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Hundesport: Gutes Benehmen statt Schärfe

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Als Belohnung für eine gute Übung darf Hektor den Beißarm mit zum Auto nehmen. Foto: Britta Wonnemann
Auf dem Hundeplatz in Heppendorf, gleich hinter dem Sportplatz, trainiert der Schäferhundverein mit seinen Lieblingen. Nicht nur den Hunden macht es Spaß, auch die Besitzer fühlen sich im Verein wohl.  Von
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Elsdorf-Heppendorf

„Luna, Fuß!“ Patrizia Pellegrinos Stimme ist scharf. Luna reagiert sofort. Die fünfjährige Schäferhündin hält sich eng am linken Bein der 15-Jährigen, während das Mädchen zügig über die Wiese geht. Giovanni Pellegrino beobachtet seine Tochter und die Hündin genau, auch Mutter Maria schaut von der Terrasse des Vereinsheims zu. Drinnen sitzt Patrizias Schwester Francesca und malt. Die Familie – zu der auch noch Bruder Damiano gehört – ist wie jeden Freitag gemeinsam auf dem Platz des Schäferhundvereins, Ortsgruppe Heppendorf.

Schon eine ganze Weile kommen die Blatzheimer hierher, zuvor trainierten sie in Balkhausen. Seit neun Jahren hat die Familie Schäferhunde. Aktuell sind das Luna, Rino (ein Jahr alt) und der Welpe Toria. „Mein Vater wollte gerne Hundesport machen“, erklärt Patrizia. Seit zwei Jahren lernt sie selbst, einen Hund zu führen. Im November legte sie mit Luna die erste Prüfung ab und holte gleich den ersten Platz. In Kürze tritt Patrizia sogar bei den Jugendmeisterschaften an, aber nicht mit Luna, sondern mit Hektor, der Meisterschaftserfahrung hat: Sein Besitzer, Vereinsmitglied Dieter Stotzem, wurde mit ihm 2012 Mannschaftsweltmeister im Universalbereich, einer Kombination von Schau- und Leistungsprüfungen.

Auf dem Hundeplatz in Heppendorf, gleich hinter dem Sportplatz, werden verschiedene Dinge trainiert, zum Beispiel Unterordnung. „Da lernt der Hund, zu gehorchen und sich in der Öffentlichkeit zu benehmen“, erklärt Patrizia. Luna muss beispielsweise bei Fuß gehen oder sich hinlegen und verharren, während das Mädchen weitergeht. Aber auch eine Fährte zu verfolgen wird geübt und Apportieren über eine Hürde.

„Es ist wichtig, dass der Hundeführer Erfahrung bekommt und dass der Hund gehorcht“, erläutert Übungswart Klaus Bakker. Der Zülpicher ist hauptsächlich für den Schutzdienst zuständig, der bei den Hunden besonders beliebt ist. Die Tiere lernen dabei zum Beispiel, mögliche Gefahren zu erkennen und den Halter darauf aufmerksam zu machen. So wie Rino: Giovanni Pellegrino geht mit dem Hund über die Wiese, während sich Bakker in einem grünen Zelt versteckt. An einen Arm hat er den „Beißarm“ befestigt, der aus Plastik und einem Juteüberzug besteht. Als Rino den Übungswart entdeckt, fängt er an zu bellen. Dann ruft Pellegrino „voran“, Rino läuft zu Bakker und verbellt ihn. Macht er das gut, bekommt er zur Belohnung den Beißarm.

Solche Übungen machen die Welpen zwar noch nicht, aber sie werden schon gefördert: Bakker wedelt mit einem Lappen, der an einem Stock hängt. Auf Kommando darf der kleine Dag darauf zurasen und das Tuch schnappen. „Das macht er schon richtig gut“, lobt Bakkers Frau Lucia. Denn der 16 Wochen alte Welpe ist einer der drei Hunde des Paares.

Die Übungen dienten nicht dazu, die Hunde scharf zu machen, betont der Übungswart. Leider begegne den Mitgliedern des Schäferhundvereins oft dieses Vorurteil. „Die Übungen im Schutzdienst sprechen die Veranlagung der Hunde an“, erklärt Bakker. Das Beuteverhalten werde gefördert und die Sinne des Tieres geschult – der Schäferhund ist schließlich ein Hüte- und Wachhund –, und das mache den Tieren Freude.

