jüngere Leute eher ungünstig, glaubt Zier. Man überlege, zusätzlich eine Nachmittagsgruppe zu gründen. Zudem sei angedacht, im Sommersemester mit Studenten der in Ehrenfeld ansässigen Ecosign-Akademie ein Projekt zu starten.

Einkaufsbeutel stricken

Lenka Petzold, die junge Textildesignerin, wird den Nachhaltigkeitsaspekt miteinbringen. Aber was ist nachhaltiges Strickdesign? Statt Polyester oder Acryl verwendet man ausschließlich Garne, die in den ökologischen Kreislauf wieder zurückgeführt werden können, wie Petzold erklärte. Und es wird langlebige Qualitätsware hergestellt. Eine andere Möglichkeit des nachhaltigen Produzierens ist, schon Getragenes zu recyceln, indem man etwa alte Pullover aufribbelt und die Wolle neu verarbeitet. „Wir könnten einem Kaufhaus anbieten, statt der üblichen Plastiktüten Einkaufsbeutel zu stricken“, überlegte eine der Teilnehmerinnen.

Als Nächstes steht beim Maschentausch-Projekt die Ideenfindung an. Im Grunde sei es möglich, alles zu häkeln, zu sticken und zu weben, sagte Petzold. Denkbar sei auch, mit den Strickarbeiten eine soziale Bewegung zu unterstützen. Sie selbst ist eine unorthodoxe Strickerin, fernab jeder Anleitung strickt sie meist einfach drauflos. Heraus kommen dann meist amorph geformte Wollgebilde, die wie Quallen oder Pilze aussehen.

Beim Maschentausch mitmachen
Maschentausch Baumwollknäuel, um Topflappen zu häkeln
Foto: Waldschmidt

Treffpunkt des Projekts Maschentausch ist mittwochs, 10 bis 12 Uhr, im Quäker-Nachbarschaftsheim, Kreutzerstraße 5.

Jeder, der Grundfertigkeiten im Stricken hat, ist willkommen.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Sponsoren für die weitere Finanzierung werden noch gesucht, erwünscht sind auch Wollspenden.

Weitere Infos unter Ruf 76 06 564 oder im Internet unter www.maschentausch.de

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