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Kölsche Sprache: Mit dem lieben „J“ über Kreuz

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Hanjo Schiefer hat sein Erstlingswerk „em leeven J“ genannt. Es geht um den Buchstaben, nicht um den lieben „Jott“. Foto: Udo Beissel
Der Erftstädter Hanjo Schiefer streitet mit der „Akademie för uns Kölsche Sproch“ über die richtige Schreibweise. ksta.de hat zehn kölsche Sprüche gesammelt. Können Sie diese übersetzen? Haben Sie noch mehr drauf?  Von
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Erftstadt-Liblar

Manche Leute mögen keinen Streit. Ihr Motto: Du hast recht und ich meine Ruhe. Andere wieder suchen den Streit, am besten lauthals und handfest. Das wird häufig als unangenehm bis ärgerlich empfunden. Der geistreiche, sachlich ausgetragene Streit ist positiv besetzt, dazu bedarf es einer gewissen Streitkultur. Ganz schräg aber wird es, wenn der Streit um „J“ geht, und zwar nicht um den lieben, sondern um den Buchstaben.

Hanjo Schiefer aus Liblar hat sich dieser Thematik gewidmet, seit vielen Jahren streitet er mit der „Akademie för uns Kölsche Sproch“ um die einzig wahre Schreibweise kölscher Wörter, die im Hochdeutschen ein „G“ enthalten, das aber op Kölsch wie „J“ gesprochen wird. Schiefer schreibt: „En jot jebrode Jans ess en jode Jav Joddes.“ So ähnlich spricht man es auch aus. Die Kölsch-Akademie meint: En god gebrode Gans ess en gode Gav Goddes.

Glaubenskrieg

Die Akademie bevorzugt bei der Schreibweise den hochdeutschen Wortstamm, Schiefer will nach seinem großen Vorbild Adam Wrede so schreiben, wie es gesprochen wird. Alte Ostermann-Texte sind laut Schiefer nach der alten Schreibregel (mit G) geschrieben, er aber sieht es als eigene Verpflichtung an, „ordentlich zu schreiben“. Er treibt es noch weiter: Wer nach den Regeln der Kölsch-Akademie schreibt, wird nicht ernst genommen. Schiefers Credo: Es wird geschrieben, wie es gesprochen wird.

Dieser „Glaubenskrieg“ tobt nun, so Schiefer, seit Jahrzehnten. Er bedauert, dass Kölsch keine Umgangssprache mehr ist. Es sei eine Lustsprache, die als Stadtsprache nicht mehr wahrgenommen werde. Und man werde, wenn man Kölsch spreche oder auch nur einen kölschen Akzent habe, gerne nachgeäfft und verhohnepiepelt. Das passiere einem in München und Hamburg nicht.
Schiefer hatte in den 90er Jahren ein paar Semester an der Akademie för uns kölsche Sproch „studiert“, sich dann als Mitgründer der „Fründe vun der Akademie för uns kölsche Sproch“ eingebracht. Später ist er im Zorn geschieden. Er war es leid, „su e komisch Kölsch ze schrieve“. Er hat sich auf die Gegenseite der Glaubensbewegung geschlagen: „Su ess »der Wrede« minge Kölsch-Papst jewode.“

Die Legitimation für seine puristisch-dogmatische Einstellung steht eher auf dünnen Beinen. Geboren wurde Hanjo Schiefer 1944 in Schlesien. Dorthin war die Familie gegen Kriegsende ausgelagert worden, der Kölner spricht von Evakuierung. Aufgewachsen ist Schiefer dann in Köln-Buchheim, rechtsrheinisch, nicht unbedingt der Nabel von Köln.

Der ehemalige Handelsvertreter, der über Jahrzehnte Augenarzt-Praxen belieferte, ist ein Viel- und Gernschreiber. Sein Erstlingswerk ist „Dem leeven J“ gewidmet (es heißt auch so), ein zweisprachiges Buch, (Kölsch und Hochdeutsch), das er bereits Kardinal Meisner und Bischof Woelki persönlich überreichen durfte. Auf 290 Seiten erfährt der geneigte Leser, wie ein Kasernen-Ausgang mit „en jroße Fönnef en den Botz un ene blodije Kritsch am Schinbein“ endete oder warum der Mensch am besten „en Flönz“ (Blutwurst) wäre.

Übersetzungen gesucht

Schiefer, den man auch zum „Geburtstags-Klaaf“ einladen kann, wo es um Singe, Verzälle und Schrieve geht, („viele Leute scheuen sich, etwas auf Kölsch aufzuschreiben“), hat noch viel vor. Erstens bereitet er eine Kölsch-Trilogie vor, nach dem Muster seines ersten Buches „Dem leeven J“, zweitens möchte er gerne mal ein halbes Jahr nur Kölsch reden. Wie klappt das mit den Behörden? Sagen die Leute: Der ist bekloppt, ein Primitivling? Schiefer, der gesundheitlich angeschlagen ist, will es wissen. Am liebsten mit medialer Unterstützung, Zeitung, Talkshows, etc.
Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ möchte helfen. Wir veröffentlichen zehn Kölner Redensarten, von Hanjo Schiefer formuliert. Wir hätten gerne die Übersetzungen auf Hochdeutsch. Und wer noch andere gute kölsche Sprüche draufhat, kann sie ebenfalls gerne per E-Mail an die Redaktion schicken.

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