29.08.2016
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Energie: Widerstände gegen Monster-Projekt

Kraftwerk

Dieses Funktionsschema verdeutlicht die Pläne der Firma Trianel am Rursee.

Heimbach-Schwammenauel -

Das gigantische Kraftwerk mit einem Investitionsvolumen von 700 Millionen Euro, das am Rursee gebaut werden soll, geht in die nächste Planungsphase. Bürger, die Stellung bezüglich des geplanten Pumpspeicherkraftwerks nehmen möchten, können dies jetzt bis zum 30. März 2012 bei der Bezirksregierung Köln oder beim Kreis Düren oder der Städteregion Aachen erledigen. Die Frist der Behördenbeteiligung endet am 20. April 2012.

Die Firma Trianel GmbH mit Hauptsitz in Aachen gab im vergangenen Jahr bekannt, im Bereich der Rurtalsperre ein Pumpspeicherkraftwerk errichten zu wollen. Zwischen Steckenborn und Schmidt soll das noch zu bauende Oberbecken liegen, das insgesamt 7,6 Millionen Kubikmeter fasst (die Steinbachtalsperre bei Euskirchen hat 1,2 Millionen Kubikmeter) und eine Wasseroberfläche von 50 Hektar aufweist. In diesem Oberbecken könnte das Rurseewasser landen, das per Turbine durch einen unterirdischen Stollen in das neue Staubecken hochgetrieben wird.

Zwei Kilometer Tunnel

Ein 50 Meter unter der Erde liegender, rund zwei Kilometer langer Tunnel muss dafür in das Felsmassiv getrieben werden. Für den Antrieb der Turbine könnte der überschüssige Strom aus umliegenden Windkraftanlagen eingesetzt werden, der immer wieder anfällt.Bei Bedarf wird das Wasser wieder abgelassen, die Turbine durch die entstehende Energie des fallenden Wassers angetrieben und neuer Strom gewonnen. Dies ist vor allem von Vorteil, wenn Windstille herrscht. So kann ein möglichst ausgeglichener Energiespiegel hergestellt werden.

Trianel errechnete, dass binnen sechs Stunden 3,8 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden können. 2016 sollen die Bauarbeiten beginnen, und 2019 könnte die Anlage in Betrieb gehen. Rund 100 000 Übernachtungen zöge die Maßnahme nach sich, erklärte Trianel. Allein 200 Bauarbeiter müssten über die anvisierten Baujahre hinweg täglich untergebracht werden.

Verärgert und misstrauisch den Plänen gegenüber äußerten sich bereits einige Bürger auf einer Infoveranstaltung im Heimbacher Rathaus im vergangenen Jahr. Franz-Josef Heuken aus Zülpich-Schwerfen, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Waltraud unter anderem Betreiber der Rurseeflotte ist, sagte gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger: „Bereits in der Bauphase könnte der Wasserspiegel des Sees schwanken, und auch in der Betriebsphase des Kraftwerks könnten die Schwankungen plötzlich bei zwei Metern liegen, was uns große Probleme bereiten würde.“ Denn dann müssten die Anlegebrücken der Schiffe komplett verlängert und erneuert werden. Heuken: „Die Schwimmer für die Brücken müssten viel größer sein, und diese größeren Schwimmer würden wir nicht mehr alleine bewegen können.“ Auch glaubt Heuken nicht, dass es bei dem Investitionsvolumen bleibt. Der Steuerberater rechnet letztendlich gar mit einem Investitionsvolumen, das doppelt so hoch sein könnte: „Wie das meist so üblich ist.“ Von der wirtschaftlichen Seite sei das Projekt nur deswegen rentabel, weil hohe Subventionen fließen. Heuken: „Und wir als Steuerzahler müssen in Wahrheit für den ganzen Salat blechen.“ Inzwischen bat Familie Heuken einen Rechtsanwalt um Hilfe.

Ende des Wassersports?

Ebenfalls sehr kritisch sieht Günter Becker, Betreiber einer Segelschule in Schwammenauel, die Lage. Becker: „Ich bin nicht für Atomkraftwerke, auch ich möchte die Energiewende.“ Doch bisher lagen die Schwankungen der Wasseroberfläche des Rursees bei 20 Zentimeter pro Tag. Durch das neue Kraftwerk könnten diese Schwankungen in wenigen Stunden stark ansteigen, was etwa das Abrutschen des Ufers und das Eintrüben des Wassers zur Folge haben könnte.

Becker: „Kommt das Kraftwerk in dieser Form, dann könnte dies das Ende des Wassersports am Rursee bedeuten.“ Der Unternehmer setzte inzwischen ein Schreiben an die zuständigen Behörden auf, in dem er seine Bedenken fixierte, aber auch Lösungsansätze skizzierte. Becker: „Ein separates Unterbecken in der Schilsbachbucht bei Woffelsbach könnte die Lösung meiner Meinung nach darstellen.“


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