Hundesport

Die Ortsgruppe Heppendorf des Vereins für Deutsche Schäferhunde besteht seit 1977. Zunächst trainierten die Mitglieder an der Sindorfer Mühle, seit Anfang der 80er Jahre nutzen sie das Gelände hinter dem Heppendorfer Sportplatz.

Früher besuchten und veranstalteten die Mitglieder erfolgreich viele Schauen, wo das Aussehen der Hunde bewertet wird. Heute geht es hauptsächlich um den Leistungssport. Vorsitzender Manfred Merzenich ist der einzige verbliebene Heppendorfer. Die anderen Mitglieder kommen zum Beispiel aus Bergheim, Kerpen, Frechen, Zülpich oder Düren.

Im Vorstand stehen Merzenich Stellvertreter Ludwig Dick, Kassiererin Trudi Harf, Übungswart Klaus Bakker und Zuchtwart Günter Retzlaff zur Seite.

Die Ortsgruppe trifft sich freitags ab 17 Uhr und sonntags ab 10 Uhr auf dem Platz. Es gibt noch andere Ortsgruppen in der Umgebung, etwa in Glesch, Bergheim, Kerpen-Balkhausen, Brühl oder Erftstadt-Erp.

www.schaeferhund.de

Der Verein lege viel Wert auf ein gutes Wesen der Hunde, sagt auch Vorsitzender Manfred Merzenich. Er hat die Ortsgruppe mitbegründet und züchtet selbst schon lange. „Entscheidend ist, wie der Hund groß wird.“ Leider gebe es auch mal Ausnahmen, Hundebesitzer, die die Vorurteile förderten. Auch Patrizia spürt oft die Scheu anderer Menschen: „Wenn ich mit Luna spazieren gehe, gehen die Leute mir aus dem Weg, die glauben nicht, dass ich sie halten kann.“ Aber genau das hat Patrizia gelernt. Durch das Training verstärkt sie zudem die Bindung zum Tier.

„Es ist wichtig, dass die Hunde Freude an der Arbeit haben“, unterstreicht auch Günter Retzlaff. Der Oberaußemer ist Zuchtwart in der Ortsgruppe. Er behält die Konstitution und Gesundheit der Hunde im Blick, und wenn jemand Welpen haben möchte, schaut er nach einer Paarung mit gutem Stammbaum. „Solche Hunde sind belastbarer in der Ausbildung und lernwilliger“, sagt er. Die Schäferhunde in der Ortsgruppe haben alle einen Stammbaum und somit einen klangvollen Zwingernamen, zum Beispiel nach Ort oder Beruf des Züchters. Luna etwa heißt eigentlich „Nala vom Haus Kastma“, in Hektors Papieren steht „Tarzan von der Worringer Rheinaue“. Der Rufname darf sich vom richtigen Vornamen unterscheiden. Denn der richtet sich mit dem Anfangsbuchstaben danach, der wievielte Wurf es ist.

Retzlaffs Hund Eliott vom Erlenring stammt zum Beispiel aus dem fünften Wurf, ebenso wie sein Bruder Earl, der mit seinem Besitzer auch in der Gruppe trainiert.

Nicht nur den Hunden macht es Spaß, auch die Besitzer fühlen sich im Verein wohl. Darunter sind auch zwei Diensthundeführer der Polizei, die viel Erfahrung einbringen. „Es ist eine kleine, familiäre Gruppe“, sagt Merzenich. Patrizia findet es gut, „dass wir uns gegenseitig helfen“. „Es ist schön, mit der Familie hier zu sein“, pflichtet ihre Mutter bei und gibt zu: „Wir können uns ein Leben ohne den Verein gar nicht mehr vorstellen. “

Leider hätten nicht mehr viele Menschen Zeit, mit einem Schäferhund im Verein zu trainieren, bedauert Merzenich. Die Ortsgruppen seien kleiner geworden. In Heppendorf gab es früher rund 45 Mitglieder, heute sind es keine 20 mehr. Aber die halten zusammen, verbringen an Trainingstagen mehrere Stunden miteinander. Dann wird im Vereinsheim über die Übungen gefachsimpelt und abends etwas Leckeres gekocht.

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