28.09.2016
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Ein Verein mit Schlüsselerlebnis

BILD: MICHAEL BAUSE

Schreinermeister Axel Galinke arbeitet im Naturfreundehaus Köln-Ost konzentriert an einem Zylinderschloss. Im Hintergrund bereitet sich Michael Hünseler auf das Nachsperren vor.

Auf den ersten Blick könnte der Verein auch aus einem Loriot-Sketch stammen: Die „Sportsfreunde der Sperrtechnik“ treffen sich einmal monatlich im Kalker Naturfreundehaus Köln-Ost, um mit Spezialwerkzeugen Zylinderschlösser in möglichst kurzer Zeit zu öffnen.

„Wir machen das aus Lust an der Mechanik“, erzählt Axel Galinke. Der Schreinermeister ist seit zwei Jahren in dem zehnköpfigen Kölner Verein. „Damals wurde ich von zwei Leuten in einem Café angesprochen und gefragt, ob ich ihre zugefallene Tür öffnen könne. Als ich das nicht geschafft habe und mich ein paar Tage darauf beim Bodenabschleifen in einer Kundenwohnung ausgeschlossen habe, hab' ich mir gesagt: Das passiert dir nie wieder! Und seitdem bin ich dabei.“

Aber viele Menschen zweifeln an der Harmlosigkeit des Vereins: „Wenn manche Leute hören, dass wir hier zusammen Schlösser öffnen, denken sie, dass wir Kriminelle sind und Einbrecher ausbilden“, sagt Galinke. Dabei treffen sich die Sportsfreunde nur, weil sie Spaß an der Herausforderung haben, vermeintlich sichere Schlösser auch ohne Schlüssel zu öffnen. „Wer in unseren Verein eintritt, muss ein Gelöbnis ablegen, dass er nur eigene Schlösser bearbeitet und nur den Leuten die Tür öffnet, bei denen ganz sicher ist, dass sie dort wohnen“, sagt der Rentner Lothar Oppor. „Außerdem erkennen wir recht schnell, wenn jemand mit kriminellen Absichten Mitglied werden möchte - und der hat keine Chance bei uns.“ Die Vereinsmitglieder nehmen Bewerber streng unter die Lupe und haben schon mehrere Interessierte abgelehnt. „Wenn sich jemand besonders dafür interessiert, wie man Türen öffnet, ist die Sache klar. Denn wir bearbeiten hier keine eingebauten Zylinderschlösser“, so Oppor.

Der 67-Jährige ist der älteste Sportsfreund der Kölner Gruppe und kommt aus Königswinter zu den Treffen. In ganz Deutschland hat der zehn Jahre alte Verein mehrere Hundert Mitglieder, die Kölner Gruppe gibt es seit etwa fünf Jahren. Auch Hausmeister Michael Hünseler ist schon seit längerem dabei: „Ich trainiere jeden Tag eine halbe Stunde zu Hause. Denn jedes Schloss hat eine eigene Persönlichkeit, da muss man sich ganz auf sein Gefühl und sein Gehör verlassen.“

Zum Öffnen der Schlösser - das sind meistens in Schraubstöcke eingespannte Zylinderschlösser - gibt es mehrere Methoden; wichtig ist nur, dass nichts beschädigt wird. „Wir knacken nämlich keine Schlösser - das würde bedeuten, dass sie hinterher kaputt sind. Wir öffnen sie nur“, versichert Galinke. Beim so genannten Lockpicking oder Nachsperren versuchen die Sportsfreunde der Sperrtechnik, mit kleinen Metallwerkzeugen die Schlösser zu öffnen. „Das ist die Königsdisziplin und dauert je nach Schloss wenige Minuten oder auch mal eine Stunde. Jedenfalls geht's nicht so schnell wie in den Krimis“, sagt Oppor.

Der Verein betrachtet sich auch als gemeinnützig: „Wir zeigen den Herstellern die Sicherheitslücken“, sagt Hünseler, „so können sie vermeintlich einbruchsichere Schlösser verbessern.“ Und manchmal ist das Vereinsleben sogar richtig spannend: „Letztens kam jemand mit einer geerbten Schatulle und hatte keinen passenden Schlüssel“, erzählt Galinke, „die haben wir dann geöffnet, aber darin befanden sich nur persönliche Schätze, nämlich Briefe von der Großmutter.“ Als Belohnung für das Aufmachen der Schatulle gab es für die Sportsfreunde der Sperrtechnik übrigens einen Kasten Kölsch.