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Trotz Rechtsstreit: Ditib will Moschee noch 2013 eröffnen

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Die im Bau befindliche neue Zentralmoschee in Köln. Foto: dpa
Bei einer Pressekonferenz hat sich der neue Ditib-Vorstand am Mittwoch verhalten optimistisch gezeigt, die Zentralmoschee noch 2013 eröffnen zu können. Ursprünglich war die Einweihung schon in 2012 geplant gewesen.  Von
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Auf ein Datum festlegen möchte sich niemand mehr im neuen Vorstand der Türkisch-Islamischen Union, Ditib. „So früh wie möglich“ wolle man die Moschee in Ehrenfeld eröffnen, sagt der neue Vorsitzende Izzet Er bei seiner ersten Pressekonferenz in Köln.

Eröffnung der Kölner Moschee noch 2013

„Einige Entwicklungen“ hätten dazu geführt, dass die schmucke neue Deutschlandzentrale der Ditib nicht schon längst fertig sei. Zumindest hat sich mittlerweile der öffentlich bestellte Gutachter an die Arbeit gemacht, der die Fakten im Streit der Ditib mit Architekt Paul Böhm prüfen soll. Schon bald werde der alle Akten gesichtet haben. Danach solle „möglichst zügig“ weitergebaut werden.

Neuer Vorstand der DITIB v.l.n.r. Prof. Dr. Izzet Er (Vorstandsvorsitzender), Dr. Bekir Alboga (stellvt. Sekretär) und Suat Okuyan (Sekretär).
Neuer Vorstand der DITIB v.l.n.r. Prof. Dr. Izzet Er (Vorstandsvorsitzender), Dr. Bekir Alboga (stellvt. Sekretär) und Suat Okuyan (Sekretär).
Foto: michael bause

Der Start des neuen Ditib-Chefs ist mühsam – von den türkischen Regierungsbehörden aus Frankreich nach Deutschland entsandt, um die Geschäfte des überraschend abgesetzten Ex-Chefs Ali Dere zu übernehmen. Izzet Er weiß, dass er von den „Mittlern der sozialen Wirklichkeit“, wie er die Pressevertreter nennt, kritisch beobachtet wird. Seine Wahl wird als Indiz dafür gewertet, dass der Einfluss des türkischen Staates auf den deutschen Verein weiter wächst, konservative Strömungen immer stärker werden.

In den letzten Jahren war immer wieder mal über die Frage spekuliert worden, ob denn die Ditib irgendwann einmal als unabhängiger Verein existieren und sich vom türkischen Staat emanzipieren könnte, um wirklich ein Verein deutscher Muslime zu sein. „Eine schwierige Frage“, sei das, findet der Theologe und Hochschulprofessor, schließlich sei er „neu im Vorstand“.

Dann verspricht er freundlich unverbindlich, die Frage „in kommenden Zeiten zufriedenstellend zu beantworten“. Der neue Ditib-Chef muss einräumen, dass er nicht viel über Deutschland weiß. Er habe „Berichte seiner Vorgänger“ gelesen und sich mit ihnen ausgetauscht.

An seiner Seite sitzt der ehemalige Dialogbeauftragte Bekir Alboga. Seine Wahl in den neuen Ditib-Vorstand, dessen Sprecher er nun ist, wird von einigen als Hoffnungsschimmer interpretiert. Alboga, der in Heidelberg promovierte, steht für einen in Deutschland verwurzelten Islam. Er übersetzt, wenn Izzet Er über theologische Fragen spricht.
Pressekonferenzen bei der Ditib haben immer etwas Ungewöhnliches: Da es ums gegenseitige Kennenlernen geht, wie die Pressesprecherin sagt, sollen sich alle Medienvertreter erst einmal mit Namen vorstellen. Dazu gibt es Tee, gebackenen Fisch und Kuchen.

Richtig locker wird es trotzdem nicht. Izzet wie auch andere neue Vorstandsmitglieder können offensichtlich kein Deutsch. Für den Smalltalk sind Alboga und andere langjährige Ditib-Mitarbeiter zuständig. Alles wirkt etwas bemüht, was nicht verwundert: Die Lage auf der benachbarten Moschee-Baustelle ist keineswegs so, wie es in alten Zeitplänen mal vorgesehen war.

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Für die Verzögerungen sorgt nicht nur der Gerichtsstreit über angebliche Baumängel und viele Millionen Euro. Auch die internen Prozesse bei der Ditib laufen deutlich langsamer als angekündigt. Als 2009 – auch schon verspätet – der Grundstein gelegt wurde, rechnete man mit einer zweijährigen Bauzeit. Nun, nach mehr als drei Jahren und vielen Diskussionen, gibt es immer noch keinen konkreten Plan, wie die Moschee innen aussehen soll. Noch nicht einmal ein Architekt ist mit dieser Aufgabe beauftragt worden. Innere und äußere Gestaltung sollen eine „Synthese“ werden, sagt Izzet Er.

Das ist ähnlich vage formuliert wie die Antworten nach einem möglichen Eröffnungstermin. Der solle in einer „angenehmen, schönen Jahreszeit“ sein. Alboga lässt sich zumindest die Hoffnung entlocken, zum Beginn des diesjährigen Ramadan zum Fastenbrechen in die neue Moschee einladen zu können. Das wäre am 9. Juli. Aber auch das bedeutet wenig. Denn Fastenbrechen lassen sich auch in unfertigen Gebäudeteilen organisieren, wie die Ditib im vergangenen Jahr zeigte.

Alboga und Er sind darum bemüht, dass die Fragen nach dem Moscheebau nicht andere mindestens genauso wichtige Themen überlagern. Izzet Er streitet für die offizielle Anerkennung als Religionsgemeinschaft, NRW solle sich ein Beispiel an Hamburg und Hessen nehmen. Alboga erinnert an den schweren Vertrauensverlust in staatliche Behörden nach dem Bekanntwerden der NSU-Terrorserie. Er habe die Hoffnung, „dass im Jahr 2013 das Vertrauen in den Staat wieder wachsen kann“.

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