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L 162: Bürger sind den Lärm leid

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Das Schmuckstück von Dirmerzheim ist die wertvolle Taufkapelle mit ihrer Deckenbemalung und dem leuchtenden Fensterglas. Foto: Dr. Horst Komuth
Die Verkehrsbelastung an der Landstraße 162 geht nicht nur den Anwohnern auf die Nerven. Auch die alten Fresken in St. Remigius leiden offenbar unter dem ständigen Durchfahrtsverkehr in Erftstadt-Dirmerzheim.  Von
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Erftstadt-Dirmerzheim

Risse ziehen sich durchs Mauerwerk der Taufkapelle von St. Remigius in Dirmerzheim. „Es handelt sich um die wohl bedeutendsten und ältesten Fresken weit und breit“, erläutert Diakon Josef Recker. Vor Jahren waren die Fresken renoviert und Risse verfugt worden. „Jetzt muss wieder renoviert werden“, stellt der Geistliche verärgert fest. Die Gründe für die Schäden seien zwar nicht zweifelsfrei erwiesen, Doch da die Kapelle dicht neben der stark befahrenen Ortsdurchfahrt stehe, liegt für Recker nahe, wo die Ursache liege. Für Ortsbürgermeister Wilfried Esset gibt es kein Zweifel, dass die Lage des Gotteshauses an der engsten Stelle der Ortsdurchfahrt (Landstraße 162) und die Erschütterungen ihre Spuren hinterlassen haben. Die Schäden in der Kirche sind aber nur ein Aspekt für den Ärger, den die Dirmerzheimer infolge der Verkehrsbelastung ihres Ortes beklagen. Michaela Pieper, die gleich gegenüber der Kirche wohnt, kann ein Lied vom Ärger mit den Fahrzeugen singen. „An Tempo 30 hält sich auf der Ortsdurchfahrt doch niemand. Viele machen sich sogar einen Spaß daraus, bis zur scharfen Kurve, die wegen einer Kirchenmauer uneinsehbar ist, heranzubrausen und dann scharf abzubremsen. Vollbremsungen hören wir hier sehr oft. Nachts können wir wegen des Lärms nur bei geschlossenen Fensters schlafen. Und das ist im Hochsommer keine Freude“, beklagt die Bürgerin.

Kunstvoller Boden

Die spätgotischen Fresken der Chorwände stellen den Pfarrpatron, den heiligen Remigius, und die 12 Apostel dar. Die Ausmalungen im Gewölbe etstanden vermutlich 1523. Anfang der 80er Jahre waren die Malereien restauriert worden.

Die Taufkapelle ist aus Sandstein gebaut. Der Fußboden besteht aus Tonplättchen, die kunstvoll in den Boden eingelassen sind. (kom)

„An Tempo 30 hält sich auf der Ortsdurchfahrt doch niemand.“

Michaela Pieper, Anwohnerin der L 162

Auch Diakon Recker, der im Pfarrhaus neben der Kirche wohnt, ist die Lärmbelastung leid. „Ich habe bei uns im Garten mal in einer halben Stunde 220 Fahrzeuge gezählt. Was da wohl für eine Belastung mit Feinstaub besteht“, fragt Recker. Besonders dramatisch sei die Lage im Ortskern, wenn es auf der Autobahn 61 eine Sperrung wegen Unfall gebe. „Dann schieben sich die Fahrzeuge hier Stoßstange an Stoßstange durchs Dorf“, berichtet der Bürger Fritz Willms. Da es in der Ortsmitte so eng sei, würden Sattelschlepper einfach über die Bordsteine fahren. Kontrolliert würden Verkehrsfluss oder Geschwindigkeit in Dirmerzheim seit Jahren nicht mehr.

Gefährliche Situationen habe er mit seinem Rollstuhl erlebt, berichtet Walter Herckelrath. Oft sei er auf fremde Hilfe angewiesen, damit er auf die Bürgersteige gelangen könne, die nicht abgesenkt und an einigen Stellen zu schmal seien. „Diesen Zustand können wir nur ändern, in dem wir eine Ortsumgehung bekommen. Anschließend kann im Ort die Fahrbahn verschmälert und der Bürgersteig verbreitert werden“, betont Ortsbürgermeister Esser. Auf die Gefahren für die Bürger sei schon mehrfach bei Ortsterminen mit dem Landesbetrieb und der Kreisverwaltung hingewiesen worden. Gefährlich sei die Situation insbesondere für Kinder und Senioren auf ihrem Weg zu Kindergarten, Kirche oder Awo-Begegnungsstätte.

Esser und Ratsfrau Carla Neisse-Hommelsheim verweisen in dem Zusammenhang auf die die Ortsdurchfahrt täglich mehrfach überqueren müssen. Der neue Bürgermeister und der künftige Landrat sollten dem bau einer Westumgehung „oberste Priorität“ einräumen. In dem Zusammenhang begrüßen Esser und Neisse-Hommelsheim den Ausbau des Radwegenetzes, von dem auch viele Dirmerzheimer, insbesondere auf ihrem Weg nach Lechenich profitierten.

Ein Kreisel im benachbarten Konradsheim, wo Radler von der L 162 zum neuen Radweg Richtung Lechenich gelangten, müsse entsprechend groß dimensioniert werden. Der Betriebsausschuss Straßen befasst sich auf seiner heutigen Sitzung um 18 Uhr im Liblarer Rathaus mit diesem geplanten Kreisel.

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