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Schmuck aus Glasperlen: Die Perlenwicklerin von Ehrenfeld

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Goldschmiedin Lilly Liebig stellt in ihrer Manufaktur in Ehrenfeld Glasschmuck her. Foto: Peter Rakoczy
Die Perlenwicklerin Lilly Liebig hat ihr Metier in Gablonz gelernt, wo einst das Zentrum der böhmischen Glasschmuck-Herstellung beheimatet war. In ihrer Werkstatt in Ehrenfeld wickelt sie Perlen aus langen, farbigen Glasstängeln.  Von
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Wenn jemand den richtigen Ort für sein Geschäft gewählt hat, dann ist es Lilly Liebig. Die 62-Jährige, die ihre hübsch klingende Namenskombination einst per Eheschließung erwarb, ist in Ehrenfeld ansässig und übt dort ein Handwerk aus, das man kaum noch kennt. Lilly Liebig ist nämlich Perlenwicklerin. Ihr Arbeitsmaterial ist Glas und ihre Manufaktur liegt in der Glasstraße, zufällig auch noch genau in Höhe der Straßenbahnhaltestelle Liebigstraße.

Wer durch Liebigs Fenster schaut, kann sie an ihrem Spezial-Brenner sitzen sehen und beobachten, wie sie etwa 50 Zentimeter lange, farbige Glasstängel erhitzt und die bei etwa 800 Grad zähflüssig werdende Masse um einen Metallstab wickelt.

Überall im Geschäft hängen die farbigen Glasperlenketten der gelernten Goldschmiedin, die im Anschluss an ihre Ausbildung im ehemals böhmischen Gablonz die Kunst des Perlenwickelns erlernte, diese Tätigkeit dann allerdings 35 Jahre lang gar nicht ausübte. In der Zwischenzeit sei sie Dolmetscherin gewesen, habe eine Textilfirma geleitet, war als Zollsachbearbeiterin tätig und habe "die Datenbank im Umweltamt der Stadt Köln aufgebaut", erklärt die Frau mit der sympathischen bayrischen Einfärbung in der Sprache.

Wer sie fragt, weshalb sie ihre Allgäuer Heimat verlassen habe, erlebt geradezu eine Brandung aus Sätzen, die allesamt auf ein Übermaß an Natur und eine auf Dauer kaum zu ertragende Eintönigkeit hinauslaufen. Lilly Liebig hat den Geist der 68er nie wirklich abgelegt.

Der Schmuck entsteht aus langen, farbigen Glasstängeln. Foto: Peter Rakoczy

Dass sie heute wieder in Köln ist und nicht in ihrer zweiten Heimat Rom oder gar ihrer dritten, nämlich Tunis, wo sie jahrelang ohne Rückkehrgedanken gelebt hat, liegt an einem schweren Autounfall, der ihr mehrere Knochenbrüche und den Stock als lebenslangen Begleiter eingebracht hat.

Während ihrer Reha damals, im Jahr 2000, versuchte sie die "unerträgliche Langeweile" zu durchbrechen, indem sie Specksteine zu Kugeln feilte. Abgesehen davon, dass sie das Feilen liebt, erinnerte sie sich an den riesigen Vorrat alter Glasperlen bei sich zu Hause; Perlen, die nur darauf warteten, zu Schmuck verarbeitet zu werden. Kurzerhand kaufte sie sich einen Brenner und schlüpfte wenig später wieder in ihr ursprüngliches Metier.

Lilly Liebig mag in ihrer Manufaktur keine Vitrinen. "Die Perlen müssen an der Luft sein, damit sie leben", sagt die resolute Frau, die immer schon die Devise vertrat: "Schmeißt eure Senfgläser fort und trinkt aus schönen Gefäßen!"

Glasperlen gehören auf die Haut

Wenn es einen Aufbewahrungsort gibt, den die Kunsthandwerkerin für überflüssig hält, dann ist es der Tresor. "Schmuck gehört auf die Haut!" Insbesondere Glasperlen, die im Gegensatz zu Stein die Temperatur der Haut annähmen und dann leichter erschienen.

Die Goldschmiedin zeigt in ihrer Manufaktur neben ihren eigenen Arbeiten auch die des Glasschleifers Max Gymnich, der Glasgraveurin Ramona Nix und der Glasmalerin Anastasia Dedy-Jansgeres. Am liebsten hätte sie einen richtigen Handwerkshof, "aber es würde schon reichen, wenn sich in der Glasstraße wieder altes Handwerk ansiedelte."

Liebig fertigt Ketten oder Armbänder, die ganz auf den Typ oder sogar die Persönlichkeit der Trägerin abgestimmt sind. Wer möchte, kann ihr bei der Herstellung der einzelnen Perlen zuschauen und sich selber ein Bild machen, wie viel Geduld, Konzentration und Gefühl diese Arbeit erfordert.

Glasschmuck

Lilly Liebig, Glasschmuckdesign, Glasstraße 72a in 50823 Ehrenfeld, 0221/ 70004148. Geöffnet Di-Fr 13 bis 19 Uhr, Sa 11 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung.

www.lilly-liebig.de

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