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Tanztee: Walzer gegen die Einsamkeit

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Foto: michael bause
Elisabeth Karst gründete vor 22 Jahren einen Tanzclub, der erstaunlich erfolgreich ist. Bereits 42 Paare haben sich in den vergangenen Jahren hier kennengelernt. Jetzt suchen die Tänzer nach einem neuen Veranstaltungssaal.  Von
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Elisabeth Karsts Hände wackeln, die Krankheit lässt den ganzen zierlichen Körper zittern; erst als ihr Mann Karl sie zum Walzer führt, wird sie ruhig. Mehr als 50 Paare sind an diesem Dienstag zum Tanzen in die Realschulaula an der Dechenstraße in Neuehrenfeld gekommen, einige mit Rollator, manche auf wackligen Beinen, viele allein.

Die meisten der alten Menschen hatten keinen Partner mehr, als sie das erste Mal zum Seniorentanztreff gekommen sind, den Elisabeth und Karl Karst vor 22 Jahren gegründet haben. Viele haben dank des Tanztreffs einen neuen Partner gefunden. „42 Paare haben sich über unseren Verein kennengelernt, drei haben sogar geheiratet“, sagt Elisabeth Karst. Nicht von ungefähr heißt der Seniorenclub „Wir sind nicht mehr allein e.V.“. Denn das, sagt Elisabeth Karst, sei ja für viele das Wichtigste im Alter. „Nicht allein sein.“

Kuchen gibt es für 1,50

Die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Seniorentanzvereins begann vor 22 Jahren in Chorweiler. Ein Kollege hatte die Karsts mit zu einem Tanztee in einer Mensa genommen. Bald sollte das Ehepaar die Leitung übernehmen. Von Chorweiler zog man um ins Quäker-Nachbarschaftshaus, dann ins Bürgerhaus Ehrenfeld, schließlich in die Aula Dechenstraße mit dem „tollen Eichenparkett“, wie Elisabeth Karst sagt. Stets musste man umziehen, weil die Räume zu klein wurden – jetzt sucht der Verein erneut einen Tanzsaal. „Dieses mal allerdings, weil unser Mietvertrag 2015 ausläuft und auch, weil die Schule die Aula oft selbst braucht und unsere Treffen dann ausfallen müssen.“

Einen Saal mit 150 Sitzplätzen, Tischen und genügend Platz zum Tanzen zu finden, sei sehr schwierig, sagt Frau Karst. „Wir brauchen ja zudem noch einen geeigneten Parkettboden, die Toiletten sollten im gleichen Stockwerk sein und das ganze Gebäude möglichst barrierefrei.“ An einem Nachmittag in der Woche muss der Saal verfügbar und mit der Bahn erreichbar sein – „und er muss erschwinglich sein, die Zuschüsse der Stadt sind ja leider weitgehend gestrichen worden“.

3,50 Euro kostet der Eintritt zum Seniorentanztee für Vereinsmitglieder, 4,50 für andere Interessierte. Ein Stück Kuchen gibt es für 1,50, einen Kaffee für einen Euro – „wir wollen, dass jeder sich unseren Tanztreff leisten kann“, sagt Karst. Bis vor kurzem hat die 82-Jährige, die mit ihrem Mann lange eine Bäckerei an der Ehrenfelder Platenstraße hatte, jeden Montag einen Käsekuchen und eine Nusstorte gebacken. Ihre Parkinson-Krankheit macht das inzwischen unmöglich.

Spiele zum Gedächtnistraining,

Auch Tanzen kann sie nur noch sporadisch. Ihren Ruf als Grand Dame des Kölner Seniorentanzes berührt das natürlich nicht. Als große Tanzsportdame gilt Elisabeth Karst, die erst mit 60 zu tanzen lernte („In der Bäckerei und mit fünf Kindern war keine Zeit dafür“) nicht wegen ihrer Tanztechnik, sondern, weil sie so viele einsame Menschen zusammenbringt. Viele der Semester, die jetzt auf dem Parkett eine Rumba tanzen, haben als Jugendliche beim Tanz ihre Lebenspartner kennengelernt. Nun wieder.
Elisabeth und Karl Karst bieten außerdem in ihrer Wohnung einmal pro Woche eine offene Tür an. Dann wird im Wohnzimmer erzählt und Kaffee getrunken, „außerdem machen wir Spiele zum Gedächtnistraining, einige davon sind von unseren Enkeln“.
Dass Tanzen jugendliche Freude bedeuten kann, ist auf dem Parkett und in Elisabeth Karsts Augen zu sehen. Sie hat deswegen auch trotz ihres schwächelnden Körpers den Gedanken verworfen, die Organisation des Tanztees bald abzugeben. „Wer interessiert ist, kann sich natürlich bei mir melden“, sagt sie. „Ich denke aber, ich mache es, bis ich umfalle. Zumindest aber, bis wir einen neuen Saal gefunden haben.“

Elisabeth Karst freut sich über jeden Gönner, der dem Tanztreff zu günstigen Konditionen einmal pro Woche einen großen Saal zur Verfügung stellen könnte. Sie ist erreichbar unter Telefon 0221/55 13 32.

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