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Ökoprojekt: Im Park wird nicht geerntet

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Öffentliche Grünanlagen – wie hier in Lechenich – gibt es in Erftstadt überall. Als Nutzgarten dienen sie auch künftig nicht.  Foto: Komuth
Die Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) hat Erftstadt auf ein bundesweit beachtetes Ökoprojekt aus Andernach aufmerksam machen wollen. Die Stadt lehnt jedoch eine Umwandlung öffentlicher Grünflächen in Nutzgärten ab.  Von
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Was Andernach am Rhein kann, müsste doch auch in Erftstadt möglich sein. Das dachte sich die Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) Erftstadt. Sie hatte sich intensiv mit dem Thema „Nutzung städtischer Flächen“ befasst. Was geschieht mit Grundstücken, die nicht mehr genutzt werden (etwa Spielflächen in Wohngegenden ohne Kinder) und kaum zu vermarkten sind? Die Stadt Andernach habe da ein bundesweit beachtetes Ökoprojekt auf die Beine gestellt, berichtet CDA-Vorsitzender Patrick Morgen. Nicht mehr benötigte Grünflächen würden als Obst- und Gemüsegärten genutzt. Und zwar von den Bürgern, die diese Flächen pflegen und dort ernten.

An der Stadtmauer

Vertreter der Erftstädter Gartenbauabteilung sahen sich das Ökoprojekt in Andernach an. Die öffentlichen Nutzgartenflächen befänden sich größtenteils im Bereich des Schlossgrabens entlang einer Stadtmauer, die den dicht bebauten Ortskern abgrenze. Einwohner, die in diesem Bereich wohnten und selber keinen Garten hätten, könnten so in nächster Nähe mal eben beim Einkaufen oder Spazierengehen Gemüse und Obst ernten. Andernach organisiere die Pflege der Anbauflächen durch eine unter anderem dafür abgestellte Sieben-Mann-Kolonne, die aus sechs „Bürgerarbeitern“ (Mitarbeiter der örtlichen Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft für Langzeitarbeitslose) und einem Gärtner bestehe. Die Kommune übernehme auch die Kosten hierfür, teilte die Erftstädter Verwaltung nun im Betriebsausschuss Straßen mit. Die Gemüsebeete seien insgesamt rund 2000 Quadratmeter groß. Vor der Nutzung seien die Böden auf Altlasten hin untersucht worden.

Andernach hat etwa 30 000 Einwohner. Die meisten (22 600) wohnen in der Kernstadt. In Erftstadt hingegen gibt es laut Verwaltung rund 50 000 Einwohner in 14 Stadtteilen. 71,2 Prozent des Stadtgebietes würden landwirtschaftlich genutzt. Viele Einwohner besäßen Grundeigentum und Garten, in dem Obst und Gemüse angebaut werden könne.

Viele Obstbäume
An vielen Straßen, in Grünanlagen, auf Spielplätzen und in Landschaftsschutzgebieten ständen zahlreiche Obstbäume, deren Früchte die Bürger ernten dürften. Das Angebot werde jedoch nicht gerade intensiv in Anspruch genommen. Im Gegenteil. Es gebe sogar Proteste, wenn auf Spielplätzen Obstbäume gepflanzt würden: weil das Fallobst Wespen anlocken könnte. Das Andernacher Modell „Die essbare Stadt“ sei auf Erftstadt kaum übertragbar. Die Umwandlung von Brachflächen in Obst- oder Gemüsegärten würde auch gar keine Kosten sparen. Der Ausschuss nahm das so zur Kenntnis. Antragsteller Patrick Morgen ist enttäuscht. „Es ist bedauerlich, dass Erftstadt diese Chance nicht ergriffen hat.“

Großer Bedarf

„Auch wenn in Erftstadt viele Bürger Grundbesitz haben, ist der Bedarf an Gartenflächen zum Anbau von Obst und Gemüse doch enorm groß“, betont der Lechenicher Ortsbürgermeister und Vorsitzende des Gartenbauvereins, Hans Oberhofer. Der Verein vermittele nicht mehr genutzte Gärten oder Grünflächen, die sich als Gartenland eigneten, an Interessenten. Oberhofer: „Die Liste der Interessenten ist lang, das Angebot hingegen sehr übersichtlich.“

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